VHS Tirol: Grundbildung wird beitragsfrei

Plakat Grundbildung
Bildquelle: VHS Tirol

 

Land setzt mit Grundbildungs-Finanzierung wichtige Bildungsinitiative für Menschen in Tirol
 
„Seit dem Sommersemester 2012 kann die Grundbildung – Lesen, Schreiben und grundlegendes Rechnen für Erwachsene – in Tirol ohne Selbstbehalt besucht werden. Möglich ist das, da das Land künftig 50% der Kosten für die Grundbildung tragen wird“, gab Bildungslandesrätin Dr. Beate Palfrader am Montag im Rahmen einer Pressekonferenz eine Schlüsselinitiative für die Weiterbildung der Menschen in Tirol bekannt.
 
Bürgermeisterin der Stadt Innsbruck Mag. Christine Oppitz-Plörer, Vorsitzende der Volkshochschule Tirol, die in den vergangenen vier Jahren die Grundbildung in unserem Bundesland aufgebaut hatte, begrüßte diese Initiative und stellte den Nutzen für die Betroffenen in den Vordergrund: „Wer heute als Erwachsener nicht lesen oder schreiben kann, der ist nicht nur am Arbeitsmarkt benachteiligt, sondern muss auch im Privatleben große Schwierigkeiten hinnehmen und läuft vielleicht sogar Gefahr, von vielen nicht mehr als vollwertige Persönlichkeit betrachtet zu werden. Deshalb ist es im 21. Jahrhundert der richtige Schritt, dass alle Menschen unabhängig vom Alter jederzeit Lesen, Schreiben und Rechnen lernen können. Mit der Finanzierung der Grundbildung beseitigt das Land Tirol für viele Menschen eine große Hürde auf dem Weg zu den Kulturtechniken“. 
 
Nach einer Versuchsphase mit zunächst vier Personen im Jahr 2007, eröffneten die damalige Vorsitzende der Volkshochschule, Bürgermeisterin Hilde Zach und Bildungslandesrat Dr. Erwin Koler 2008 die Grundbildung in Tirol. Seither haben rund 300 Erwachsene Lesen, Schreiben und Rechnen gelernt, etwa 90 sind derzeit gerade dabei.
Da es wichtig ist, den Zugang zur Grundbildung so unkompliziert wir möglich zu halten, führte die Volkshochschule ein eigenes Grundbildungstelefon ein (Tel.-Nr.: 0650 41 53 303), über das sich Interessierte jederzeit informieren können. Auch geographisch suchte die Grundbildung die Nähe zu den Menschen und kann an den Volkshochschulen in Lienz, Kufstein, Schwaz, Innsbruck und Imst/Ötztal, also in allen Regionen Tirols besucht werden.
 
Da Grundbildung von den Unterrichtenden neben großem menschlichem Einfühlungsvermögen auch hohe Professionalität erfordert, holte die Volkshochschule Tirol einen am Grundbildungszentrum der Volkshochschule Linz entwickelten, berufsbegleitenden Lehrgang nach Innsbruck und bildete in den vergangenen fünf Jahren 83 Grundbildungstrainerinnen und -trainer aus, von denen die meisten in Vorarlberg, Tirol und Salzburg tätig sind.
 
  Foto Mag. Ronald Zecha, Dr. Beate Palfrader,  Bgmin Mag. Christine Oppitz-Plörer,  Mag. Heike Matthes  
v.l.n.r. Mag. Ronald Zecha, Geschäftsführer der Volkshochschule Tirol, Dr. Beate Palfrader, Landesrätin für Bildung und Kultur, Bürgermeisterin der Stadt Innsbruck Mag. Christine Oppitz-Plörer, Vorsitzende der Volkshochschule Tirol, Mag. Heike Matthes, Grundbildungstrainerin Volkshochschule Tirol 
„Dass sich die Grundbildung in Tirol so positiv entwickelt hat, ist einer Tiroler Besonderheit zu verdanken, nämlich dem Umstand, dass sich in unserem Bundesland enorm viele Institutionen hinter dieses Projekt gestellt haben“, erklärte der Geschäftsführer der Volkshochschule Tirol, Mag. Ronald Zecha.
 
Dazu gehören Bildungsinstitutionen wie der Landesschulrat oder das Stadtschulamt in Innsbruck, karitative Einrichtungen wie Caritas oder der Sozialfonds der Arbeiterkammer, Interessensvertretungen wie die Arbeiterkammer oder die Fachgruppe der Kinos in der Wirtschaftskammer Tirol, das AMS, Bildungseinrichtungen wie das Medienkolleg, die Tiroler Kinos und vor allem die Tiroler Medien und viele engagierte Persönlichkeiten. Sie alle haben dazu beigetragen, den Menschen, die von der Grundbildung profitieren können, Mut zu  machen, ihre persönliche Hemmschwelle zu überwinden und Lesen, Schreiben und Rechnen (wieder) zu lernen.
„Allen diesen Institutionen, Medien und Persönlichkeiten, die sich in den Dienst der Grundbildung gestellt haben, steht ein besonderer Dank zu. Und gleichzeitig bitte ich Sie, die Grundbildung weiterhin zu den Menschen zu bringen und sie zu motivieren, ihre Hemmschwelle zu überwinden und sich über die Grundbildung wenigstens zu informieren. Denn ohne eine Aufmunterung von außen fassen nur die wenigsten den notwendigen Mut dazu,“ führte Zecha aus.
 
Wer sich in Tirol für die Grundbildung interessiert, kann entweder über das Grundbildungs-Telefon (0650 41 53 303) oder bei den Volkshochschulen in Innsbruck, Schwaz, Kufstein, Lienz oder Imst/Ötztal anrufen und ein diskretes, etwa einstündiges Beratungsgespräch mit einer eigens ausgebildeten Trainerin oder einem Trainer vereinbaren. Die Grundbildung beginnt dann – je nach Bedarf – mit einigen Stunden Einzelunterricht und wird anschließend in Kleingruppen fortgesetzt. Sie kann so lange konsumiert werden wie nötig, bis die Teilnehmerin oder der Teilnehmer (wieder) Lesen, Schreiben und Rechnen kann.
Auch der grundlegende Umgang mit dem Computer oder Lernen lernen gehören zu den vermittelten Inhalten.
 
Willkommen sind alle erwachsenen Personen, die (wieder) sicher mit den Kulturtechniken umgehen wollen, unabhängig davon, ob sie Deutsch oder eine andere Muttersprache haben. Der Besuch ist in Tirol kostenfrei, da Bund und Land die Finanzierung tragen.
 
Foto: Bitsche/VHS Tirol, Abdruckhonorar frei
Bildquelle: 
VHS Tirol

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