Das deutsche Unwort des Jahres 2015 heißt "Gutmensch"

Mallika Sarabhai in Bertolt Brecht's Indian adaptation of The Good Person of Szechwan directed by Arvind Gaur
Bildquelle: Wikimedia Commons; https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Mallika_Sarabhai_in_play_AKABR_directed_by_Arvind_Gaur.jpg; Author: Yoddal; 13.1.2016

Nun hat dieser etwas unselige Begriff "Gutmensch" seine Ehrung erhalten, die er schon 2011 beinahe bekommen hätte. Was versteht man nun unter einem "Gutmenschen"? Wer verwendet dieses Wort am häufigsten?

Ich persönlich wäre jedenfalls beleidigt oder zumindest betroffen, würde mich ein Außenstehender als Gutmensch bezeichnen, denn positiv ist das Wort in jenen Beiträgen und Kommentaren, die ich in den vergangenen Monaten gelesen habe, nie verwendet worden. Ich würde mich als "Naivling, hilfsbereiter Todel, Moralist, hoffnungslos Weltfremder oder als Vorbereiter der Apokalypse" empfinden, jedenfalls als jemand, der von der Wirklichkeit dieser Welt keine Ahnung habe und nur dazu betrüge, unsere ach so gute abendländische Zivilisation mit in den Untergang zu führen, ja sogar diesen Untergang absichtlich zu forcieren. Das Unwort geht einher mit all jenen Grässlichkeiten, die man in leider viel zu vielen Leser_innenkommentaren und journalistischen Beiträgen ebenso entdecken kann wie z.B: 

  • Lügenpresse
  • besondere bauliche Maßnahmen, sprich "Grenzzaun"
  • linkslinke Grüne
  • besorgte Bürger
  • anständige Österreicher_innen
  • Flüchtlingsobergrenze
  • Wirtschaftsflüchtling
  • griechisch-türkisches Einfallstor
  • Asylantenhorden
  • und ein besonders herzlicher Kommentar eines abendländischen Zivilisten: "Flieger? Viel zu teuer, je 1000 Leute auf ein Donauschiff und ab Richtung schwarzes Meer!"

​Tatsächlich muss man sich als freiwillige/r Helfer_in, Mitarbeiter_in in einer Hilfsorganisation, positiv denkende/r Politiker_in usw. diffamiert fühlen, sobald man in den Topf von "Gutmenschen" geworfen wird, denn in der Dialektik der User dieses Wortes sind sie eigentlich "Bösmenschen" und dem "Volke" gar nicht wohlgesinnt. Vermutlich sollten alle "Gutmenschen" sich schämen und besinnen.

Es scheint dann doch einfacher zu sein, einen abwertenden Begriff zu erfinden und diesen immer häufiger zu gebrauchen als sich mit geänderten Situationen und Umgebungen aktiv und einer "zivilisierten" Gesinnung entsprechend auseinanderzusetzen. Spott und Hohn verbessern NICHTS.

Nach Harald Martenstein - dem etwas widersprüchlichen "Geist" in DER ZEIT - gibt es natürlich eigene "Gutmenschen" mit moralinsaurem Beigeschmack, ohne Zeifel. Doch bei der Wahl des Unwortes scheint dies nicht ausschlaggebend gewesen zu sein. "Gut" handelnde Menschen fühlen sich nicht grundsätzlich moralisch überlegen im Tun.

Irgendwie passt es dazu, dass "Er ist wieder da" sowohl als Buch und bereits auch als Film in den vergangenen Monaten erschienen sind ebenso wie das Ablaufen der Veröffentlichungsfrist von "Mein Kampf" seit dem 1. 1. 2016. In Wirklichkeit , würde ich nun mal behaupten, war er nie fort.

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Bildquelle: 
Wikimedia Commons; https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Mallika_Sarabhai_in_play_AKABR_directed_by_Arvind_Gaur.jpg; Author: Yoddal; 13.1.2016

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