Kleine Kulturgeschichte des Rades

Rad
Bildquelle: Quelle: Education Group GmbH (http://bilder.tibs.at/node/24598) Lizenz: CC BY-NC-SA 3.0 AT

Die Sumerer hatten es, die Inder ebenso, auch im Alpenvorland war es früh bekannt; die Maya, Atzteken und Inka mussten sich ohne es behelfen, obwohl sie es im Prinzip kannten. Die Rede ist...vom Rad.

Die Töpfer der Indus-Kultur gelten heute als die ersten, die für Töpferscheiben ein Rad eingesetzt haben. Freilich sind auch die Sumerer und jungsteinzeitlich-bronzezeitliche europäische und kaukasische Völker unter den ersten, die nachweislich Räder gebaut und eingesetzt haben. 

Die technische Definition ist für ein uns so alltägliches Ding vergleichsweise kompliziert: Es ist ein "scheibenförmiger Gegenstand von idealerweise kreisförmiger Kontur, der um seine Symmetrieachse drehbar gelagert ist" (Wikipedia). Puh - kein Wunder, dass es relativ spät in der Menschheitgsgeschichte erfunden wurde. Die ältesten Darstellungen und Funde gehen in das 5. Jahrtausend vor Christus zurück - zu den schon erwähnten Töpfern am Indus. 

Als Scheibenrad für Wägen lassen sich Verwendungsspuren dann Mitte des 4. Jahrtausends in Mesopotamien und am Indus finden, etwas später auch in Europa und im Kaukasus. Zweiachsige Wagen sind dann in allen mesopotamischen Städten gang und gäbe, ebenso die bronzezeitlichen Begräbniswägen der mitteleuropäischen Kulturen.

Als Material für Räder wurde von Beginn an Holz verwendet, schon in der Bronzezeit kamen Metallnaben und -beschläge hinzu, die die Haltbarkeit verlängern sollten. Um das hohe Gewicht einzuschränken und Räder leichter benützbar zu machen, experimentierten schon die jungsteinzeitlichen Kulturen mit Einkerbungen. Aber erst die Erfindung des Speichenrades (ca. 2000 v. Chr.) im Nahen Orient war der entscheidende Schritt, Wägen mit Rädern beweglicher, schneller und mobiler zu machen. Sehr schnell wurde die neue Technologie des Speichenrads für leichte Kampfwägen eingesetzt, wie sie auf vielen ägyptischen Zeichnungen zu sehen sind.

Schon diese frühen Speichenräder kannten übrigen Metallspeichen (aus Bronze), die aber bald wieder Holzspeichen wichen (Haltbarkeit, Härte und Kostenfaktoren). Im 19. Jahrhundert wurden im Zug der Industriellen Revolution wieder vermehrt Metallräder hergestellt - typisch die Gußeisen-Räder der Eisenbahn, die in hohem Maß geeignet waren, die schweren Lasten zu tragen. 

Ein verbreiteter Glaube ist es nebenbei, dass die präkolumbianischen Kulturen das Rad nicht gekannt hätten. Das ist völlig falsch, die Maya nutzten Räder vor allem als Zahnräder in feinmechanischen Geräten und kannten auch Speichenräder. Dass in Amerika vor Kolumbus praktisch keine Wägen bekannt waren dürfte wohl eher am Mangel an geeigneten Zugtieren als an dem technologischen Unwissen gelegen haben.

Ohne das Rad, da sind sich alle Kulturhistoriker einige, wäre eine Entwicklung zu Gesellschaften, wie wir sie aus den letzten 5000 Jahren kennen, kaum möglich gewesen, da Transportmöglichkeiten eine der Grundlagen gesellschaftlicher Kommunikation und Austauschmöglichkeit ist. Mobilität beeinflusst ganz maßgeblich das Soziale und da ist das Rad, ob als Scheiben- oder Speichenrad ganz elementar wichtig gewesen - und ist es noch.

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