Was ist der Tod?

Bildquelle: bilder.tibs.at/Reinhold Embacher

"Wenn´st amol hi bist, nacha wead des scho wern." So weit, so gut, zumindest nach Ansicht Konstantin Weckers. " Hin sein", "verschieden", "gegangen", nur ein paar der Umschreibungen, die es in unserer Sprache für das Phänomen des Todes gibt. Wörter, die ein Phänomen beschreiben, das offenbar jedem klar ist. Doch schaut man genauer hin, wird deutlich, dass es gar nicht so eindeutig beschreibbar ist, was "Tod" eigentlich meint. 

Die Definition im Lexikon heißt schlicht: Tod ist das Aufhören des Lebens, das Ende der für ein Lebewesen typischen und wesentlichen Lebensfunktionen. Dabei ist ja auch nicht geklärt, was genau "Leben" ist.

Es ist schwierig, eine Definition für alle Lebewesen zu finden. Bei Einzellern zum Beispiel steht für "Tod" der Verlust der Zellintegrität oder der unumkehrbare Verlust der Zellteilungsfähigkeit, bei Säugetieren ist Tod eher die Zerstörung lebenswichtiger Organe oder Organkomplexe. Tod bedeutet für unterschiedliche Lebewesen also nicht dasselbe. Auch das Eintreten des Todes ist nur ganz selten auf einen bestimmten Zeitpunkt festzulegen.

Für Biologen scheint das Phänomen des Todes direkt mit der Evolution zusammenzuhängen. Wenn die Reproduktionsfähigkeit aufhört, hört auch das Leben auf. Krankheiten, die nicht dem Selektionsdruck ausgesetzt sind, weil sie sich erst nach Aufhören der Zeugungsfähigkeit auswirken, bestimmen die Altersphasen von Lebewesen. Man könnte Altern auch als diesen fortschreitenden Krankheitsprozess nach Weitergabe der Erbinformationen bezeichnen. Der Tod ist (auch durch die Erkenntnisse der Notfallmedizin) kein Augenblick mehr, sondern ein Prozess, der nach dem Herzstillstand einsetzt und sich in unterschiedlichem Tempo in den verschiedenen Geweben des Körpers ausbreitet.

Der Alterstod ist freilich nicht zwangsläufig. So gelang es, Seegurken über Jahrzehnte hinweg ohne Altererscheinungen am Leben zu erhalten. Seegurken vermehren sich durch Knospung, also durch Abschnürung von Zellkomplexen - sie sind potentiell unsterblich.

In Philosophie und Religion wird "Tod" wieder anders interpretiert. Hier kann Tod entweder

  • das endgültige Ende der Existenz eines Lebewesens
  • eine Übergangsphase zu einem neuen Leben (Reinkarnation)
  • der unumkehrbare Übergang in einen neuen Seinszustand (Jenseits, Auferstehung, Unsterblichkeit) oder
  • nur die andere Seite des Lebens (Zen-Buddhismus)

sein. 

Wie eine Gesellschaft zum Tod eingestellt ist, bestimmt auch viele der moralischen und ethischen Normen und Gebote. In einer christlich geprägten Gesellschaft z.B. werden Verbote oft eingehalten um sich Pluspunkte für das sichere Erreichen des Jenseits zu erwerben. 

"Tod" ist in vielen Kulturkreisen tabuisiert. Das schlägt sich auch in der Sprache über Tod nieder, die häufig umschreibt, beschönigt aber manchmal auch brutalisiert ("verreckt"). Ein schönes Beispiel aus dem Englischen, wie man "tot" darstellen kann, ist der berühmte "Polly Parrot"- Sketch der Komikertruppe "Monty Python".

Im Deutsch-Unterricht bereitet der Unterschied zwischen "Tod" (das Phänomen) und "tot" (der Zustand) vielen SchreiberInnen Probleme und ist immer wieder Thema von Übungseinheiten. 

 

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