Die Vernetzung und Vermessung des Menschen

RedakteurIn: Gerald Perfler
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Die Vernetzung der Welt schreitet immer weiter voran und alles wird immer "smarter". Viele haben bereits ein Smartphone, etwas weniger aber immer noch sehr viele werden bereits einen Smart-TV besitzen und einige wohl auch schon eine Smartwatch. So oder so, die Geräte werden immer leistungsfähiger, sollen immer mehr Informationen für die_den Besitzer_in liefern und zusehends sogar immer mehr Aufgaben selbstständig erledigen. Aber wie sieht die Situation im Moment wirklich aus und wohin geht die Entwicklung in der Zukunft?

Der derzeitige Stand:

Smarte Telefone, Fernseher und Uhren sind schon mehr oder weniger weit verbreitet. Automatisierungen in Wohnungen und Häusern (Steuerung von Heizung, Licht, Beschattung etc.) freuen sich auch immer größerer Beliebtheit. Fitnessarmbänder, die Daten über den körperlichen Zustand liefern, und Haushaltsgeräte wie Waschmaschinen und Kühlschränke, die sich per App steuern lassen, sind technisch bereits umgesetzt. Es ist also bereits jetzt möglich, wenn man will, viele Sachen zu vernetzen.

Die mögliche Zukunft:

Im Prinzip lässt sich beinahe alles in irgendeiner Art und Weise messen und die daraus gewonnen Daten können dann vernetzt werden. So gibt es mittlerweile Babyfläschen, die melden, wenn ein Säugling zu schnell an der Flasche trinkt, um damit das Schlucken von Luft und in weiterer Folge Koliken zu verhindern. Des Weiteren gibt es bereits Pflaster, die gleichzeitig die Körpertemperatur messen oder Verbände, welche die Wundheilung überwachen können. Es scheint hier in Zukunft offensichtlich vieles möglich zu sein, wobei sich aber so wie immer wohl (hoffentlich) nicht alles durchsetzen wird.

Fluch oder Segen:

Bleibt noch die Frage, ob es sich bei diesen Entwicklungen um einen Segen oder einen Fluch für die Menschheit handelt. Es ist wohl unbestritten, dass die vielen gewonnen Informationen zu einer Erleichterung des Lebens führen können. Der Kühlschrank, der selbständig mittels Onlinebestellung wieder für Nachschub sorgt, das Auto, das von sich aus einen Autounfall verhindert oder meldet, ein Verband, der die Wundheilung überwacht und bei auftretenden Problemen alarmiert. Dies alles kann viele Dinge erleichtern und manchmal sogar Leben retten und ist somit durchaus erwünscht und ein Gewinn. Zumindest solange die Geräte nicht das Kommando übernehmen. Denn wenn das Fitnessarmband an den Kühlschrank melden sollte, dass man sich zu wenig bewegt habe, und der Kühlschrank daraufhin die Herausgabe von eher kalorienhaltiger Nahrung verweigert, ist dies wohl nicht mehr ganz so lustig. Und das ist nur ein harmloses Beispiel, was passieren kann, wenn sich Geräte vernetzen und eigenständige Entscheidungen treffen können. Des Weiteren entstehen durch die Nutzung solcher "Services" viele Daten, die zum Zweck der Auswertung und Verwendung natürlich gespeichert werden müssen. Wenn diese Daten dann untereinander vernetzt werden, entsteht ein Profil des Benutzers, welches sehr viel über diesen aussagt, und somit für viele Firmen auch sehr wertvoll sein kann. Natürlich behaupten alle Anbieter, dass die Daten perfekt gesichert und für niemanden zugänglich sind. Aber es wäre nicht das erste Mal, dass Daten ungewollt in fremde Hände gelangen.

Fazit:

So wie bei vielen Diensten und Dienstleistungen, die einem das Leben erleichtern können, und die dafür natürlich gewisse Daten benötigen und sammeln, wird die Entscheidung darüber welche Daten man bereit ist im Tausch gegen solche Annehmlichkeiten zur Verfügung zu stellen, von jedem selbst getroffen werden müssen. Da ist das Empfinden darüber, welche Daten sensibel sind, oft auch sehr unterschiedlich. Bedenklich wird das Ganze aus meiner Sicht allerdings dann, wenn eine Bereitstellung von Daten zwingend vorgeschrieben werden würde. Zum Beispiel, wenn Versicherungen bei Abschluss einer Gesundheitsversicherung darauf bestehen würden, dass Kund_innen Armbänder, die den Bewegungsumfang aufzeichnen, tragen müssen, um einen gesunden Lebenswandel nachweisen zu können (freiwillig und in Kombination mit Rabatten ist das heute schon von einigen Versicherungen umgesetzt). Dies geht für mich dann in eine Richtung von permanenter Überwachung, die ich so nicht gerne sehen würde. Ich will meine persönlichen Daten nicht jeder Firma zur Verfügung stellen (müssen), die dann Analysen über mich erstellt, und somit letztendlich wahrscheinlich mehr über mich und meine Gewohnheiten weiß, wie ich selber. Wenn mir allerdings mein Smartphone meldet, dass ich mein Kurzparkticket verlängern oder mit dem Auto wegfahren sollte, dann kann ich damit durchaus leben. Obwohl, wenn ich es mir Recht überlege, könnte damit ja wiederum ein Bewegungsprofil von mir angelegt werden ....

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Datum: Mo. 18.05.2015