Nihilistischer Extremismus
Nihilistische Gewalttäter suchen ihre Opfer gezielt auf beliebten Gaming-Plattformen, in Online-Selbsthilfe-Foren oder Social Media Accounts. Häufig treffen sie dort sehr unsichere, höchst vulnerable Kinder und Jugendliche. Systematisch wird dann Vertrauen aufgebaut. Auf eine erste Phase der Zuneigung, dem sogenannten Love-Bombing, folgt ein Zyklus von Abwertung, Isolation und Erpressung.
Es werden intime Fotos gefordert, Chatverläufe gespeichert und sogenannte „Lawbooks“ mit Bildern und Videos der Betroffenen angelegt. Auf diese Phase folgt Nötigung und schädigendes Verhalten.
Beispiele, von denen bereits in den Medien berichtet wurde, sind die Gruppen „White Tiger“ und das internationale Netzwerk 764, die Minderjährige zu Selbstverletzung, Missbrauch, zerstörerischem Verhalten und sogar Suizid drängen. Exzessive Aggression ist dabei Selbstzweck.
„White Tiger“, ein 21-jähriger Deutsch-Iraner aus Hamburg, gilt im deutschsprachigen Raum als das bekannteste und brutalste Beispiel nihilistischer Gewalt. Unter diesem Pseudonym hat der Täter Kontakt zu Kindern und Jugendlichen gesucht und sie auf perfide Weise manipuliert. Über 30 Opfer wurden gezählt. Es geht um verstörende Inhalte wie Tierquälerei, Selbstverletzung und ein Kind, das in einem Instagram-Gruppenchat in den Tod getrieben wurde. Das Urteil gegen den Sadisten wird Ende 2026 erwartet.
Die Gruppierung 764, mittlerweile als Terrororganisation eingestuft, wurde 2021 gegründet. Doch es gibt auch andere Szenen wie "No lifes matters" (NFM) oder der vor allem in Osteuropa aktive „Maniac Murder Cult" (MMC). Zusammen bilden sie „The Com", ein internationales Verbrechernetzwerk.
Der emotionale Antrieb der Täter ist oft die absolute Hoffnungslosigkeit, Zurückweisungen und persönlich erlebte Kränkungen. Gefährdet sind vor allem junge Männer, die sich aus der realen Welt zurückgezogen haben und in der realen Welt kaum Kontakte haben.
Wenn sich diese perspektivlosen, frustrierten junge Menschen dann in toxische Communities wie NFM oder MMC verirren, erleben sie dort die Bestätigung, die ihnen bis dato verwehrt war.
Die Anerkennung innerhalb der Gruppe steigt mit zunehmender Brutalität. Nihilistische Gewalttäter erleben grausame Übergriffe als Möglichkeit des sozialen Aufstiegs.
Einmal mehr braucht es ein genaues Hinsehen von Eltern und Pädagog:innen. Gefährdete Jugendliche benötigen echte Bestätigung, Wertschätzung und Möglichkeiten, ihre Kraft positiv und konstruktiv auszuleben.