Von der Höheren Töchterschule zum BRG für Mädchen

Sillgasse
Bildquelle: Screenshot (http://www.bg-sillgasse.tsn.at/) - Anita Eller

Geschichte des Gymnasiums in der Sillgasse

Am 6. November 1894 beschloss der Innsbrucker Gemeinderat die Errichtung einer dreiklassigen Mädchenbürgerschule, einer fünfklassigen Mädchenvolksschule und einer dreiklassigen Höheren Töchterschule.

Für die Höhere Töchterschule erwarb die Stadt 1896 das Pfeiffersberg-Anwesen in der heutigen Sillgasse für den Bau des Schulgebäudes. 1904 stellte der Schulreferent Friedrich Stolz in einer Gemeinderatssitzung den Antrag, die Töchterschule in ein nicht-konfessionelles Gymnasium umzugestalten. In diesem Mädchenlyzeum sollte die Möglichkeit zur Ablegung einer Reifeprüfung angeboten werden und damit die Berechtigung zum Besuch der philosophischen Fakultät als außerordentliche Hörerin. Ein dreijähriges Studium könnte dann mit einer Lehrbefähigunsprüfung für Mädchenlyzeen abgeschlossen werden. 

Sechs Jahre später kam es zur Umsetzung dieser Schulreform: Die Höhere Töchterschule wurde in ein Mädchenrealgymnasium mit Öffentlichkeitsrecht vom Typ A (Latein ab der 3. Klasse) umgewandelt. Ab nun stand es Mädchen in Tirol offen, einen Bildungsweg mit Zugang zu einem Universitätsstudium einzuschlagen.
 
Bericht von Gertraud Wachter, Schülerin des Städtischen Mädchengymnasiums, zu ihrem ersten Schultag:
Im Herbst 1910, zu Schulbeginn, waren im zweiten Stock der „Sillschule“ 56 Kinder der ersten MRG-Klasse [Mädchenrealgymnasium-Klasse] und drei der Höheren Töchterschule im Betsaal zum Gottesdienst versammelt. Am nächsten Tag bekamen die Gymnasiastinnen das Klassenzimmer neben der Sakristei zugewiesen. Die Kleider wurden im Hausgang aufgehängt. Die Mädchen waren verschieden alt: solche nach der vierten oder fünften Klasse Volksschule, daneben solche mit zwei Klassen Bürgerschule oder ein bis zwei Klassen Lyzeum bei den Ursulinen. Neugierig und bemuttert von den „höheren Töchtern“ lernten sie das Haus kennen. Im dritten Stock befanden sich der Physiksaal und die naturhistorischen Kabinette, im zweiten Stock das Konferenz- und die Klassenzimmer. […]“
Quelle:
Gertraud Wachter, Erinnerungen, in: 75. Jahresbericht über das Schuljahr 1984/85, hrsg. v. der Direktion, Innsbruck 1985, S. 10–11
 
Während des Ersten Weltkriegs wurde im Schulhaus ein Militärspital eingerichtet, die Klassen mussten in das neue Musikvereinsgebäude übersiedeln. Die erste Matura (Maturajahrgang 1917/18) konnte dann aber wieder im Schulgebäude durchgeführt werden. 
 
Im Schuljahr 1933/34 erhielt die Schule das endgültige Öffentlichkeitsrecht.
 
Durch die politische Situation im Austrofaschismus wurden die Schülerinnen zur „Teilnahme an den religiösen Übungen“ verpflichtet und sie mussten das Vaterländische Schülerabzeichen und das Abzeichen der Vaterländischen Front tragen. Der Landesschulrat erließ das „Verbot der Teilnahme von Schülerinnen an parteipolitischen Demonstrationen“. 
 
Mit dem Anschluss Österreichs an Hitler-Deutschland kam es 1938 zu Neubesetzungen im Lehrkörper, Lehrer waren ab nun nationalsozialistischer Gesinnung. Da alle konfessionellen Schulen geschlossen werden mussten, legte man die Klassen der Frauenoberschule der Ursulinen mit dem Mädchenrealgymnasium zusammen. Während des Krieges wurden die Klassen wieder ausgesiedelt, der Unterricht fand in Pradl, im Saggen und in der Leopoldstraße in den dortigen Hauptschulen statt.
 
Nach Kriegsende waren die Mädchen in der Bundes-Oberrealschule am Adolf-Pichler-Platz untergebracht, da sich in der Sillgasse das Bahnpostamt befand, dessen Gebäude im Krieg bombardiert worden war.
 
1950 konnte wieder ins renovierte Schulgebäude eingezogen werden, das Gymnasium in der Sillgasse wurde in "Bundesrealgymnasium für Mädchen" umbenannt, zunächst übernahm die Republik die Personalkosten und ab 1962 die Schule im Gesamten.
 
Ab dem Schuljahr 1964/65 wurden die zwei Schultypen "Neusprachliches Gymnasium" und "Naturwissenschaftliches Realgymnasium" angeboten.
 
Die Schule litt zunehmend mehr unter Raumnot, sodass von 1974 bis 1977 umgebaut wurde. Der Unterricht fand in diesen Jahren im Gebäude des Alten Gerichts in der Michael-Gaismair-Straße in Form von Wechselunterricht (vormittags und nachmittags) statt. 
 
Im Schuljahr 1977/78 wurden die ersten männlichen Schüler aufgenommen, damit war die Ära des Mädchengymnasiums beendet. Die Schule wird seitdem als "Bundesgymnasium und Bundesrealgymnasium Innsbruck - Sillgasse" koedukativ geführt 
 
 
Verwendete Quelle:
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