30 Jahre Jubiläum - Hauptschulkurse des AMS und BFI für Jugendliche bis 18 nach der 9. Schulstufe

Berufskundliche Hauptschulkurse des BFI
Bildquelle: Dieter Draxl & Screenshot HS-Abschluss.tsn.at; 20.1.2015

"Seit 1985 werden die Berufskundlichen Hauptschulkurse des BFI Tirol für Jugendliche ohne Hauptschulabschluss durchgeführt. Die Jugendlichen sind im Alter zwischen 15 und 18 Jahren und oft lehrstellensuchend. Ein Kurs dauert 10 Monate. Der Unterricht erfolgt in  Blockform , die Prüfungen werden gestaffelt im Laufe der Kurse abgelegt. Die Prüfungsvorbereitung orientiert sich am Lehrplan der 4. Klasse der Hauptschule. Die Schüler und Schülerinnen werden in Kleingruppen (6 - 10 Personen) unterrichtet. Dadurch ist es möglich, die Lernfortschritte genau wahrzunehmen und gezielt zu fördern. Die Prüfungen selbst werden von einer Prüfungskommission der Neuen Mittelschule Kematen abgenommen." (Quelle: hs-abschluss.tsn.at; 20.1.2015)

Am 20. Jänner 2015 fand in den Räumlichkeiten des Hauptschulkurses des BFI im Volkshaus, Radetzkystraße, Innsbruck, eine Informationsveranstaltung für die kommenden Hauptschulkurse des BFI bzw. AMS bzw. eine Rückschau auf die letzten 30 Jahre seit Beginn dieser mehr oder weniger einmaligen Ausbildungsmöglichkeit in Österreich statt. Eingeladen waren Verantwortliche aus dem Bildungs- und Sozialarbeitsbereich Tirols seitens der Veranstalterin Jane Platter, Arbeitsmarktförderungsgesellschaft AMG Tirol und Leiterin der Koordinationsstelle Übergang Schule/Beruf im Auftrag des "beschäftigungspakt tirol".

Oswald Zangerle - Leiter der HS-Abschlusskurse des BFIDie Kurse finden nun seit 30 Jahren statt. Begonnen wurde damals 1985 mit einer Gruppe von ca. 20 Jugendlichen und über die Jahre hat sich die Anzahl der TeilnehmerInnen jährlich auf ca. 60 Jugendliche erhöht. Nicht alle von ihnen schaffen es tatsächlich einen Abschluss zu erreichen, denn ca. 30 % steigen im Laufe des Jahres aus verschiedensten Gründen aus und sind nicht mehr nachverfolgbar. Doch der Großteil der Jugendlichen kommt über die schwere Hürde hinweg binnen eines Jahres all die über vielen Lebensjahre erworbenen bzw. zugefügten Defizite nachzuholen. Der erreichte Abschluss ist aber keine Garantie für einen erfolgreiche Karriere danach und so schätzt das AMS, dass letztendlich ca. 45% der TeilnehmerInnen dieser Kurse einen vollen Berufseinstieg mit nachfolgendem geregelten Einkommen und entsprechender Lebensqualität erreicht haben.  Diese Erfolgszahl spricht für eine unbedingte Beibehaltung und Finanzierung der Hauptschulabschlusskurse für die kommenden Jahre, vor allem angesichts der steigenden Arbeitslosenzahlen und angespannten Wirtschaftslage. Wenn man bedenkt, dass von Experten der Volkswirtschaft die Kosten eines arbeitslosen Jugendlichen für die kommenden Jahre - bezogen auf seine zu erwartende Lebenszeit und die Folgen seiner/ihrer Arbeitslosigkeit - mit 1,8 Millionen Euro beziffert wird - ist jede Erfolgsmeldung ein großer Gewinn. Deshalb hat das AMS als einziger Finanzgeber beschlossen, dass diese Kurse auch im kommenden Jahr weitergeführt werden - trotz der angespannten Budgetlage, welche andere Vereine sehr wohl stark zu spüren bekommen - und das sind nicht die Trachtenmusikkapellen oder die landwirtschaftlichen Pfarreien des Landes Tirols. Die haben ihr eigenes Budget - über das man streiten könnte - und auch nichts mit dem AMS zu tun haben.

Die Jugendlichen, die sich für einen Platz im Kurs bewerben, haben in den meisten Fällen eine sehr leidvolle Geschichte hinter sich gebracht oder stecken noch mitten drin. Viele erfüllen die Aufnahmevoraussetzungen für eine Aufnahme auch nicht - jährlich gibt es zwischen 90 und 120 BewerberInnen, aber nur ca. 60 werden akzeptiert, wenn sie nach einem Eignungstest und Beratungsgesprächen auf ihre Fähigkeiten und vor allem auf ihre Motivation hin geprüft werden. Auf Grund ihrer erlittenen Traumatas und Lebensumstände arbeiten in den Kursen 3 hauptamtliche Vollzeit - SozialarbeiterInnen, deren Aufgabe es ist, die Jugendlichen immer wieder in ihren Konflikten zu beraten, zu unterstützen und helfend zur Seite zu stehen.

Jugendliche KursteilnehmerDie TeilnehmerInnen sind krankenversichert und werden daher - zur Abdeckung der Kosten aus gesetzlichen Gründen - bezahlt für ihre Ausbildung - 10 Euro am Tag, was monatlich ca. 300 Euro ausmacht, vorausgesetzt, dass sie ihre Pflichten erfüllen. Manchmal verlockt diese Tatsache SchülerInnen aus den Pflichtschulen, ihre Ausbildung direkt abzubrechen - "Ich werde für das Lernen ja am BFI bezahlt" - und brechen die 4. Klasse NMS oder HS einfach ab. Doch deren Chancen für eine Aufnahme in einem HS-Abschlusskurs sind gering - zu durchsichtig ist ihre scheinbare Motivation, zu sicher das Scheitern Monate später.

Auf Grund der derzeitigen geburtenschwachen Jahrgänge hat sich Anzahl der BewerberInnen in letzten Jahren nicht wirklich erhöht, auch wenn die wirtschaftliche Lage dies vermuten ließe.

Tatsache ist und bleibt, dass das Team um Oswald Zangerle großartige Arbeit leistet und zu hoffen bleibt, dass dies auch weiterhin möglich sein wird - und sogenannten neoliberal ideologisierten "Optimierer" aus der Schule  Hayeks und Friedmans keine Chance gibt.

Wenn Sie mehr über die Abschlusskurse erfahren möchten, dann nützen Sie die unten angegebenen Links.

Weiterführende Links (Bitte mit STRG+SHIFT+Mausklick öffnen):

Bildquelle: 
Dieter Draxl & Screenshot HS-Abschluss.tsn.at; 20.1.2015

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