Erdbeben mittels Twitter entdecken

Seismogramm eines Seismographen
Bildquelle: Stele am Kandel zu Erdbeben, Detail / Andreas Schwarzkopf / commons.wikimedia.org/wiki/File:Stele_am_Kandel_zu_Erdbeben,_Detail.jpg / Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Weltweit werden Seismographen installiert, um Erdbeben zu registrieren. Dadurch entstehen ganze Seismographennetze, die aber längst nicht alle Gegenden der Erde in gleichem Maße abdecken. So unterhält etwa der US Geological Survey (USGS) ein Netz von ca. 2000 Sensoren, die sich jedoch hauptsächlich in Amerika befinden. Dies bedeutet natürlich, dass die Erfassung von Erdbeben in weniger oder gar nicht vernetzten Gebieten für den USGS in Ermangelung von Daten gar nicht so einfach ist, beziehungsweise es eine Weile dauern kann, bis entsprechende offizielle Bestätigungen eintreffen. Aus diesem Grund hat der USGS nach einer Möglichkeit gesucht, um schneller an Informationen zu Erdebeben in weniger erschlossenen Gebieten zu gelangen und hat diese auch gefunden - und zwar im Kurznachrichtendienst Twitter.

Beschreibung von Twitter

Twitter ist ein Kurznachrichtendienst, der es ermöglicht, kurze Texte mit einer maximalen Länge von 140 Zeichen zu verfassen. Diese Texte können auch Links oder sogenannte Hashtags (sie dienen zur Hervorhebung von Wörtern oder Begriffen und sind mit dem Zeichen # gekennzeichnet) beinhalten. Diese Texte können von allen gelesen werden, die dem Verfasser folgen (seine Texte also abonniert haben).

Funktionsweise der Erbebenwarnung mittels Twitter

Wird ein Erdbeben von Menschen registriert, dann spiegelt sich dies in der Regel sehr schnell auch in Twitter wieder, da in einem solchen Fall Menschen gerne entweder das Erlebte berichten oder nachfragen wollen, ob andere die gleiche Erfahrung gemacht haben. Genau diesen Umstand macht sich der USGS zu Nutze und analysiert weltweit jene Tweets, in denen es um Erdbeben geht. Um möglichst zuverlässige Ergebnisse zu erzielen werden diese Tweets dann nach den folgenden Kriterien gefiltert:

  • Länge: Es wurde festgestellt, dass Berichte über Erdbeben um so authentischer und zuverlässiger sind, je kürzer sie sind. Wer gerade ein Erdbeben erlebt (hat), schreibt keine langen Texte.
  • Links und Details: Tweets mit Links und Details zu Erdbeben (etwa deren Stärke) lassen in der Regel darauf schließen, dass es sich bei den entsprechenden Tweetern nicht um Augenzeugen handelt.

Durch die Filterung aller erdbebenrelevanten Tweets nach diesen Kriterien erhält der USGS eine ziemlich gute Einschätzung darüber, wo gerade Erdbeben wahrgenommen wurden und kann damit einerseits Fehlalarme der eigenen Seismographen schnell und kostengünstig identifizieren und andererseits oft auch die Intensität des Bebens sehr gut einschätzen.

Erfahrungen mit dieser Methode in der Praxis

In der Praxis lassen sich auf diese Weise Erdbeben in der Regel in einer Zeit unter 2 Minuten identifizieren, sofern sie von Menschen wahrgenommen wurden. Das Erdbeben in Napa (Kalifornien) von 2014 mit einer Stärke von 6,1 nach Richter wurde so etwa innerhalb von 29 Sekunden erkannt. Ein Nachbeben in Chile wurde in 1 Minuten und 20 Sekunden erfasst, wobei die Alarmierung bereits nach 14 herausgefilterten Tweets erfolgte. Jene Beben, die nicht von Menschen wahrgenommen werden, können natürlich mit dieser Methode auch nicht registriert werden, wie etwa Seebeben.

Fazit

Es ist faszinierend, dass durch die Analyse von Kurznachrichten auf Twitter Erdbeben in so kurzer Zeit erkannt werden können, vorausgesetzt, sie wurden von Menschen wahrgenommen. Dadurch können einerseits sehr rasch etwaige Falschmeldungen von Seismographen als solche erkannt werden und andererseits tatsächliche Erdbeben sehr schnell lokalisiert und teilweise sogar kategorisiert werden. Aber das erfolgreiche Durchforsten, Filtern und Kategorisieren von unzähligen Kurznachrichten hinsichtlich einer gewünschten Information innerhalb so kurzer Zeit macht auch etwas nachdenklich.

 

P.S.: Zum Abschluss ein nicht ganz ernst gemeinter Kurzfilm, wie Erdbebenwarnungen in Zukunft ablaufen könnten:

(Titel = Twitter, faster than earthquakes / Autor = Twitter / Quelle = youtube.com/watch?v=0UFsJhYBxzY / 09.12.2015)

 

Links:

Bildquelle: 
Stele am Kandel zu Erdbeben, Detail / Andreas Schwarzkopf / commons.wikimedia.org/wiki/File:Stele_am_Kandel_zu_Erdbeben,_Detail.jpg / Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

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