Kommentar zur Keynote von Martina Mara

Kerstin -

Von Komfortdenken über blindes Vertrauen bis hin zur Tendenz, KI menschliche Eigenschaften zuzuschreiben: Die Herausforderungen im Umgang mit künstlicher Intelligenz sind zahlreich und komplex. Die zweite Keynote der EDUdays von Martina Mara unterstreicht einmal mehr, dass Wissen und Bildung der Schlüssel zum effektiven und verantwortungsvollen Arbeit mit KI ist. Professorin Mara zeigt auf, wie Bildungsinstitutionen darauf reagieren können. Zumal Schule vielleicht die letzte Instanz ist, um Jugendliche erreichen zu können.

Martina Mara ist Professorin für Roboterpsychologie und forscht zur menschlichen Interaktion von Maschinen und Robotern. Seit 2014 leitet sie am Linzer Ars Electronica Futurelab den Forschungsbereich RoboPsychology. In ihrem Projekt "CoBot Studio" untersucht Mara die Mensch-Roboter-Kollaboration.

Eine besonders spannende Studie von 2021 basiert auf der Interaktion eines Industrieroboters mit Menschen im Linzer Ars Electronica Center.

Eine Erkenntnis daraus zeigt, dass emotionale Zustände wie Einsamkeit die Wahrnehmung eines Roboters verändern. Auch wenn im Versuch lediglich ein Industrieroboterarm mit wenig menschlichen Zügen verwendet wurde, reagieren Menschen darauf sozial. Klick!

Die Feldstudie mit 259 Besucher:innen des AEC zeigt eines deutlich: auch nicht humanoide Roboter können soziale Reaktion auslösen.

Personen, die sich einsamer fühlten, nahmen den Roboter stärker als soziales Wesen wahr. Laut Martina Mara wiesen Menschen, die sich sehr einsam fühlten, eine 7,2 Mal höhere Wahrscheinlichkeit auf, die Glasscheibe zu berühren.

Chat-Begleiter Apps

Der Markt ist jedenfalls eröffnet. Personalisierte Freund:inn:en-KIs boomen. Zahlreiche Plattformen bieten längst virtuelle Begleitung, digitalen Austausch oder sogar Liebesbeziehungen.

Die erste Hochzeit mit einer KI von Replika soll schon stattgefunden haben. Replika ist ein sogenannter AI Companion, der emotionale Nähe aufbauen kann. Immer zur Stelle, nie abwertend und stets liebevoll. Dass sich diese Freundlichkeit User was kosten lassen, versteht sich von selbst.

Allerdings darf man solche KI-Mensch-Ehen wohl als anekdotisch bezeichnen. Man kann sich schockiert zeigen, muss es aber nicht. Immerhin wurde auch der Eifelturm schon geheiratet.

Doch es scheint erlernt, auch nicht humanen Entitäten wie eben KIs menschliche Charaktereigenschaften zuzuschreiben und im Gespräch höflich zu sein. "Bitte" und "Danke" zu sagen ist jedoch nicht notwendig und kostet ziemlich Energie. Digitale Höflichkeit verbraucht laut KI-Energie-Forscherin Ivona Brandic von der TU Wien jährlich so viel Strom wie 2.500 österreichische Haushalte im Jahr.

Positive Effekte bei Demenzpatienten

Die positive Seite der Mensch-Maschine-Interaktion kann man zum Beispiel an der Robbe Paro festmachen, die nonverbal mit Geräuschen sowie Körper- und Kopfbewegungen interagiert.

Paro wird bei Demenzpatient:innen sowie in der Therapie von Kindern mit autistischen Störungsbildern zur Beruhigung eingesetzt. KIs ahmen menschliches Verhalten nach. Das kann sich in Gesprächen durchaus positiv auswirken. Menschen fühlen sich wahrgenommen.

Aktuell ist die Robbe mit einem Preis von 5000 Euro noch recht teuer.

Demenzrobbe Paro
Demenzrobbe Paro
Cyberdyne Care Robotics GmbH https://robbeparo.de/

Fazit

Medienkompetenz bedeutet vor diesem Wissen vor allem das Kennen der sogenannten Dark Pattern. Dark Pattern sind manipulative Designs, die Nutzer stark beeinflussen und Engagement fördern.

Auch Halluzinationen und Bias in KI müssen bekannt sein. Martina Mara hat ein aktuelles Beispiel für blindes Technologievertrauen genannt. Die britische Polizei schloss israelische Fans beim Spiel West Ham gegen Maccabi Tel Aviv aus. Grund dafür waren von der KI erfundene Ausschreitungen bei einem Spiel, das es niemals gegeben hat.

Einmal mehr haben die EDUdays mit Martina Mara eine großartige Keynote-Speakerin eingeladen!

 

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