Wiener Wäschermädel

Bildquelle: Historische Persilwerbung

Bereits 1909 wurde vom US-Amerikaner Alva Fisher die Waschmaschine mit Elektromotor erfunden. Aufgrund des hohen Preises fand sie jedoch nur zögerlich Eingang in unsere Haushalte. Bevor die Waschmaschine ihren Siegeszug antreten konnte, war das Wäschewaschen eine sehr beschwerliche Angelegenheit und häufig Aufgabe der sogenannte "Wäschermädel", die einen Rund-um-Service sowie Abholung der Schmutzwäsche sowie Ablieferung der erledigten Wäsche boten.

Die Aufgabe der Wäschermädel war eine sehr anstrengende. Neben dem Abholen der Wäsche (meistens samstags) stand die Reinigung in einer Seifenlauge, das Auswringen und Aufhängen, das Plätten und Bügeln auf dem Programm. Trotzdem scheint der Typus der Wäscherin sehr fröhlich gewesen zu sein: Vinzenz Chiavacci schreibt in seinen Skizzen aus dem Wiener Volksleben folgendes:

Die Hantierung mit dem Seifenschaum scheint auch eine regenerirende Kraft auf Herz und Gemüth, sowie auf das körperliche Wohlbefinden auszuüben. Woher kämen sonst die vielen drallen, kerngesunden Mädchengestalten mit dem lauten ›Hamur‹ und dem geschliffenen ›Göscherl‹? 

Trotz dieser Feststellung kann das wahrlich nicht über das harte Leben der Wäschermädel hinwegtäuschen. Die Arbeit im Freien und das Hantieren mit Laugen und Chemikalien waren sicher nur für junge gesunde Frauen machbar. (Irgendwie baut sich vor meinem geistigen Auge gerade das klassische Bild der Frau in der Waschmittelwerbung auf: dynamisch, attraktiv und die gesamte Hausarbeit allein, ohne ihren Mann und mit links erledigend. Schön anzusehen, aber fern ab der harten Realität).
 
Der Berufsstand der Wäschermädel hat einer vor allem im Osten Österreichs sehr beliebten Süßspeise den Namen verliehen: Wiener Wäschermädeln sind eine warme Mehlspeise mit Marillen. Hierzu werden die Marillen in Likör getränkt und mit Marzipan gefüllt. Ein Rezept dazu finden Sie hier.
 
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Historische Persilwerbung

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