100. Geburtstag von Richard Feynman (11.5.1918)

Feynman in einem Gespräch mit Oppenheimer und anderen Wissenschaftlern in Los Alamos
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Richard Feynman, ein genialer Physiker, der in aufregenden Zeiten lebte (2. Weltkrieg und Kalter Krieg) und der für seine Forschungen 1965 auch den Nobelpreis erhielt, war ein Unikat, dem die Verständlichkeit seiner Forschungen ein großes Anliegen war. So sind neben seinen wissenschaftlichen Werken auch einige Zitate und Anekdoten überliefert, die er teils auch gerne selber erzählt hat, wie etwa jene, als er in einem deutschen Supermarkt einkaufen ging. Denn da entdeckte er Quark in einem Regal, was ihm größte Bewunderung vor der deutschen Wissenschaft entlockte. Denn immerhin würde in Deutschland Quark schon im Kühlregal stehen, während in Amerika erst darüber geforscht würde. Und dieser Richard Feynman würde 2018 seinen 100. Geburtstag feiern. Werfen wir also einen kurzen Blick auf das Leben und Wirken von Richard Feynman.

Der junge Richard Feynman

Richard Feynman wurde am 11.5.1918 im New Yorker Stadtteil Queens geboren. Obwohl beide Eltern jüdisch wenngleich nicht religiös waren und Feynman sich selbst als bekennenden Atheisten bezeichnete, war diese jüdische Abstammung in seinem Leben immer wieder mit Nachteilen verbunden. Schon in seinen Jugendjahren fiel Richard Feynman durch außerordentliche Leistungen in mathematischen und technischen Gebieten auf, sodass es nicht verwunderlich war, dass er wie auch seine um 9 Jahre jüngere Schwester, ein technisches Studium wählte. In seinem Fall war dies letztendlich das Physikstudium, nachdem ihm das begonnene Mathematikstudium zu abstrakt war. Bei der Wahl der Universität musste er auf seine 2. Wahl zurückgreifen (Massachusetts Institute of Technology - MIT), da es an seiner Wunschuniversität (Columbia University) eine Quote für jüdische Student_innen gab, die bereits erfüllt war. Nach seinem Studium am MIT von 1935 bis 1939, das er als Bachelor abschloss, wechselte er als Assistent von John Archibald Wheeler an die Princeton Universität, wo er beim Aufnahmetest in Physik die Höchstpunktezahl erreichte, was bis dahin noch niemandem gelungen war. Eine der Bedingungen für die Aufnahme an Princeton war, dass Feynman während der Ausbildung nicht heiraten durfte. So musste er bis zu seinem Abschluss warten, ehe er Arline Greenbaum, seine High School Liebe, heiraten konnte. Die Hochzeit fand am 29.6.1942 statt, obwohl Feynman zu diesem Zeitpunkt schon lange bewusst war, dass seine Frau unheilbar an Tuberkulose erkrankt war und ihr nur mehr eine kurze Lebensdauer prognostiziert wurde. 

Los Alamos

Als Japan Pearl Harbour angriff und die USA daraufhin viel aktiver am 2. Weltkrieg teilnahmen, als dies vorher der Fall war, sahen auch viele Wissenschaftler die Zeit gekommen, ihren Anteil an den US-amerikanischen Kriegsbemühungen zu leisten. In diesem Klima wurde in New Mexiko das Los Alamos Laboratory im Rahmen des Manhattan Projekts erbaut mit dem Ziel eine Atombombe zu entwickeln. So war es nicht verwunderlich, dass es auch den jungen Richard Feynman - angelockt vom charismatischen Robert Oppenheimer - dorthin zog, vor allem, weil dieser auch einen Platz für Arline in einem nahegelegenen Krankenhaus organisierte. Und so half Feynman unter der Woche bei der Entwicklung der Atombombe, während er an den Wochenenden mit einem geliehenen Auto seine sterbende Frau in Albuquerque besuchte. Da es sich bei dem geliehenen Auto um jenes von Klaus Fuchs, einem später überführten Spion, handelte, kam Feynamn auch in den Verdacht ein Spion zu sein. Dieser Verdacht wurde aber schnell wieder fallengelassen. Am 16.6.1945 erhielt Feynman die Nachricht, dass seine Frau im Sterben läge. Er lieh sich wieder das Auto, fuhr nach Albuquerque und blieb in ihren letzten Stunden bei seiner Frau bis sie verstarb. Dann fuhr er wieder zurück nach Los Alamos, wo er sich in die Arbeit stürzte. Nach dem Tod Arlines war Feynman noch zweimal verheiratet, wobei nur der letzten Ehe ein Sohn und eine Adoptivtochter entstammen.

