Bursch, Mädel - Die Entwicklung einer Bezeichnung

2 Kinder (ein Bub ein Mädchen) am Strand hockend und die Hände ineinandergelegt, im Hintergrund das Meer
Bildquelle: kinder-spielen-strand-bub-mädchen-1642637 / pixabay.com/de/kinder-spielen-strand-bub-m%C3%A4dchen-1642637 / Alexandra_Koch / CC0

Die Bezeichnungen Bursch und Mädel gibt es schon lange. Aber seit wann eigentlich? Und worauf sind sie zurückzuführen? Und hatten die beiden immer die gleiche Bedeutung? Fragen über Fragen und Grund genug den Begriffen  ein wenig auf die Spur zu kommen.

Der Begriff Bursch(e)

Höchstwahrscheinlich geht der Begriff "Bursch" auf den lateinischen Begriff "bursa" (Beutel) zurück, womit einst ganz allgemein eine finanzielle Gemeinschaft bezeichnet wurde. So taucht er im Zusammenhang mit Stipendiaten, Söldnern (bursgesell), Mitbelehnten (burs) oder auch im Begriff Börse auf. Im Mittelalter waren die Bursen jener Ort, an dem die Studenten lebten und arbeiteten. Im Laufe der Zeit wurden dann alle Bewohner der Bursen in ihrer Gesamtheit als "die Bursch" bezeichnet bevor dann noch etwas später überhaupt die einzelnen Bewohner als Bursch bezeichnet. Im 17 Jahrhundert wandelte sich die Bedeutung des Begriffs. Der Begriff "Bursch" wurde zum Synonym für den Begriff "Student", wobei sich der Begriff "Bursch" mehr auf die Lebensart bezog. Ein Bursch musste Sitten und Gebräuche der Studenten kennen und befolgen. Mit dem Aufkommen der Burschenschaften wurde der Begriff "Bursch" zur Bezeichnung von Vollmitgliedern derselben verwendet. Gleichzeitig wurde der Begriff "Bursch" im allgemeinen Sprachgebrauch aber auch immer mehr zur Bezeichnung unverheirateter Männer verwendet. Im Laufe der Zeit verschwand die Einschränkung auf unverheiratete Männer, sodass die Bezeichnung "Bursch" fortan allgemein als Bezeichnung für Knaben diente. Des Weiteren entwickelten sich noch andere Bedeutungen für den Begriff "Bursch", wie etwa im Militär (Burschen als persönliche Diener von Offizieren), Hotellerie (Burschen als Pagen oder Zimmerreinigungspersonal) oder auch als Adjektiv (burschikos im Sinne von knabenhaft).

Die Begriffe Mädchen und Mädel

Das Wort "Mädchen" ist eine Verkleinerungsform des Wortes "Magd". Aus dem im 15. Jahrhundert verwendeten "mēgedeken" wurde zu Beginn des 16. Jahrhunderts "Medichen", woraus im 17. Jahrhundert dann "Mägdchen" und letztendlich "Mädchen wurde. Die Bezeichnung "Mädel" entwickelte sich dazu parallel, wurde aber zur Zeit des Nationalsozialismus zu Propagandazwecken verwendet (Bund Deutscher Mädel), was dem Wort "Mädel" 1957 zeitweilig auch die Aufnahme in Dolf Sternbergers Wörterbuch der Unmenschen brachte, in dem Wörter gesammelt wurden, die seiner Ansicht nach aufgrund ihrer problematischen Verwendung in der Geschichte aus dem deutschen Wortschatz entfernt werden sollten. Das Wort fiel aber nicht in Ungnade, vor allem da auch nur wenigen der Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus bewusst war, und so existiert die Bezeichnung "Mädel" heute immer noch in der Umgangssprache, wenngleich zumeist in ironischem Kontext.

Fazit

An beiden Bezeichnungen sieht man sehr schön wie sich einerseits Wörter durch die Weiterentwicklung von Sprache verändern, sich andererseits aber auch der Kontext, in dem diese verwendet werden, ändern kann. Und vor allem am Beispiel Mädel  sieht man ebenso sehr gut, dass ein Wort ganz schnell zu einem Unwort werden kann, wenn es für ideologische Zwecke verwendet wird.

 

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