Jugendliche im Fake-News-Dilemma

Florian -
Titelbild Florian Wanner Canva AI

In einer Zeit, in der soziale Netzwerke und digitale Medien den Alltag Jugendlicher prägen, gewinnen Fragen der Informationsbewertung zunehmend an Bedeutung. Untersuchungen zeigen, dass Jugendliche zwar intensiv online aktiv sind, aber oft unsicher bleiben, wenn es darum geht, verlässliche von falschen Informationen zu unterscheiden. Soziale Plattformen wie TikTok oder Instagram dienen zwar als zentrale Quellen für Nachrichten, doch der kritische Umgang mit dem Wahrheitsgehalt dieser Inhalte ist häufig unzureichend ausgebildet. Diese Befunde weisen auf einen klaren Bedarf an gezielter Förderung von Medien- und Informationskompetenz hin, eine Aufgabe, die Schule und Lehrpersonen aktiv angehen müssen.

Quelle: Safer Internet Studie

 

Medienbildung als schulischer Auftrag

In Österreich ist Medienbildung seit einigen Jahren fester Bestandteil des Schulcurriculums. Mit der Einführung des Pflichtfachs „Digitale Grundbildung“ in der Sekundarstufe I (5.–8. Schulstufe) werden grundlegende Fähigkeiten im Umgang mit digitalen Medien vermittelt, inklusive der Reflexion über Informationsquellen und ihren Glaubwürdigkeitsmerkmalen. In der Sekundarstufe II findet diese Auseinandersetzung fächerübergreifend statt und gibt Raum für vertiefte Analyse- und Bewertungsprozesse. Gerade Lehrpersonen sind hierbei zentrale Akteure, um Schülerinnen und Schüler systematisch in Kompetenzentwicklung zu begleiten.

Quelle: Artikel "Der Standard"

 

Praxisprojekt: Jugendliche als Citizen Scientists

Ein zukunftsweisender Ansatz zur empirischen Auseinandersetzung mit Desinformation ist das Projekt „Young Citizen Scientists against Disinformation“ der Universität für Weiterbildung Krems. Dieses Forschungsprojekt nimmt einen Perspektivwechsel vor. Jugendliche werden nicht nur als Beobachtete verstanden, sondern als aktive Forschende, sogenannte Citizen Scientists, in den Forschungsprozess eingebunden.

Über zwei Schuljahre arbeiten Oberstufenklassen aus dem BRG Krems Ringstraße, der HLW Tulln und der HTL St. Pölten gemeinsam mit Wissenschaftler:innen daran, Desinformation aus ihrer eigenen Lebenswelt zu identifizieren, zu bewerten und einzuordnen. Ziel ist es, nicht allein technische Tools zu entwickeln, sondern zu verstehen, wo und wie Jugendliche Desinformation wahrnehmen, was sie als problematisch empfinden und welche Strategien sie bereits anwenden.

Link zum Projekt

 

Lernprozess statt Defizitmodell

Die Projektevaluation hebt hervor, dass Jugendliche häufig intuitive Fähigkeiten zeigen, fragwürdige Inhalte zu erkennen, aber diese nicht immer genau benennen können. Das Forschungsdesign legt daher einen Schwerpunkt auf Reflexion und Systematisierung dieser Erfahrungen. Jugendliche sammeln Beiträge aus sozialen Medien, diskutieren ihre Wahrnehmungen und entwickeln gemeinsam Interpretationskategorien. Dadurch verschiebt sich der Fokus weg vom Defizitdenken hin zu einer teilnehmenden Kompetenzentwicklung.

Ein weiteres innovatives Element ist die Entwicklung eines Brettspiels mit digitalen Rechercheelementen, das spielerisch Strategien zur Quellenbewertung vermittelt. Dieser Game-Based-Learning-Ansatz nutzt bekannte kooperative Spielmechaniken, um Routineprozesse in der Informationsprüfung zu verankern. Diese idee ist ein Beispiel dafür, wie Lernen über Desinformation über traditionelle Unterrichtsformate hinausgehen kann.

Die Kombination aus im Lehrplan verankerter Medienbildung, der aktiven Einbindung Jugendlicher in Forschungsprozesse und innovativen Lernformaten zeigt Perspektiven auf, wie Schule Desinformation sachlich und praxisorientiert thematisieren kann. Für Lehrpersonen bedeutet das, dass die gezielte Förderung von kritischem Denken, Reflexion und praktischen Bewertungsmethoden ein Kern pädagogischer Arbeit ist und nicht nur ein Zusatzaspekt digitaler Bildung.

Infografik Fake News Safer Internet saferinernet.at

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