Der Mann, der Gott nicht brauchte - Albert Camus zum 100. Geburtstag am 7.11.2013

Bildquelle: US Library of Congress/New York World Telegram & Sun

Als Albert Camus erst 46jährig am 6. Januar 1960 tödlich verunglückte, verlor die Welt einen Schriftsteller und Philosophen, der wie kaum ein Zweiter die Stimmung der Nachkriegszeit, die Desillusionierung und den Verlust der Selbstverständlichkeit der Religion verkörperte. 

Camus, dessen 100. Geburtstag wir am 7. November feiern, wurde im heutigen Algerien, das damals noch  französische Kolonie war, geboren. Er verlebte als Halbwaise eine von Armut geprägte Kindheit, wollte eigentlich Lehrer werden, doch erhielt er wegen einer TBC-Erkrankung keine Zulassung zur Lehrerbildungsanstalt. Die Enttäuschung über die Ablehnung verarbeitete er durch seine Hinwendung zum Schriftstellern. Gleichzeitig arbeitete er als Reporter, eine Tätigkeit, die er auch noch als weltberühmter Autor ausübte - er fand, Schriftsteller hätten die Pflicht, sich eindeutig zu tagespolitischen Ereignissen zu positionieren. Ab dem zweiten Weltkrieg war er zudem als Lektor für seinen Verlag Gallimard tätig.

Camus, der sich schon früh als Atheist bezeichnete, begann in den 30er Jahren sein erstes philosophisches Werk, den "Mythos von Sysiphos", in dem er seine Lehre des "Absurden" entwickelte, die in seinen Romanen künstlerischen Ausdruck fand. "Absurd" ist die menschliche Existenz, es gibt keine Götter, kein vorbestimmtes Schicksal und keinen verborgenen Sinn des Daseins, ebenso wenig wie ein Leben nach dem Tod. Dennoch ist das Leben nicht sinnlos, denn durch das trotzige Akzeptieren der Absurdität, durch das Festhalten an seinen Pflichten schafft sich der Mensch eine erfüllte, glückliche Existenz. Das Musterbeispiel eines solchen Lebens ist für Camus die mythische Figur des Sysiphos. In dem Moment, in dem er sein Schicksal akzeptiert, straft er die Götter Lügen. Sein Ausspruch "Freiheit schafft keine Privilegien sondern Pflichten" illustriert diese Haltung vortrefflich.

Diese Philosophie arbeitete Camus in mehrere große Romane ein, die den Nerv des besetzten Frankreich trafen und die ihm seinen Ruhm sicherten: "Der Fremde", "Die Pest" und "Der Fall". Zudem veröffentlichte er noch die Essay-Sammlung "Der Mensch in der Revolte", in der er von einem gemäßigt-linken Standpunkt mehrere Irrtümer der Philosophiegeschichte scharfzüngig entlarvte und auch den Stalinismus scharf kritisierte. Darüber endete seine Freundschaft zu Jean-Paul Sartre, der es damals nicht schaffte, sich von Stalin zu distanzieren.

Obwohl Camus sich selber nie als Existenzialist bezeichnete, wird er doch häufig dieser geistigen Strömung zugerechnet.

Für sein Werk erhielt Camus 1957 den Literatur-Nobelpreis, gelesen und verehrt wird er bis heute und bis heute bleibt sein Entwurf einer Sinnfindung in einer absurden Welt mehr als nur ein wichtiger Denkanstoß.

 

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