Codes im Klassenzimmer: Wenn ein Emoji mehr bedeutet als ein Daumen hoch

Eine Schülerin findet auf ihrem Tisch ein 💯 eingeritzt. Ein Schüler postet im Klassen-Chat ein blaues Herz 💙 und einen Clown 🤡. In einer Deutschstunde fällt der Satz "What colour is your Bugatti?", und die halbe Klasse lacht. Für viele Lehrpersonen klingt das nach harmlosem Jugendquatsch. Für eingeweihte Schüler:innen sind es Bekenntnisse zu einer Ideologie, die Frauen abwertet, Demokratie verspottet und antisemitische Verschwörungen andeutet.
Der Wiener AHS-Lehrer Bernhard Gmeiner hat dazu einen kompakten Guide für Lehrkräfte und Eltern veröffentlicht (bernhardgmeiner.com). Dieser Artikel fasst die wichtigsten Codes zusammen, ordnet sie ein und zeigt, worauf im Schulalltag zu achten ist.
Wer ist Bernhard Gmeiner?
Gmeiner unterrichtet Englisch sowie Geographie und wirtschaftliche Bildung in Wien. Er gilt als einer der profiliertesten österreichischen Stimmen zum Thema KI im Bildungsbereich, hält Keynotes, leitet Fortbildungen und organisiert die Veranstaltungsreihe "Schmelzgespräche". Auf seinem Blog und in Beiträgen für DER STANDARD und den Kurier schreibt er regelmäßig über generative KI im Unterricht, Datenschutz, Deepfakes und medienpädagogische Herausforderungen. Mit dem hier besprochenen Guide weitet er sein Themenspektrum auf digitale Radikalisierung und Jugendkulturen aus.
Warum das Thema gerade jetzt drängt
Die Beratungsstelle Safer Internet berichtet, dass in österreichischen Klassen mit hohem Bubenanteil "Andrew Tate das dritte Wort" sei, das falle (science.ORF.at, Mai 2025). Eine irische Studie der Dublin City University zählte allein auf YouTube Shorts 582 Erwähnungen Tates (Medienanstalt RLP, 2025). Die Netflix-Serie Adolescence hat das Thema 2025 europaweit sichtbar gemacht. Die deutsche Servicestelle Kinder- und Jugendschutz hat im Juli 2025 eine eigene Handreichung zur Manosphere veröffentlicht (Servicestelle Jugendschutz). Die Bundeszentrale für politische Bildung listet das Pillen-Emoji 💊 ausdrücklich als Code der Manosphere (bpb.de).
Was im Guide zu finden ist
Bernhard Gmeiner gliedert die Codes in drei Bereiche.
- Manosphere-Sprache: Red Pill und Blue Pill für "Erwachte" und "Naive", die Hierarchie aus Alpha, Beta, Sigma, Chad und Stacy, die 80/20-Regel hinter dem 💯-Emoji, Phrasen wie "Make me a sandwich" oder "Repeal the 19th!".
- Ambivalente Codes, die im Alltag harmlos wirken können: das blaue Herz als Erkennungszeichen von FPÖ- und AfD-Anhänger:innen, die OK-Geste 👌 als verdeckte Anspielung auf "White Power", die Clown-Welt 🤡🌎 zur Verspottung liberaler Demokratie, die drei Klammern ((( ))) als antisemitische Markierung.
- Zentrale Personen: Andrew Tate, Jordan Peterson, Charlie Kirk, Nick Fuentes.
Entscheidend ist immer der Kontext, in dem die Emojis verwendet werden. Ein einzelnes Emoji ist meist banal. Häufung, Kombination und abwertender Zusammenhang machen aus einem Symbol ein Bekenntnis.
Was Lehrpersonen und Eltern tun können
Verbote helfen wenig. Aufschlussreicher sind offene Fragen wie "Was bedeutet das für dich?" oder "Wo hast du das gesehen?". Dabei ist zu betonen, dass Schulen solche Entwicklungen auffangen müssen, dies aber nur im Zusammenspiel mit Eltern und Gesellschaft gelingen kann. Wer die Codes kennt, kann hinhören, einordnen und im richtigen Moment ein Gespräch anbieten. Genau darin liegt der pädagogische Wert von Materialien wie dem von Bernhard Gmeiner.
Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI erstellt und redaktionell überarbeitet.