Portrait von Leon Foucault

Wer den Namen von Leon Foucault schon einmal gehört hat, kennt ihn vermutlich vom berühmten Werk von Umberto Eco mit dem Titel "Das Foucaultsche Pendel". Zumindest habe ich ihn zum ersten Mal in diesem Zusammenhang gehört oder sagen wir besser gelesen. Dabei hat Foucault viel mehr zur Wissenschaft und zwar in unterschiedlichen Gebieten beigetragen, als "nur" den Nachweis erbracht zu haben, dass sich die Erde dreht. So ist etwa das Foucaultsches Schneidenverfahren heute noch zur Fokussierung der Beobachtungsinstrumente in der Astronomie in Verwendung und daneben hat er unter anderem auch eine Schreibmaschine für Blinde entworfen.

Sein Leben

Jean Bernard Léon Foucault kam am 18.9.1819 als Sohn eines Verlegers in Paris zur Welt. Die gute finanzielle Lage der Familie machte es möglich, dass der junge Léon ab 1829 die Privatschule Collège Stanislas de Paris besuchen konnte und zusätzlich noch ein Privatlehrer für die notwendige Unterstützung sorgen konnte. Während seiner Schullaufbahn war Foucault zwar ein durchschnittlicher Schüler, aber es zeigte sich auch sehr rasch seine große Begabung: er wies ein hohes Maß an Fingerfertigkeit auf, die er vorzugsweise in seiner spärlichen Freizeit beim Bau von Modellbooten, Telegraphen und Dampfmaschinen unter Beweis stellen konnte. So war es naheligend, dass der Sohn aus dem vermögenden bürgerlichen Haus ein Medizinstudium begann, um als Chirurg seine Fingerfertigkeit einsetzen zu können. Foucaults Ekel vor Blut und seine Abneigung gegen das Sezieren, setzten diesem Vorhaben allerdings rasch ein Ende und so widmete er sich stattdessen der Physik - als Autodidakt und somit ohne Universitätsstudium. Im Rahmen seiner physikalischen Forschungen präsentierte er nicht nur das durch einen Roman von Umberto Eco berühmt gewordene Foucaultsche Pendel (1851), sondern er forschte noch in zahlreichen weiteren wissenschafltichen Gebieten. Im Jahr 1853 erhielt er für seine Forschungen zur Lichtgeschwindigkeit in Luft und Wasser den Doktortitel. Er wurde aber trotz seiner zahlreichen Forschungsergebnisse dennoch erst 1865 beim sechsten Anlauf endlich in die französische Akademie der Wissenschaften aufgenommen. Gründe für diese späte Aufnahme dürfte es viele gegeben haben. So war Foucault zwar ein begnadeter Experimentator, aber er hatte Schwächen, wenn es um die notwendige Mathematik ging und mit abstrakten Überlegungen. Des Weiteren hatte er keine Ausbildung an einer der führenden französischen Stätten der Wissenschaften genossen und seine diversen Zeitungsartikel brachten ihm auch keine Sympathiepunkte. Ab der zweiten Hälfte des Jahres 1867 litt er an einer schweren Krankheit, die sich zuerst durch Lähmungserscheinungen bemerkbar machte, und die ihn nur wenige Monate später das Leben kosten sollte. Am 11.2.1868 starb Jean Bernard Léon Foucault in Paris an dieser Krankheit, bei der es sich eventuell um einen Fall von schnell fortschreitender multipler Sklerose gehandelt haben könnte.

Das Foucaultsche Pendel

Die Idee, die Erdrotation mit Hilfe eines Pendels nachzuweisen, war nicht gänzlich neu. Überhaupt nicht. Denn bereits 1661 führte Vincenzo Viviani diesen Versuch vor, konnte aber damals das Ergebnis nicht deuten. So blieb es Foucault überlassen, im Jahr 1851 zuerst zu Hause im Keller und dann später medienwirksam in der Pariser Sternwarte und im Pantheon den Versuch abermals zu präsentieren. Bei diesem schwingt ein Pendel mit einigermaßen großer Masse, welches an einer langen Schnur angebracht ist, knapp über dem Boden. Im Laufe der Zeit beginnt sich die Schwingungsebene des Pendels dann zu drehen. Da die Schwerkraft nur senkrecht wirkt und auch keine andere Kraft auf das Pendel wirkt, kann nur die Rotation der Erde diese Drehung erklären. Foucault hatte damit die Rotation der Erde nachgewiesen.

Weitere Arbeiten

Neben dem Foucaultschen Pendel stammen von Foucault - wie bereits angemerkt - noch weitere wichtige Beiträge in diversen wissenschafltichen Gebieten, die hier nur kurz erwähnt werden sollen:

  • Entwicklung einer Schreibmaschine für Blinde (1843)
  • Beschreibung eines elektromagnetischen Regulators für die elektrische Bogenlampe (1840er Jahre)
  • Arbeit zum binokularen Sehen zusammen mit Henri Victor Regnault
  • Entwicklung der Drehspiegelmethode zur Messung der Lichtgeschwindigkeit und Messung derselben (er kam auf einen Wert von 298.000 km/s) (1850-51)
  • Beweis, dass die Lichtgeschwindigkeit in Wasser niedriger ist als in der Luft (1853)
  • Nachweis der Wellennatur des Lichts (1853)
  • Entwicklung des Foucaultschen Schneidenverfahrens zur Prüfung optischer Flächen und ganzer optischer Systeme
  • Untersuchung von Wirbelströmen in Metallen
  • Entwicklung eines leistungsfähigen Spiegelteleskops
  • Entwicklung des Kreiselkompass

Fazit

Foucault war ein vielseitig begabter Wissenschaftler, der zum Glück aufgrund seiner Abneigung vor Blut sein Interesse und seine Begabung für Physik ausleben konnte, dessen Leben aber relativ früh aufgrund einer rasch voranschreitenden Erkrankung ein Ende gesetzt wurde und dem in einem Roman ein Denkmal gesetzt wurde. Apropos Denkmal: Foucault ist auch einer jener 72 Wissenschaftler, deren Namen auf dem Eiffelturm verweigt wurden.

 

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