Was macht das Web mit unserem Gehirn?

Ganglienzellen
Bildquelle: Wikimedia Commons / Jan Homann; http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ganglienzellen.tif

"Das Unheil bahnt sich seinen Weg: Das US-Informationsportal Forensic Psychology hat Daten zusammengetragen, die den Einfluss der wachsenden online verbrachten Zeit zusammenfassen.

Demnach verbringen die Menschen gemeinsam jeden Monat 35 Mrd. Stunden im Netz und konsumieren dabei täglich drei Mal so viel Information wie in den 1960er-Jahren. 61 Prozent der US-Amerikaner bezeichnen sich bereits als internetabhängig. Das dauernde Multitasking und die nicht-lineare Struktur des Internets hinterlassen mittlerweile deutliche Spuren im Gehirn. ..." (Quelle: www.pctipp.ch)

"Dass Intelligenz mit Faktenwissen gleichgesetzt wird und nicht mit dessen Vernetzung und Hinterfragung, sieht auch Hirnforscherin Greenfield als wesentliches und weit verbreitetes Missverständnis. Die Aufgabe für die Schule von morgen bestünde vor allem darin, Kindern und Jugendlichen einen kritischen Umgang mit dem Internet beizubringen: "Jemanden vor einen Computer zu setzen macht diese Person nicht automatisch intelligenter.

Vielfach lernen Kinder bei der Nutzung von Suchmaschinen lediglich, wie kleine Papageien schnell zu reagieren. Das heißt noch lange nicht, dass sie etwas verstanden haben. Information wird oft mit Wissen verwechselt. Wissen heißt, Fakten zu vergleichen, zu evaluieren und in einen Zusammenhang zu stellen. Das benötigt Zeit, während das Internet dazu verlockt, immer sofort zu reagieren.“ ... (Quelle: profil.at)

"Allen Unkenrufen zum Trotz ist der durchschnittliche Intelligenzquotient (IQ) in den vergangenen 60 Jahren weltweit gestiegen, ein Phänomen, das als "Flynn-Effekt" bekannt ist. Doch was genau das Denkvermögen beflügelt hat, ist umstritten. Längere Ausbildung und eine bessere Ernährung können ebenso dazu beigetragen haben wie die zunehmende Technisierung des Alltags: Sie zwingt uns mehr denn je, immer wieder Neues zu lernen - was die grauen Zellen auf Trab hält.

Doch nicht alle Formen der Intelligenz haben gleich stark zugelegt. Laut einer im Jahr 2009 erschienenen Überblicksstudie der Entwicklungspsychologin Patricia Greenfield von der University of California in Los Angeles macht sich der IQ-Zuwachs vor allem bei nichtsprachlichen Aufgaben bemerkbar, deren Lösung ein hohes Maß an "figuraler Intelligenz" erfordert (siehe Kasten "Was ist Intelligenz). Dabei müssen die Probanden etwa komplexe Muster miteinander vergleichen oder geometrische Figuren im Geist drehen. ..." (Quelle: www.spiegel.de)

Dass sich mein Verhalten gegenüber der Informationsbeschaffung und Verarbeitung derselben im Vergleich zur Zeit vor 1990 verändert hat ist wohl unbestreitbar. Und dass sich - schon alleine aus meiner beruflichen Tätigkeit heraus - die Zeiträume vor dem PC im Web vervielfacht haben kann ich auch nicht leugnen. Dass sich dabei wohl auch die Verknüpfungen in meiner Birne anders gestaltet haben als wenn ich als Aborigine fern von jedem Telefonnetz mitten im Arnhem-Land säße ist auch klar. Dass aber bei meinen virtuellen Nachkommen degenerative Erscheinungen in der Gehirnstruktur sichtbar werden auf Grund meines jetzigen veränderten PC - Konsumverhaltens wage ich jedoch zu bestreiten.

Doch nehme ich zunehmend wahr, wie sehr sich Jung und Alt zu unterscheiden beginnen. Vor allem die Adoleszenten fallen mir auf, denen ihr Smartphone beinahe schon am Ohr festgewachsen ist und die irgendwann einmal doch von der Straßenbahn überrollt werden, wenn sie - in ihr Gespräch vertieft - die drohenden Warnsignale der herannahenden Fahrzeuge nicht mehr wahrnehmen. Ob es da schon eine Diplomarbeit über eine erhöhte Unfallbilanz gibt?

Ich selbst brauche mich nicht aufzuregen, denn ich checke alle 5 Minuten meine Emails, wenn ein eingeschalteter PC in der Nähe ist - nur der andauernden Smartphone-Benachrichtigung kann ich noch widerstehen. Wie sagte schon der Wiener Kabarettist Karl Farkas: "Schau'n Sie sich das an!"
 

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