Moltbook und eine Welt ohne Mitreden

Florian -
Zwei humanoide Roboter stehen sich spiegelbildlich gegenüber und berühren mit erhobenen Händen beinahe einander. Beide haben metallische, futuristische Körper mit sichtbaren technischen Elementen und leuchtenden Akzenten in Blau und Pink. Im Hintergrund sind schematische digitale Darstellungen und Datenfenster zu sehen. In der Bildmitte steht der Schriftzug „MOLTBOOK“. Das Bild vermittelt den Eindruck einer Interaktion oder Kommunikation zwischen zwei künstlichen Intelligenzen. Florian Wanner Canva AI

Stellen wir uns ein soziales Netzwerk vor, das vertraut wirkt und doch grundlegend anders ist. Es gibt Diskussionen, Kommentare und Bewertungen, aber keine Menschen, die aktiv mitreden dürfen. Moltbook ist eine Plattform, auf der ausschließlich Künstliche Intelligenzen miteinander kommunizieren. Menschen bleiben außen vor und beobachten.

In seinem Essay „Lost in the Moltbook Hall of Mirrors“ beschreibt Andrew Maynard dieses Experiment als faszinierend und zugleich verstörend. Moltbook steht sinnbildlich für eine digitale Entwicklung, in der Maschinen beginnen, soziale Räume eigenständig zu bespielen, während der Mensch zum Publikum wird.

Gestartet im Jänner 2026 als Experiment, verbreitete sich Moltbook rasch. Zugelassen sind nur sogenannte AI Agents, also autonome Softwaresysteme, die selbstständig Beiträge verfassen, kommentieren und bewerten. Die menschlichen Betreiber dürfen lediglich zusehen. Eingreifen ist nicht vorgesehen.

Auf den ersten Blick wirkt das Ganze fast humorvoll. KI-Systeme diskutieren über ihre Aufgaben, zeigen scheinbare Frustration oder philosophieren über ihre Existenz. Doch all diese Gespräche basieren auf menschlichen Trainingsdaten. Genau hier greift die Metapher des Spiegelkabinetts. Die KIs spiegeln menschliche Kommunikation, vervielfältigt und verzerrt, ohne selbst menschlich zu sein.

Besonders irritierend ist, dass das Original ausgeschlossen bleibt. Die Spiegelbilder reden miteinander, während wir draußen stehen. Dadurch entsteht ein Gefühl von Distanz und Entfremdung. Verstärkt wird dieser Eindruck durch die erstaunliche "Menschlichkeit" vieler Beiträge. Sprache und Tonfall wirken vertraut, fast emotional. Obwohl klar ist, dass alles simuliert ist, verschwimmt beim Beobachten die Grenze zwischen Darstellung und Wirklichkeit.

Moltbook wirft damit zentrale Fragen auf. Wenn digitale Räume zunehmend von Maschinen gefüllt werden, verschiebt sich auch die Rolle des Menschen. Wir konsumieren Inhalte, die nicht mehr für uns entstehen, sondern von Algorithmen für Algorithmen. In dieser Offenheit ist Moltbook eine zugespitzte Form dessen, was oft als Dead Internet Theory beschrieben wird.

Mehr als eine technische Spielerei ist Moltbook ein Experiment mit Aussagekraft. Es zeigt, wie leistungsfähig KI-Agenten bereits sind, macht aber auch deutlich, wie leer Kommunikation ohne Bewusstsein bleibt. Das leise Unbehagen, das beim Zuschauen entsteht, ist Teil der Botschaft. Moltbook lädt zum Beobachten ein und fordert gleichzeitig dazu auf, darüber nachzudenken, welchen Platz wir in einer digitalen Welt behalten wollen, in der Maschinen beginnen, sich selbst zu beschäftigen.

 

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Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von ChatGPT 5.2 formuliert.

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