50. Todestag von Otto Hahn (28.7.1968)

Porträt von Otto Hahn
Bildquelle: Bundesarchiv, Bild 183-46019-0001 / Unknown / CC-BY-SA 3.0

Otto Hahn, der bekannte deutsche Chemiker, Entdecker der Kernspaltung, Nobelpreisträger, Gründungspräsident der Max-Planck-Gesellschaft und Friedensaktivist ist vor 50 Jahren verstorben. Grund genug auf sein bewegtes Leben zurückzublicken und auf jene Entdeckung, die ihm zwar Ruhm und Ehre brachte, ihm aber auch die Probleme der Wissenschaft vor Auge führte, dass Entdeckungen auch zum Schaden der Menschheit eingesetzt werden können.

Kindheit, Jugend und Ausbildung

Otto Emil Hahn wurde am 8.3.1879 in Frankfurt am Main geboren und verlebte als jüngster von 4 Brüdern so wie diese eine sehr behütete Kindheit. Sein Interesse für Chemie war bereits in Jugendjahren auffällig, was sich dadurch zeigte, dass Otto mit einigen Freunden in der Waschküche der Mutter chemische Experimente durchführte. Und so war es auch nicht verwunderlich, dass Otto nach seinem Abitur an der Klingler-Oberrealschule in Frankfurt am Main 1897 mit dem Studium der Chemie und Mineralogie in Marburg begann, welches er nach 2 Auslandssemstern in München 1901 summa cum laude abschloss. Es folgten die Ableistung des einjährigen Militärdienstes und eine zweijährige Assistenzstelle bei seinem Doktorvater Theodor Zincke, ehe er eine Stelle als Mitarbeiter von Sir William Ramsey an der University of London annahm.

Erste Forschungen

In London begann Hahn sich mit dem Gebiet der Radiochemie zu beschäftigen, was ihn sofort faszinierte, handelte es sich doch um ein junges Forschungsgebiet, in dem es noch viel zu erforschen gab. Die Erfolge ließen auch nicht lange auf sich warten, wenngleich Hahn nicht in London blieb. So wechselte er zuerst 1905 nach Montreal zu Ernest Rutherford, ehe er ab 1906 nach Berlin an die Friedrich-Wilhelms Universität wechselte. Wie erwartet bot die Radiochemie viele Möglichkeiten und so gelangen ihm schnell bedeutende Entdeckungen, wie etwa jene des Mesothoriums und des radioaktiven Rückstoßes. In Berlin lernte er 1907 auch Lise Meitner kennen, mit der ihn eine lebenslange Freundschaft verband. 1913 heiratete er Edith Junghans, 1922 wurde der einzige Sohn des Paares geboren - Hanno Hahn. In diese Zeit fiel aber auch der Erste Weltkrieg, in dem Hahn wie viele andere Chemiker bei der Entwicklung von Giftgas mitarbeitete und den Einsatz der entwickelten Giftgase überwachte.

Radiochemie und Kernspaltung

Nach dem Ersten Weltkrieg setzte Otto Hahn seine Forschungen im Bereich der Radiochemie fort, entdeckte die Kernisomerie und begründete mit der "Angewandten Radiochemie" ein neues Forschungsgebiet. Die bekannteste Entdeckung gelang ihm im Jahr 1938, als er gemeinsam mit Lise Meitner und Fritz Strassmann die Kernspaltung entdeckte. Die Entdeckung geschah im Vorfeld des 2. Weltkrieges unter schwierigen Bedingungen, denn Lise Meitner war erst knapp vor der Entdeckung der Kernspaltung unter Mithilfe von Otto Hahn die Flucht aus Deutschland gelungen. Während des Zweiten Weltkriegs setzte Hahn seine Forschungen fort und er versuchte immer wieder jüdischen Mitbürger_innen durch Intervention beizustehen. Am Ende des 2. Weltkrieges wurde Hahn gefangengenommen und gemeinsam mit neun deutschen Physikern (u.a. Heisenberg, von Weizsäcker) im Rahmen der Operation Epsilon in der Nähe von Cambridge gefangen gehalten, mit dem Ziel Informationen über den Stand der deutschen Kernphysikforschung zu erhalten, was letztendlich erfolglos blieb. Nicht zuletzt deshalb, weil die deutsche Kernphysik gar nicht auf dem hohen Stand gewesen sein dürfte, den die Alliierten angenommen hatten.

Der Nobelpreis

1944 erhielt Otto Hahn den Nobelpreis für Chemie, wobei hier doch einige interessante Punkte festzuhalten wären:

  • Hahn wurde bis 1945 insgesamt 21 mal für den Chemienobelpreis und 16 mal für den Physiknobelpreis vorgeschlagen.
  • Der Chemiker Hahn erhielt letztendlich den Chemienobelpreis für eine eigentlich physikalische Entdeckung (Kernspaltung), die ihm chemisch gelang.
  • Hahn konnte als Nobelpreisträger des Jahres 1944 erst Ende 1945 nach dem Ende des Nationalsozialismus bekannt gegeben werden und er konnte den Preis erst 1946 nach seiner Inhaftierung in Empfang nehmen.

Nach dem 2. Weltkrieg

Für die Zeit nach dem 2. Weltkrieg sind aus beruflicher Sicht vor allem 2 Dinge hervorzuheben. Zum Einen wurde Otto Hahn Gründungspräsident der 1948 neu eingerichteten Max-Planck-Gesellschaft, was er auch bis 1960 blieb. Zum Anderen setzte sich Hahn vehement gegen Kernwaffen und Atomversuche ein. Ihm ging es da so wie vielen anderen Wissenschaftler_innen auch. Eine Entdeckung (Kernspaltung), die viel Gutes bewirken sollte (Strahlentherapie, etc.) wird zur Entwicklung von tödlichen Waffen verwendet. Privat hatte er den Tod seines Sohnes Hanno durch einen Autounfall im Jahr 1960 zu verkraften. Als sich Otto Hahn im März 1968 nach einem Sturz beim Aussteigen aus seinem Dienstwagen Verletzungen an der Halswirbelsäule zuzog, wurde er in die Göttinger Klinik "Neu Mariahilf" gebracht, wo er dann am 28.7.1968 an akutem Herzversagen starb. Bestattet ist er wie seine Frau, die kurze Zeit später (14.8.1968) verstarb, auf dem Stadtfriedhof in Göttingen.

 

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