Das Social Media Verbot in Australien

Kerstin -

Kraft Gesetz ist es Kindern unter 16 Jahren in Australien seit 10. Dezember 2025 verboten, Konten wie Facebook, Instagram, TikTok, Snapchat, Reddit, YouTube oder X zu besitzen. Insgesamt sind zehn Dienste vom Verbot betroffen. Verantwortlich für die Kontrolle dieses Verbots sind die Plattformen selbst. Das ist die eigentliche Sensation.

Denn auch in Österreich gibt es laut DSGVO bereits ein Social Media Verbot von Kindern unter 14 Jahren. Die Plattformen ermöglichen eine Anmeldung für deutlich jüngere Kinder trotzdem. Eine  Altersverifikation, die diesen Namen auch verdient, gibt es aktuell hierzulande nicht. Plattformen delegieren somit ihre Verantwortung.

Bei Nichteinhaltung des Gesetzes in Down Under drohen hingegen empfindliche Strafen von bis zu 49,5 Millionen australischen Dollar, das sind etwa 28 Millionen Euro. Die Plattformen werden so gezwungen, echte Verantwortung wahrzunehmen und "reasonable steps" zum Schutz von Minderjährigen zu setzen. 

Bereits in der ersten Woche sollen laut Meta über 500 000 Konten geblockt worden sein.

Die australische Regierung begründet das Verbot mit dem Schutz vor Sucht, vor Cyber-Mobbing, sexualisierter Gewalt oder Cyber-Grooming. Inspiriert ist dieses bahnbrechende Gesetz angeblich durch das Buch Generation Angst von Jonathan Haidt, eine Rezension dazu lesen Sie hier: Klick!

Wie erfolgt die Altersüberprüfung in Australien?

Die Altersüberprüfung erfolgt in Australien durch unterschiedliche Maßnahmen. Verschiedene Techniken kommen zur Anwendung. Die Apps gleichen die hochgeladenen Bilder mit großen Datensätzen ab und schätzen das Alter. Außerdem wird das Nutzungsverhalten bzw. der Algorithmus überprüft, um Kinder zu identifizieren. In einem dritten Schritt muss ein Ausweis präsentiert werden.

Welche Umgehungsstrategien nutzen australische Teenies?

Verbote bieten Schutz, keine Frage. Jedes Verbot kann jedoch auch umgangen werden. Australische Jugendliche haben schnell gelernt, wie sie dieses neue Gesetz aushebeln können.

Der einfachste Weg? Sie nutzen Apps, die nicht auf der Verbotsliste stehen. Lemon8 ist eine solche App und aus dem Hause ByteDance, dem Unternehmen, das auch TikTok entwickelt hat. Roblox kann ebenso weiterhin verwendet werden, obwohl die Gamingplattform in Kritik steht.

Sehr schnell haben viele Jugendliche auch kostenlose VPN-Dienste genutzt, um den Zugriff aus einem anderen Staat vorzutäuschen. 

Fast schon grotesk ist das Fingieren des Alters auf den geteilten Fotos durch aufgeklebte Bärte oder Faschingsmasken.

Da auch der Algorithmus beobachtet werden kann, vernetzen Jugendliche sich mit Gruppen, die sehr erwachsene Themen behandeln wie Wandern oder Gartenzwerge sammeln. Sie verwenden weniger Emojis und schreiben in ganzen Sätzen, um den Algorithmus zu täuschen.

Kritik am australischen Social Media Bann

Das Social Media Verbot hat dazu geführt, dass schnell eine Migration in weniger regulierte Apps stattgefunden hat.

Medienschutzexpert:innen stufen manche dieser Apps ob kaum vorhandener Moderation jedoch als sehr problematisch ein. Sie warnen davor, dass der Social Media Bann Jugendliche in die "dunklen Ecken des Internets" drängt.

 

Österreichisches Social Media Verbot?

Auch in Österreich liebäugelt die Regierung mit dem australischen Modell. 78 Prozent der Österreicher sind für ein Verbot für Jugendliche unter 15 Jahren. Das geht aus einer neuen, repräsentativen Umfrage von Unique Research im Auftrag von "Der Pragmaticus" mit mehr als 800 Befragten hervor. 

Es wird derzeit jedenfalls intensiv über ein mögliches Social‑Media‑Mindestalter diskutiert. Mehrere politische Entscheidungsträger haben sich bereits öffentlich dafür ausgesprochen, strengere Regeln oder sogar ein teilweises Nutzungsverbot für jüngere Jugendliche einzuführen. Die Debatte orientiert sich dabei auch an internationalen Entwicklungen wie in Australien. 

Das Verbot allein wird nicht die Lösung einer großen Herausforderung sein. Neben dem Verbot braucht es dann weiterhin, den engagierten Einsatz von Schule und Familie, um Kinder und Jugendliche zu medienkompetenten Erwachsenen zu erziehen.

Weiterführende Informationen: Klick

 

 

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