Ergebnisse der Bildungsstandardstestungen 2013 - Was meinen die anderen?

Bildungsstandards
Bildquelle: Education Group

"Im Schnitt erreichen die Schüler/innen 519 Punkte bei der E8-Überprüfung, im Rahmen der Ausgangsmessung im Jahr 2009 lag der Mittelwert bei 500. Das heißt, seit der Einführung der Bildungsstandards hat sich die Englischkompetenz der Jugendlichen verbessert (+19 Punkte). Verbesserungen gibt es v. a. beim Hören (+36 Punkte) und Lesen (+24 Punkte), beim Schreiben gibt es keine Veränderungen seit 2009.

  • Die Mädchen schneiden in Englisch deutlich besser ab als die Burschen (+33 Punkte).
  • Die Englischkompetenz der Schüler/innen hängt stark mit dem Bildungsniveau der Eltern zusammen.
  • Schüler/innen ohne Migrationshintergrund schneiden beim Englischtest um 39 Punkte besser ab als Schüler/innen mit Migrationshintergrund. Dieser Unterschied ist jedoch fast zur Gänze auf den unterschiedlichen Sozialstatus zurückzuführen. Vergleicht man Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund, die denselben Sozialstatus aufweisen, so besteht nur noch ein unwesentlicher Leistungsunterschied von 6 Punkten.

Die Schüler/innen der E8-Standardüberprüfung besuchten entweder eine Hauptschule (51 %, 39 303 Schüler/innen), eine Neue Mittelschule (16 %, 12 408 Schüler/innen) oder eine allgemeinbildende höhere Schule (33 %, 25 017 Schüler/innen). Leistungsbezogene Aufnahmekriterien gibt es ausschließlich an den AHS. Diese Selektion spiegelt sich in zwei Aspekten wider: ◦ Die Zusammensetzung der Schülerschaft an AHS unterscheidet sich von jenen an HS bzw. NMS: Kinder formal hoch qualifizierter Eltern besuchen eher eine AHS, Kinder formal niedrig qualifizierter Eltern entscheiden sich eher für eine HS/NMS. Auch der Anteil an Jugendlichen mit Migrationshintergrund ist an HS/NMS höher als an AHS.

Die Englischkompetenz der Jugendlichen an AHS ist deutlich höher (600 Punkte) als die der Schüler/innen an HS (480) bzw. NMS (478).

Es besteht kein Unterschied in der Englischkompetenz der Schüler/innen an HS und NMS. Insgesamt ist jedoch die Leistungsstreuung an NMS etwas kleiner als an HS und die Unterschiede zwischen Mädchen und Burschen sowie zwischen Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund sind kleiner.

Die Ergebnisse der neun Bundesländer fallen in der E8-Überprüfung relativ ähnlich aus und die Mittelwerte aller Bundesländer liegen in einem Wertebereich von 25 Punkten.... (Quelle: bifie.at)

"... Teaching to the test

Für den Schweizer Pädagogen Künzli geht durch die Kompetenzorientierung die Kommunikation zwischen Lehrern und Schülern verloren. Die Vorgaben dafür, was Schüler können und Lehrer unterrichten müssen, seien zu eng gefasst. Lehrer würden dann nur mehr eine Kompetenz nach der anderen abhaken. Studien aus Ländern, die auf Kompetenzorientierung setzen, hätten zudem gezeigt, dass Lehrer dann nur mehr das lehren, was auch messbar ist. Ein "Teaching to the Test" – also die Reduzierung der Lehrinhalte auf das, was abgeprüft wird – sei die Folge.

Das sieht Stefan Hopmann vom Institut für Bildungswissenschaft der Uni Wien ähnlich. Die Lehrer seien gezwungen, den Lehrplan schrumpfen lassen und sich auf die Kompetenzen zu konzentrieren. "Die Umstellung auf Kompetenzen ist ein Kardinalfehler", sagt er. Die Standardisierung behindere die Lehrer dabei, die Kinder angemessen zu unterrichten, da sie so nicht auf die individuellen Bedürfnisse eingehen könnten.

Es sei eine Traumvorstellung, dass man mit Bildungsstandards die Leistungen der Schüler angleichen könne, so Hopmann. In Ländern, in denen kompetenzorientiert unterrichtet werde, steige die soziale Ungleichheit. "Die Kinder sind sehr unterschiedlich. Die Möglichkeiten der Schule, diese Ungleichheiten auszugleichen, werden überschätzt." (Quelle: derstandard.at)

Und welche Lehren werden wohl aus den Ergebnissen gezogen? Konservative Leitmedien sehen bewiesen, dass die NMS - und damit meinen sie dann wohl auch die nicht vorhandene Gesamtschule - ein "Rohrkrepierer" ist. Die Headlines alleine zeugen bereits für die Stichhaltigkeit ihrer Thesen. Positives Feedback findet sich kaum unter den Meinungen der Journalisten - sie wissen ja worum es geht, wenn sie Aussendungen der APA beinahe wortwörtlich übernehmen.

Mir selbst als Englischlehrer ist schon auch bewusst, dass ich an einer städtichen NMS nie jene Leistungen erreichen werde wie sie ein Gymnasium bringen kann solange dieser Schultyp fortwährend aus den Volksschulen die Top-SchülerInnen abzieht. Dass außerdem Hauptschulen mit dem herkömmlichen Leistungsgruppensystem - sie befinden sich ja hauptsächlich noch in ländlichen Regionen - ein wenig besser abschneiden, ist mir auch verständlich, wenn ich mich an meine früheren Zeiten als Lehrer in einer 1. LG einer Landhauptschule erinnere.

Das Vorhandensein eines Team-Teachers mit einem AHS-Lehramt in einer NMS jedenfalls muss nicht zwingend die Unterrichtsqualität verbessern solange der Großteil der Gesellschaft HS oder NMS im städtischen Umfeld als Restschule betrachtet. Unter den jetzigen Bedingungen geht die Schere zwischen den unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen nun mal auseinander - und wird es weiterhin tun. Da helfen auch Testungen nicht weiter.

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