Digitalisierung kritisch beäugt

RedakteurIn: Kerstin Kuba

Vor allem wir Landeslehrer_innen können aus dem Vollen schöpfen. Das Land Tirol hat die Zeichen der Zeit erkannt und mit der Initiative "Bildung 4.0 - Tirol lernt digital" den Schulen bis 2022 großzügige Fördergelder zuerkannt. Die Richtlinien, um in den Genuss der Förderung zu gelangen, finden Sie im Anhang. Der erste Schritt ist also getan, um unsere Schüler_innen zukunftstauglich zu machen. Nun muss es in unserer pädagogischen Verantwortung liegen, die nächsten Schritte zu setzen. 

Ein großer Kritiker der zunehmenden Digitalisierung ist der deutsche Hirnforscher Manfred Spitzer, der mitunter auch einen extremen Forschungsansatz  vertritt. Er kritisiert vor allem die ewig gleiche Handbewegung auf der eigenschaftslosen Glasoberfläche eines Tablets. Das Wischen unterstützt die Entwicklung des Gehirns nicht annähernd so wie die Handschrift.

Wer  sein Kind in der Kindheit viel wischen lässt, muss sich nicht wundern, wenn die Karriere als Putzfachkraft endet.

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DDr. Spitzer sieht die Handschrift als Grundlage für erfolgreiches Lernen an.  Das Schreiben per Hand ist ein notwendiges Motorik-Training und ermöglicht den Weg des Gelernten ins Gedächtnis. Die Digitalisierung darf also laut Lernexperten und Hirnforscher Spitzer die Handschrift nicht sterben lassen.

Für diese wissenschaftliche Erkenntnis bin ich sehr dankbar. Immerhin ist das Entziffern unleserlicher Worte zu einem nicht unwesentlichen Teil meiner Korrekturarbeit geworden. Das kleine N gleicht dem R, das A ist vom O nicht zu  unterscheiden. 

Pädagogisch ist also das Training einer leserlichen Schrift unerlässlich. Genauso erforderlich ist das Nachdenken über die ergonomische Anordnung von Arbeitsmitteln. Kinder bewegen sich häufig zu wenig und sind in der Schule oft zum Stillsitzen verdammt. Effizientes Lernen wird aber erst dann möglich, wenn Bewegung in den Schulalltag integriert wird. Wir alle und besonders unsere Schüler_innen müssen gegen den Handy-Nacken ankämpfen. Auch der inflationäre Einsatz von Tablets ist eine zusätzliche Belastung der Halswirbelsäule. Ausgleichende Übungen können allen zukünftigen Rückenschmerzen vorbeugen. 

1. Handschrift gezielt fördern

Leserlich zu schreiben ist keine Frage der Intelligenz, sondern eine Frage der Übung. Diese Übung müssen wir unseren Kindern angedeihen lassen, denn immerhin ist die Schrift das wichtigste Medium im Unterricht. Wie wir schreiben ist auch Ausdruck unserer Persönlichkeit. Nicht nur darum zeigen sich viele Wissenschaftler_innen über das Abschaffen der Handschrift in Finnland entsetzt.

Für Pädagog_innen der Primarstufe  ist basales Schriftraining meist selbstverständlich. Anregungen für  Unterrichtende an der Sekundarstufe finden Sie hier.

Dass sich viele Menschen dem Wert der Handschrift bewusst sind, zeigt eine aktuelle Unfrage im Spiegel online. Von den über 28 000 Befragten schätzen das Erlernen der Handschrift nur knapp 7 Prozent als überholt ein, während 44 Prozent eine ordentliche Handschrift bevorzugen. 

2. Körperhaltung  trainieren

Der Blick auf Tablet oder Handy ist eine massive Belastung unserer Wirbelsäule. Ein Blick im 45 Grad Winkel nach unten bringt eine zusätzliche Belastung der Halswirbelsäule von bis zu 25 Kilogramm mit sich.

Wenn wir unseren Schüler_innen dies bewusst machen, treffen wir eine  eigentlich unverzichtbare Maßnahme. Ausgleichende Übungen sollten daher mit intensiver Tablet- oder Handynutzung einhergehen, wenn wir unseren pädagogischen Auftrag ernst nehmen.

Die AUVA hat hier ein Angebot zur Verfügung.

3. Sicher im Netz handeln

Dass  wir unsere Jugend bei ihren ersten virtuellen Schritten begleiten müssen, ist klar. Das Angebot an Unterstützern ist riesig. Allen voran muss man Safer Internet nennen. Workshops  für Eltern, Schüler_innen und Lehrende  bieten eine ideale Grundlage. Auch muss das Vermitteln kompetenter  Ratgeber wie mimikama oder watchlist internet muss zur Selbstverständlichkeit werden. Das Unterrichtsfach Digitale Grundbildung schafft die Basis für sicheres Agieren im Internet.

4. Kurzsichtigkeit vorbeugen

Das Starren auf ein Buch oder ein Smartphone kann Kurzsichtigkeit fördern. Studien belegen, dass Menschen, die sehr viel lesen oder das Smartphone intensiv nutzen, weitaus häufiger an Fehlsichtigkeit leiden. Hier hilft es die Bildschirmnutzungszeit zu minimieren. Außerdem müssen beim Arbeiten mit PC und Tablet optimale Lichtverhältnisse gegeben sein. Zwischendurch können auch ausgleichende Übungen für strapazierte Augenmuskeln  helfen. Augentraining könnte Sehproblemen vorbeugen!

Fazit:

Die Digitalisierung hat enormes Potential. Edutainment und Gamification bringen einen Motivationsschub, Kollaborationstools schaffen ein neues soziales Miteinander. Auch die digitale Kreativität ist nicht zu unterschätzen. 

Die Digitalisierung erfordert aber auch, Altbewährtes nicht ersatzlos zu streichen, sondern den Wert der Lernerfahrung kritisch zu überdenken.

 Schule und Lernen ist immer Veränderung unterworfen - wir schaffen das!

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Datum: So. 17.11.2019