Die Katakomben Roms

RedakteurIn: Gerald Perfler
[ Bildrechte anzeigen ]

In dem meisten Filmen, die sich mit Rom und der Entstehung des Christentums beschäftigen, dürfen sie nicht fehlen. Diese geheimnisvollen unterirdischen Grabanlagen, die sich nicht selten über mehrere Kilometer erstrecken und immer ein wenig schaurig wirken - kein Wunder bei all den Toten, die hier lager(te)n. Die Rede ist von den Katakomben. Aber wie und warum sind diese eigentlich entstanden?

Roms Bestattungsvorschriften

450 v.Chr. wurde in Rom in den Zwölftafelgesetzen neben einigem anderen auch festgelegt, dass Tote nicht innerhalb der Stadtmauern Roms bestattet werden durften. Aus diesem Grund wurden die Toten  entlang der Ausfallstraßen (etwa der Via Appia Antica) bestattet. Dies erfolgte in Grabdenkmälern unterschiedlichster Größen, ganzen Grabmonumenten oder auch in unterirdisch angelegten Nischengräbern.

Entwicklung der Katakomben

Katakomben - also unterirdische Grabanlagen - in Rom gab es somit nicht erst seit dem Aufkommen des Christentums. So existierten etwa bereits in vorchristlicher Zeit jüdische Katakomben. Im 2. Jahrhundert änderte sich dann gesellschaftlich bedingt die Bestattungsart. Man ging nun vermehrt dazu über die Toten nicht mehr zu verbrennen sondern die Körper der Toten zu bestatten. Dies bedeutete aber auch, dass nun viel mehr Platz für Bestattungen notwendig war als bisher. Vor allem Christen mussten in dieser Zeit, als sie noch aus religiösen Gründen verfolgt wurden und somit keine Grundstücke für einen allgemeinen Friedhof besitzen durften und konnten, auf andere Möglichkeiten zurückgreifen. Vermögendere Personen konnten sich eine Bestattung mit Grabdenkmal oder Monument auf privaten Grundstücken leisten. Da immer wieder Familienmitglieder hinzukamen, wurden diese Grabstätten erweitert - aufgrund fehlender Grundstücke in der Regel in die Tiefe. Und da ein römisches Gesetz besagte, dass die Ausdehnung dieser Grabstätten nicht größer sein darf, als das entsprechende darüber liegende Grundstück, wurde oft mehrere Stockwerke in die Tiefe gegraben, verschiedene Kammern angelegt und diese durch Gänge verbunden - die typischen heute so bekannten Katakomben entstanden. Aus diesem Grund tragen einige Katakomben auch den Namen der ursprünglichen Eigentümer, wie etwa die Priscilla Katakombe oder die Domitilla Katakombe. Für ärmere Personen oder Personen mit eingeschränkten Rechten (Christen der früheren Zeit) blieben nur unterirdische Nischengräber oder öffentliche Friedhöfe. So wurden etwa auch die beiden Apostel Petrus (Nekropole auf dem Vatikanischen Hügel) und Paulus (Nekropole an der Via Ostiense) in öffentlichen Friedhöfen begraben. Oft blieb also auch für diese ärmeren Teile der Gesellschaft nur die unterirdische Bestattung in Katakomben, wenngleich diese dann oft von der Kirche selbst verwaltet wurden, wie etwa die Calixtus Katakombe, die auch als offizieller Friedhof der Stadt Rom fungierte.

Von der Katakombe zum Friedhof

Mit dem Ende der Christenverfolgung durch das Mailänder Edikt von 323 war es den Christen möglich, Grundstücke zu erwerben und auf diesen Gebetsstätten oder Friedhöfe zu errichten. Damit war es nicht mehr notwendig die Katakomben weiter auszubauen. Sie blieben aber weiterhin Stätten der Verehrung, beherbergten sie doch auch die Gebeine etlicher Märtyrer.

Die Katakomben verlieren an Bedeutung

Als die Goten und Langobarden in Italien einfielen und auch Rom nicht verschonten, wurden natürlich einige Katakomben ebenso in Mitleidenschaft gezogen. Vor diesem Hintergrund wurden Ende des 8. und zu Beginn des 9. Jahrhunderts viele Reliquien aus den Katakomben geborgen und in diverse Kirchen gebracht, womit die Katakomben ihre Bedeutung verloren und immer mehr verfielen, durch Erdrutsche verlegt wurden oder einfach von der Vegetation überwachsen wurden.

Die Wiederentdeckung der Katakomben

Es dauerte einige Zeit, bis die Katakomben Roms wiederentdeckt wurden. Die wissenschaftliche Erforschung begann Ende des 16. Jahrhunderts durch Antonio Bosio, ab dem 19. Jahrhundert erfolgte sie dann systematisch und ist selbst heute noch nicht abgeschlossen. Aufgrund des großen Interesses an ihnen gibt es mittlerweile zahlreiche Katakomben die für Besucher (kostenpflichtig) geöffnet sind und viele Touristen nehmen von diesem Angebot gerne Gebrauch.

Für Besichtigungen zugängliche Katakomben in Rom:

Es gibt insgesamt mehr als 60 Katakomben in Rom, wovon einige auch eine mehr oder wenige ausführliche Webpräsenz aufweisen, wie etwa:

Die Katakomben virtuell

Wer sich den Weg nach Rom sparen will, dem könnte die Technik helfen. So gibt es im Netz etwa eine virtuelle Führung durch die Priscilla Katakombe. Man kann sich dabei Bild für Bild in der Priscilla Katakombe fortbewegen und einen Eindruck über Katakomben gewinnen. Etwas ausführlicher war ein START Projekt des Instituts für Kulturgeschichte der Antike in Wien. Im Rahmen dieses Projekts wurde mittels 3D-Laserscanner ein virtuelles Raummodell der Domitilla Katakombe erzeugt, das allerdings leider nicht öffentlich zugänglich ist.

 

P.S.: Dass die Katakomben als Geheimverstecke für Christen dienten ist ein Mythos. Sie waren öffentliche Begräbnisstätten und damit nicht geheim sondern allgemein bekannt.

Links:

Redaktionsbereiche
Datum: Do. 20.10.2016