Buchrezension: Aufgeklärt statt aufgeregt von Madita Oeming
Wer ist Madita Oeming?
Oeming ist Sexualpädagogin, Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung und Autorin zahlreicher Fachbeiträge. 2023 veröffentlichte Oeming das Buch Porno: Eine unverschämte Analyse.
Außerdem entwickelte sie den digitalen Pornoführerschein und ist Speakerin zum Thema Mediensexualität. Ihr aktuelles Werk Aufgeklärt statt aufgeregt ist 2026 erschienen.
Inhaltliche Einführung
Die Digitalisierung hat die Adoleszenz tiefgreifend verändert, auch in Hinblick auf Erziehung und Aufklärung.
So hat sich die jugendliche Wortwahl verändert. Wörter wie goonen oder Gangbang sind im Sprachschatz von Teenagern verankert. Den ersten Porno sehen sie durchschnittlich schon mit 13 Jahren. Zudem haben 96 Prozent der Zwölf- bis Neunzehnjährigen nicht nur ein eigenes Smartphone, sondern auch jugendliche Neugier und erhöhten Informationsbedarf in Sachen Sex.
In bester wissenschaftlicher Manier zitiert die Autorin hier die Bitkom-Studie. Zahlreiche weitere Quellen unterstreichen die methodisch fundierte Analyse. Doch wer jetzt ein trocken formuliertes Fachbuch erwartet, wird überrascht und gleichzeitig bestätigt.
Denn zahlreiche Literaturverweise, Statistiken und wissenschaftliche Diskurse belegen ihre Ausführungen. Trotz der Wissenschaftlichkeit bleibt die Sprache leicht und zugänglich.
Geschrieben hat Oeming das Buch für alle, die einen jungen Menschen bestmöglich durch den digitalen Alltag begleiten wollen. Dabei denkt sie nicht nur an heterosexuelle Beziehungen, sondern auch an queere Jugendliche.
Die Mediennutzung von Jugendlichen wertet sie keinesfalls ab. Kulturpessimismus ist Oeming fremd, genauso wie schamhaftes Schweigen über (digitalen) Sex.
Das braucht es, denn OnlyFans, Manosphere oder Sexting sind in der digitalen Welt allgegenwärtig. Sie klärt Begrifflichkeiten und zitiert Forschungsergebnisse.
Hilfe, wie rede ich mit meinem Kind über Sex?
Oeming rät: Wenn Sie förmlich merken, wie Ihnen bestimmte Wörter nicht über die Lippen kommen, üben Sie. Und wenn Sie sich eine Liste ausgewählter Wörter zehnmal vorlesen. Vulva, Penis, Hoden, Po, Brüste, Sex, Kondome, Masturbation, Orgasmus, Porno ..
Schnell merkt man, dass in diesem Buch Dinge ohne Scham beim Namen genannt werden. Oeming empfiehlt weiters, Pornos im Sinne der Medienkompetenz auch im schulischen Kontext zu besprechen und die digitale sexuelle Bildung zu nutzen.
Die Medienpädagogin formuliert Botschaften für Eltern, um Unsicherheiten im Zusammenhang mit Pornokonsum auszugleichen und den Selbstwert von Jugendlichen zu stärken.
Es ist völlig normal, neugierig zu sein auf Bilder von Sex. .. Das ist alles o.k.
Erziehung hat ganz viel mit eigenen Einstellungen, Erfahrungen und persönlichen Beziehungen zu tun. Aufgeklärt statt aufgeregt zu lesen bedeutet auch sich mit der eigenen Persönlichkeit und der eigenen sexuellen Sozialisation auseinandersetzen zu müssen.
Themenfelder
Genauso auseinandersetzen muss man sich als Lesende:r mit digitalen Horrorszenarien wie Dickpics oder Cyber-Grooming. Sie finden für diese Herausforderungen neben Anleitungen für unaufgeregte Gespräche auch Erste-Hilfe-Maßnahmen sowie den (deutschen) Gesetzestext.
Zentrale Botschaft
Was Eltern und Lehrende heute brauchen, um ihr Kind durch die digitale Pubertät zu begleiten, ist nicht nur der Untertitel des Buchs.
Die durchgängige Antwort Oemings dazu ist vor allem, die Fähigkeit der Eltern hinzuschauen und auf Augenhöhe mit ihren Kindern zu sprechen.
Begleiten statt verbieten ist ebenso spürbarer Tenor oder: Medienbeziehung statt Medienerziehung!
Persönliches Fazit
Klare Empfehlung! Aufgeklärt statt aufgeregt ist Pflichtlektüre für Eltern und Pädagog:innen und vielmehr als einfach ein Buch. Durch die zahlreichen Querverweise auf Klick-, Hör- oder Watch-Tipps, die Anregung zur Selbstreflexion und die Hinweise auf Gesetzestexte gleicht das Buch einem Aufklärungsuniversum. In klaren Worten wird beschrieben, was Pornographie ist, was es macht und wo es gefährlich wird. Die Komplexität des Themas und die möglicherweise schwierige, weil peinliche Erziehungssituation wird angesprochen, nicht ohne anwendbare Tipps zum Thema mitzuliefern.
Bibliographie