Kriegswirtschaft

Krupp Kanone Kaliber 105 mm Baujahr 1912
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"Die Kriegswirtschaft Österreich-Ungarns war von Anfang an mit der Hypothek belastet, dass die Monarchie ein rückschrittlich-agrarischer Staat war, der sich bei der Mobilisierung aller Ressourcen für den totalen Krieg schwer tat. Das Habsburgerreich teilte damit das Schicksal Russlands und Italiens; auf der anderen Seite sind die höher entwickelten Volkswirtschaften Deutschland, Frankreich, Großbritannien.

Der ersten Gruppe gelang es in weit geringerem Umfang, vorhandene Ressourcen für den Krieg aufzuwenden. Es ist eine erstaunliche Feststellung, dass die Doppelmonarchie die wichtigste Kennziffer für die Rüstungsproduktion – den Stahlausstoß – bis zur Kriegsmitte deutlich in die Höhe treiben konnte. In dieser Hinsicht gelang Österreich-Ungarn ein kleines Wunder und ließ in der pro-zentuellen Produktionssteigerung alle anderen Länder hinter sich, bis auf Italien, dessen Stahlerzeugung aber von einem verschwindend geringen Niveau ausging.

Das Transportsystem begann seit Kriegsbeginn zu verfallen – erst beinahe unmerklich, dann immer deutlicher. Neben den allgemeinen Mangel- und Erschöpfungserscheinungen spielt gerade hier menschliches Versagen – insbesondere die Fehlplanung und die falsche Zuteilung von Ressourcen eine wichtige Rolle. Für die Ernährungswirtschaft lässt sich ebenfalls oftmals Fehlplanung feststellen, allerdings waren hier die Rahmenbedingungen noch ungünstiger als im Transportsystem: die erzeugte Lebensmittelmenge nahm bereits im ersten Kriegsjahr drastisch ab und sank dann stetig weiter ..." (Quelle: Universitätsbibliothek Wien, Brucker Mathias)

"Mit der faktischen Machtübernahme durch OHL (= Oberste Heeresleitung) Anfang 1916 und der Ausweitung der Materialschlachten (bei Verdun in 30 Tagen 1 350 000 Tonnen Stahl) wurde auf wirtschaftlichem Gebiet das Hindenburg-Programm beschlossen, was eine völlige Militarisierung der Wirtschaft bedeutete. Alle wirtschaftlichen Machtbefugnisse wurden in dem neuen Kriegsamt zentralisiert. Die Subventionen für die Kriegsindustrie wurden ausgeweitet.

Der Schwerpunkt des Programms lag jedoch in der Stilllegung nicht kriegswichtiger bzw. "überflüssiger" Produktionsstätten, um die Rohstoffe und Arbeitskräfte für die Kriegsproduktion zu mobilisieren. Dies führte je nach Industriezweig zu einer Stilllegung von 30 bis 70 % der Unternehmen. Was einer Stilllegungsquote von etwa 10 % der Gesamtindustrie entsprach. Zur Mobilisierung der Arbeitskräfte wurde das "Gesetz über den Vaterländischen Hilfsdienst" in Kraft gesetzt. ..." (Quelle: www.lsg-musin.de)

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