Handreichung: „Antisemitismus"

Das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) und das OeAD-Programm ERINNERN:AT haben gemeinsam mit der Pädagogischen Hochschule Salzburg eine 58-seitige Handreichung für Lehrpersonen veröffentlicht. Die Broschüre ist Teil der im November 2025 vorgestellten „Nationalen Strategie gegen Antisemitismus 2.0" mit 49 Maßnahmen in acht Handlungsfeldern.
Was die Handreichung leisten will
Die Publikation ist nicht als Sammlung fertiger Unterrichtsentwürfe konzipiert, sondern als inhaltliche Einführung mit Handlungsempfehlungen. Lehrpersonen erhalten kompaktes Grundlagenwissen zu Geschichte, Erscheinungsformen und Funktionen von Antisemitismus sowie Hinweise, wie sich antisemitische Äußerungen im Schulalltag erkennen, benennen und bearbeiten lassen. Methodische Anregungen und konkrete Lernmaterialien werden über weiterführende Verweise angebunden.
Inhaltliche Schwerpunkte
Das Autorinnen- und Autorenteam beschreibt die historische Entwicklung des Antisemitismus in Österreich, von der Rolle Karl Luegers als Wiener Bürgermeister bis zur Waldheim-Affäre 1986 als Wendepunkt der österreichischen Erinnerungskultur. Aktuelle Erscheinungsformen wie sekundärer Antisemitismus, antisemitische Verschwörungsmythen und israelbezogener Antisemitismus werden ebenfalls dargestellt. Aufgegriffen wird auch die IHRA-Arbeitsdefinition, die Österreich 2017 als erste einheitliche Definition angenommen hat.
Mitautorin Adelheid Schreilechner formuliert in der Begleitkommunikation, dass die Beschäftigung mit dem Holocaust allein nicht ausreicht, um der Komplexität gegenwärtiger antisemitischer Phänomene gerecht zu werden. Gesellschaftliche Dynamiken, die Eskalation im Nahen Osten und Social-Media-Phänomene erschwerten die Auseinandersetzung im Klassenzimmer zusätzlich.
Einsatz im Unterricht
Die Broschüre richtet sich an Lehrpersonen aller Schulformen und eignet sich für die Vor- und Nachbereitung von Unterrichtseinheiten in Geschichte und Politische Bildung, Religion, Ethik und Deutsch. Sie kann auch als Grundlage für schulinterne Fortbildungen oder pädagogische Konferenzen dienen.
Antisemitismuskritische Bildungsarbeit braucht Zeit, Kontinuität und fachlich abgesicherte Materialien. Die Handreichung schließt eine Lücke, indem sie historisches Wissen, gesellschaftliche Analyse und pädagogische Handlungsorientierung in einem Werkzeug bündelt und damit auch jene Lehrpersonen erreicht, die sich erstmals systematisch mit dem Thema auseinandersetzen.