Radsport - Faszination und Zwielicht

Altes Rennrad
Bildquelle: Quelle: Alexander Scharmer (http://bilder.tibs.at/node/9111) Lizenz: CC BY-NC-SA 3.0 AT

Tour de France, Giro d´Italia, "Hölle des Nordens", Alpe d´Huez... selbst sportferne Menschen haben diese Begriffe wahrscheinlich irgendwann in ihrem Leben schon einmal gehört. Richtig, es geht um Radsport- eine Sportart, die in vielen Ländern Millionen fasziniert, die Fans in Regen, Schnee und glühender Hitze auf staubige Landstraßen oder auf die höchsten Passwege führt, wo sie für ein paar Sekunden ihren Helden zujubeln können.

Noch viel mehr erleben vor dem TV-Gerät die Übertragungen der großen Radrennen, hier vor allem der Tour de France, mit und verbringen (wie der Verfasser übrigens auch) oft Stunden am Bildschirm, um die Entscheidungen vor allem auf den epischen Bergetappen mit zu verfolgen.

Dabei ist Radsport keine Sportart, die sich aus natürlichen Bewegungsabläufen ableiten lässt. Voraussetzung für das Radfahren ist - so trivial das klingt - natürlich zunächst mal ein Fahrrad, ein höchst artifizielles, technisches Gebilde, das zwar prinzipiell leicht zu bedienen ist - Kunstturnen hat definitiv komplexere Bewegungsabläufe,während die zyklische Bewegung des Kurbeltretens vergleichsweise einfach ist. Das Balancieren ist da schon schwieriger, ist es aber einmal erlernt, vergisst man die Bewegung nie wieder.  Nichtsdestoweniger verlangt das Fahrrad fahren dem Körper alles ab. Diese Erfahrung hat jeder gemacht, der mal eben einen steileren Hügel hinauffahren wollte.

Radsport selber existiert seit knapp 140 Jahren, was umso bemerkenswerter ist, als es das Fahrrad selber kaum länger gibt. Die ersten Radrennen wurden ab 1865 in Frankreich, Deutschland und Dänemark ausgetragen. Damals waren Fahrradsportler die schnellsten Menschen, das Rad war allen anderen damaligen Fortbewegungsmitteln deutlich überlegen, Automobile gab es ja noch nicht. Ein Wettrennen zwischen Radfahrern und Reitern von Wien nach Berlin gewannen die Radfahrer klar.

Die Lust am Wettbewerb unterstützte die Popularität des aufkommenden Radsports zusätzlich. Hier sage niemand, dass das typisch männlich sei - ohne Wettbewerb kein Sport - die ersten Frauenrennen fanden nämlich schon ab 1868 statt. Mit der Erfindung des Mountain-Bikes in den frühen 70er Jahren des letzten Jahrhunderts erweiterte sich das Betätigungsfeld der Radsportler nochmals - nicht nur auf der Straße konnte man jetzt unterwegs sein, auch Ausflüge in die unwegsamere Natur wurden möglich und sehr populär.

Viele der Rennen, die in den Kinderjahren des Radsports gegründet wurden, werden heute noch ausgetragen und gelten als Klassiker. Dabei unterscheidet man zwischen den sogenannten Eintagesklassikern wie Lüttich-Bastogne-Lüttich, das z.B. im Jahr 1892 das erste Mal gefahren wurde oder Paris-Roubaix (seit 1896).

Mehrtägige Rennen nennt man Rundfahrten. Dazu gehören die Tour de Suisse und vor allem die drei großen Landesrundfahrten über drei Wochen, die Vuelta Espana, der Giro d´Italia und die Tour de France.

Die Tour de France, das berühmteste Radrennen der Welt, findet schon seit 1903 statt - auf damals sechs Etappen wurden über 2500 km zurückgelegt, mit einem Schnitt von 26 km/h ohne Gangschaltung eine unglaubliche Leistung.

Bemerkenswert und den Sport prägend ist die Tatsache, dass Radfahren eine der ersten Sportarten war, die Sportsponsoring und Profi-Sportler kannte - Radhersteller wollten sowohl die Überlegenheit ihrer Produkte wie auch die Überlegenheit ihrer Sportart selber beweisen. 

Mit dem Profitum Hand in Hand ging die Neigung, im Radsport zu unerlaubten Mitteln der Leistungssteigerung zu greifen, zu Doping und Sportbetrug. Obwohl der Radsport ganz sicher nicht die einzige Sportart ist, in der Doping flächendeckend verbreitet war und ist, hat er doch einen ganz schlechten Ruf bezüglich der Sauberkeit der Akteure. Von Anfang an war es für Profis und ihre Arbeitgeber zu verlockend, beim Siegen nachzuhelfen. Schließlich ging es nicht allein um die Ehre, sondern vor allem um Investitionen der Sponsoren und Verdienstmöglichkeiten ihrer Sportler. Legendär ist jener Tour de France - Teilnehmer, der bei einer der ersten Rundfahrten während einer Etappe in den Zug stieg um seine Konkurrenten zu überflügeln. 

Während das moderne Dopinggeschäft auf High-Tech und Sp(r)itzenmedizin setzt, waren die frühen Rennfahrer näher am Alltag: Als Geheimtipp bei den ersten Radfahrern galt eine Zigarette VOR dem Start, da Nikotin die Durchblutung der Lungen fördern sollte. Auch Rotwein war ein Doping-Mittel der ersten Stunde, zumindest so lange,  bis der Führende einer Tour-Etappe bei einer Pause zu viel erwischte, einschlief und anschließend in die verkehrte Richtung zum Start zurückradelte.

So hat der Radsport heute, obwohl er sicher die umfassendsten und härtesten Dopingkontrollen aller Sportarten kennt, immer noch ein massives Imageproblem. Obwohl Rennen wie die Tour de France immer noch Millionen Fans fesseln, haben die örtlichen Sportvereine massive Nachwuchsprobleme, weil viele Eltern ihre Kinder lieber zu angeblich gesünderen Sportarten schicken. Dabei wurden z.B. in der Leichtathletik wesentlich mehr Olympiasieger und Weltmeister schon des Dopings überführt, ohne dass die Sportarten als solche in Frage gestellt worden wäre. 

Wer mehr über Radsport, seine Entwicklung, seine Helden und seine Probleme erfahren möchte, dem seien die unten stehenden Links ans Herz gelegt:

Links: 

Bildquelle: 
Quelle: Alexander Scharmer (http://bilder.tibs.at/node/9111) Lizenz: CC BY-NC-SA 3.0 AT

Suchen
TiBS - Adventskalender
17