Wollen wirklich alle LehrerInnen kürzer arbeiten?

Bildquelle: Wikimedia Commons (Rostock - Arbeiterdenkmal)

"In der Diskussion um ein neues Dienst- und Besoldungsrecht der Lehrer war bisher vonseiten der Regierung von zusätzlichen Stunden in der Schule die Rede. Jetzt dreht der Vorsitzende der Gewerkschaft der Lehrer an berufsbildenden mittleren und höheren Schulen, Jürgen Rainer, im Gespräch mit der „Presse“ den Spieß um und verlangt eine Senkung der Wochenstundenzahl von 40 auf 38 Stunden.

Offiziell keine Mittagspause: Im Dienstrecht heißt es in Paragraf 48: „Die regelmäßige Wochendienstzeit des Beamten beträgt 40 Stunden.“ Darüber hinaus gibt es Sonderregelungen etwa für Schichtdienste wie bei der Exekutive. Die Beamtengewerkschaft unter ihrem Chef Fritz Neugebauer hat in den vergangenen Jahren eine Reduktion der Arbeitszeit nie zum Thema gemacht. In der Gewerkschaft wird das so begründet: Im öffentlichen Dienst gebe es offiziell keine Mittagspause, sondern nur eine kurze Zeit für die Einnahme des Essens. Daher blieb es bei der 40-Stunden-Woche.

Für die Regierung ist der Vorstoß aus den Reihen der Lehrergewerkschafter brisant. Denn gibt die Regierung bei einer Teilgruppe des öffentlichen Dienstes nach, könnte eine Lawine an weiteren Forderungen ausgelöst werden. Damit würde der Sparkurs in der Verwaltung wegen der Mehrkosten mit einem Schlag zunichte gemacht. ..." (Quelle: Die Presse)

Ich schätze, dass es bald wieder beginnen kann, das Verallgemeinern und Losdreschen auf Lehrer und LehrerInnen, vor allem dann, wenn Herr und Frau Österreicher nur die Schlagzeilen lesen - und diese lauten beinahe überall gleich: "LehrerInnen wollen kürzer arbeiten". Dass diese Forderung nur von einer Unterfraktion der Fraktion der FCG-dominierten GÖD publiziert wurde, wird dann niemand mehr interessieren. Ob sich hier ein Funktionär nur profilieren will - oder ob sich wirklich alle in diesem Beruf stehenden Menschen mit dieser Forderung identifizieren können und wollen, steht auch nicht zur Debatte.

Wir hören nur "Lehrer wollen kürzer arbeiten." Ich persönlich möchte mich von dieser Forderderung distanzieren - sie wurde nicht mit meinem Wissen und auch nicht in meinem Sinne formuliert - und wenn schon mitgehaftet, dann sollte sie für alle ArbeitnehmerInnen gelten, denn ARBEIT HABEN wird ohnehin seit Jahrzehnten mehr als Charaktereigenschaft denn als Geschenk betrachtet. Sollte die geforderte Arbeitszeitverkürzung dann auch zu einem wirklichen Abbau von Arbeitslosenziffern führen und nicht zu einer Zunahme von Überstunden bereits Beschäftigter, dann könnte ich ihr auch etwas abgewinnen. Aber so dahingestellt - in dieser einfachen Form - NEIN - so schadet sie dem Berufsbild neuerlich und mindert unser aller Ansehen massiv.

Für noch bedenklicher halte ich die Aussage des Bildungssprechers der ÖVP (Siehe Artikel im Standard vom 9.3.2011), dass die angedachte Erweiterung der Anwesenheitspflicht nur für JunglehrerInnen in einem neuen zukünftigen Dienstrecht gelten soll. Dies erinnert mich beinahe an die Einzementierung eines "Kastenwesens" in das österreichische Schulsystem. (Hierbei handelt es sich aus-schließlich um meine persönliche Meinung)

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