Nonnamaxxing: Wenn die „Nonna“ zum Social Media Vorbild wird

Auf TikTok, Instagram und in internationalen Lifestyle Medien taucht seit einigen Wochen ein Begriff auf, der auf den ersten Blick kurios wirkt: „Nonnamaxxing“. Gemeint ist damit ein Lebensstil, der sich an der idealisierten Vorstellung einer italienischen Großmutter orientiert. Langsam essen, selbst kochen, spazieren gehen, Gartenarbeit, Familie, Gemeinschaft und weniger Bildschirmzeit. Die „Nonna“ wird dabei zur Gegenfigur einer digitalen Gegenwart, die von Tempo, Selbstoptimierung und ständiger Sichtbarkeit geprägt ist.
Der ORF griff den Trend im ZIB Magazin auf und stellte ihn in den Zusammenhang von Entschleunigung, Optimierungsdruck und mediterraner Küche. Damit ist „Nonnamaxxing“ mehr als ein kurzlebiger Internetwitz. Der Trend macht sichtbar, wonach sich viele junge Menschen offenbar sehnen.
Nach einem Alltag, der weniger von Leistung, Vergleich und digitaler Dauerpräsenz bestimmt ist.
Der Begriff selbst folgt einer bekannten Logik der Netzkultur. Das englische „maxxing“ bedeutet, einen Lebensbereich besonders stark zu optimieren. Aus Begriffen wie „looksmaxxing“ oder „sleepmaxxing“ wurde eine ganze Wortfamilie. „Nonnamaxxing“ dreht diese Logik scheinbar um. Statt noch effizienter, schöner oder produktiver zu werden, soll das einfache Leben „maximiert“ werden.
Die Bilder, die mit dem Trend verbunden sind, wirken harmlos. Pasta, Obst, Gemüse, Küchentisch, Blumenmuster, Sommerkleider, langsame Spaziergänge. Viele dieser Elemente haben tatsächlich einen gesunden Kern. Gemeinsames Essen, soziale Beziehungen, Bewegung im Alltag und weniger Ablenkung sind keine schlechten Ideen. Auch die mediterrane Ernährung gilt in vielen Studien als gesundheitsförderlich. Problematisch wird es dort, wo aus komplexen Lebensweisen einfache Rezeptbilder werden.
Für die Schule ist der Trend deshalb interessant. Er eignet sich sehr gut, um mit Schüler über die Mechanismen sozialer Netzwerke zu sprechen. Warum werden bestimmte Lebensstile plötzlich sichtbar? Warum wirkt ein Video über Kochen, Aufräumen oder Spazierengehen für Millionen Menschen attraktiv? Welche Rolle spielen Hashtags, Musik, Bildsprache und algorithmische Empfehlungssysteme? Und was passiert, wenn echte soziale Fragen in ästhetische Kurzvideos übersetzt werden?
„Nonnamaxxing“ berührt außerdem eine aktuelle gesellschaftliche Debatte. In Österreich wird seit 2026 verstärkt über ein verpflichtendes Mindestalter für Social Media und über mehr Medienkompetenz an Schulen diskutiert. Solche Debatten zeigen, dass Schule bei digitalen Themen nicht nur auf Verbote oder technische Schutzmaßnahmen setzen kann. Kinder und Jugendliche brauchen Begriffe, um digitale Phänomene einordnen zu können.
Im Unterricht könnte „Nonnamaxxing“ als Beispiel für mehrere Fragen genutzt werden:
- Welche Sehnsüchte werden in Social Media Trends sichtbar?
- Welche Bilder von Alter, Familie und Tradition werden erzeugt?
- Was ist an solchen Bildern realistisch, was ist inszeniert?
- Wie machen Plattformen aus Alltagsszenen Trends?
- Welche Rolle spielen Sprache, Hashtags und Ästhetik?
- Was bleibt vom eigentlichen Gedanken übrig, wenn Entschleunigung selbst zum Content wird?
Die kritische Pointe lautet: „Nonnamaxxing“ kann ein sympathischer Impuls sein, wenn junge Menschen dadurch über Gemeinschaft, gesunde Routinen und weniger Bildschirmzeit nachdenken. Gleichzeitig zeigt der Trend, wie schnell selbst der Wunsch nach Einfachheit in ein neues digitales Ideal verwandelt wird. Die Aufgabe von Medienbildung ist es daher nicht, jeden Trend zu belächeln. Sie soll helfen, Trends zu lesen, ihre Botschaften zu entschlüsseln und den eigenen Umgang damit bewusst zu gestalten.
ORF Beitrag im ZIB Magazin mit Elke Höfler
Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von ChatGPT 5.5 formuliert.