Die Zeit nach Los Alamos

Während seiner Zeit in Los Alamos, hatte Feynman nominell eine Stelle als Assistenzprofessor der University of Wisconsin-Madison, die aber unbezahlt ruhend gestellt wurde. Als Richard Feynman im Jahr 1945 der Aufforderung der Universität seine Arbeit an der Universität wieder aufzunehmen nicht nachkommen wollte, beendete die Universität die Zusammenarbeit mit ihm. Daraufhin warb ihn Hans Bethe, sein unmittelbarer Chef in Los Alamos, für dessen Universität, die Cornell University, an. Somit verließ Feynman im Oktober 1945 als einer der ersten Gruppenleiter Los Alamos in Richtung Cornell University , wo er bis 1951 tätig war. 1951 nahm er dann nach einer Auszeit in Lateinamerika (das einjährige Sabbatical gleich im ersten Jahr der Anstellung war seine Bedingung für die Annahme der Stelle), wo er sich ausgiebig dem Trommeln widmete, eine Professur am Caltech in Pasadena an, wo er bis zum Ende seiner wissenschaftlichen Laufbahn auch bleiben sollte. Feynman galt als sehr unkonventioneller Professor, der immer versuchte, Wissen möglichst einfach und anschaulich zu vermitteln. So ist an vielen Universitäten seine Vorlesungsreihe The Feynman Lectures on Physics sehr beliebt. Feynman beschäftigte sich im Rahmen seiner wissenschaftlichen Tätigkeit vor allem mit Festkörperphysik, Superfluidität, Nanotechnologie und Quantenelektrodynamik, wobei ihm die Forschungen aus dem Bereich der Qantenelektrodynamik 1965 den Nobelpreis brachten. Er beschäftigte sich aber auch als einer der ersten mit dem Nutzen von Quantencomputern. Sein unabhängiger und kritischer Geist, der sich nicht um Normen kümmerte, blitzte noch einmal kurz vor seinem Tod auf, als er nach dem Absturz des Space Shuttle Challenger in die Kommission zur Untersuchung des Unfalls berufen wurde. Er zeigte dabei nämlich nicht nur sehr anschaulich die Auswirkungen von Frost auf die Dichtungsringe an den Feststoff-Treibstofftanks, sondern kritisierte auch die Bürokratisierung der NASA. Sein Bericht wurde als Minderheitenbericht im Rahmen der Untersuchung erst akzeptiert, nachdem Feynman gedroht hatte, medienwirksam aus den Untersuchungen auszutreten, wenn seine Ergebnisse nicht veröffentlicht würden. In diesem Zusammenhang entstand auch ein weiteres der vielen legendären Zitate von Feynman, das am Ende seines Forschungsberichts zu finden ist und einen Seitenhieb auf die NASA darstellt: „For a successful technology, reality must take precedence over public relations, for nature cannot be fooled.“ Schon 1978 wurde bei Richard Feynman eine Krebserkrankung festgestellt, die 1986 wieder akut wurde. Nachdem weitere Operationen nur mehr sein Leben um einige Monate verlängert hätten, entschied sich Feynman im Jahr 1988 die Behandlungen zu beenden. So starb er am 15.2.1988. Seine letzten Worte sollen folgende gewesen sein: "I'd hate to die twice. It's so boring."

 

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