Waldorfschulen und viel mehr - Rudolf Steiner zum 150. Geburtstag

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Am 27. Februar 1861 wurde - im damals noch österreichischen Kroatien - Rudolf Steiner geboren. Der hochbegabte Schüler studierte sowohl Naturwissenschaften und Mathematik als auch Philosophie und Geschichte und arbeitete als Mitherausgeber der naturwissenschaftlichen Schriften Goethes sowie auch von Schriften Schopenhauers. Schon früh begann er mit eigenständiger Publikationstätigkeit vor allem auf dem Gebiet der Philosophie, die zunächst von Autoren wie Stirner, Feuerbach oder Nietzsche beeinflusst war und - angesichts seiner späteren Orentierung - eine dezidiert antichristliche Attitüde aufwies. Die bedeutendste Publikation aus dieser Schaffenszeit dürfte wohl die "Philosophie der Freiheit" sein. Dieser erkenntistheoretische Entwurf richtet sich strikt gegen dualistische Auffassungen und ist an einem radikalen Freiheitsbegriff, einer schrankenlosen Autonomie des Subjekts, orientiert. 

Laut Eigenaussage glaubte Steiner zu diesem Zeitpunkt seines Schaffens weder an einen Schöpfergott, eine Wiedergeburt oder eine unsterbliche Seele. Er hatte zwar durch Bekannte schon Bekanntschaft mit der damals äußerst bekannten Theosophin Blavatsky gemacht, konnte mit ihrer Lehre aber nichts anfangen. 

Nach vergeblichen Versuchen, in der etablierten akademischen Phiosophie Fuß zu fassen, "rutschte" Steiner in Berlin über Vortragstätigkeit in die Theosophische Gesellschaft hinein. In diese Zeit fällt auch ein von ihm nur angedeutetes, aber vollkommen umstürzendes religiöses Erweckungserlebnis, das auch seine Art zu denken und zu beurteilen völlig änderte. 

Seine neueren Publikationen umfassen Veröffentlichungen zur Idee der Theosophie und zu den menschlichen Erkenntnisstufen bis hin zur höchsten spirituellen Erkenntnis. Steiner bleibt seinem frühen philosophischen Ansatz hier insoferne treu, als er die jeweils ureigene autonome Fähigkeit jedes Menschen zur höheren Erkenntnis postuliert, anders als die Theosophen, die Erkenntnis nur durch ein strikt hierarchisches Schüler-Lehrer-Verhältnis für möglich hielten.

Nachdem Steiner und viele andere deutschen Theosophen sich mit der theosophischen Führungsschicht überwarfen (sie lehnten den Kult um den 16- jährigen Krishnamurti, den vor allem die amerikanischen Theosophen für den Weltenlehrer Maitreya hielten, total ab), wurde er aus der theosophischen Gesellschaft ausgeschlossen. Daraufhin gründete er die Anthroposophische Gesellschaft, der sich praktisch alle deutschen Theosophen anschlossen.

"Anthroposophie" ist für Steiner eine Erweiterung des Begriffes "Anthropologie", der sich "nur" mit der Natur des Menschen beschäftigt. Anthroposophie bezieht die spirituellen Wahrnehmungsebenen des Menschen mit ein. 

In seinen späteren Jahren beschäftigte sich Steiner ausgedehnt mit Architektur, beeinflusste mit seinen Ideen zur "Organischen Architektur" so renommierte Architekten wie Frank Lloyd Wright oder Le Corbusier.

Auch Pädagogische Konzepte (Waldorfschule), deren wichtigstes Anliegen die kreative und autonome Entfaltung des  Individuums sind und Ideen zur organischen Landwirtschaft (biodynamischer Landbau) entwickelte Steiner bis zu seinem Tod im Jahr 1925. 

Neben all diesen kreativen und fortschrittlichen Ideen engagierte sich  Steiner in Bezug auf die Kriegsschulddebatte nach dem 1. Weltkrieg eher im Sinne konservativer Kreise. So finanzierte er eine abstruse Broschüre des Schweizer Esoterikers Karl Heise, eine Verschwörungstheorie an, die Freimaurern, Juden und Theosophen die Schuld am Krieg gab, und die später von Heinerich Himmler mit Zustimmung gelesen wurde. 

Er war, wie auch immer man zu seinen Ideen stehen mag, eine faszinierende und ganz sicher ungewöhnliche Begabung und Persönlichkeit innerhalb der abendländischen Geistesgeschichte.

 

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