Verbotene Vornamen

Baby
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"Wollen Sie Ihr Kind wirklich 'Axel' taufen, Frau Schweiß?"

Die Wahl des Vornamens eines Kindes ist ein Recht der Eltern im Rahmen der Obsorge, wobei die Bestimmung des Vornamens eine formfreie einseitige Willenserklärung darstellt. Früher war es üblich, christliche Taufnamen oder sonst übliche althergebrachte Namen zu wählen. Dies hat sich in den letzten Jahrzehnten geändert, wir werden immer mehr mit Vornamen konfrontiert, die in Österreich bislang nicht bekannt waren.
 
Heutzutage geben Eltern ihren Kindern oftmals extravagante Vornamen wie z.B. in Deutschland Pumuckl, Sundance, Fanta oder Pebbels. Das deutsche Namensrecht  nimmt diesbezüglich einen wesentlich liberaleren Standpunkt ein, als dies für das österreichische Recht zutrifft. Andere Länder kennen offenbar überhaupt keine rechtlichen Vorgaben für die Namenswahl. In Brasilien gibt es kuriose Namen wie etwa Barba de Jesus (Jesusbart), Carne e osso (Fleisch und Knochen), Panela (Kochtopf), Estrada de Ferro (Eisenbahnstrecke) oder Policia (Polizei) und sogar Prostituta und Hitler (als Vornamen!).
 
Der Vorname soll Ausdruck der persönlichen Identität eines Kindes und seiner Zugehörigkeit zur Familie sein, die Wahl des Vornamens ist eine persönliche und emotionale Angelegenheit der Eltern. Dieses Recht der Eltern ist vom Grundrecht auf Privat- und Familienleben nach Art 8 EMRK (Europäische Menschenrechtskonvention) geschützt. Trotzdem sind die Eltern bei der Wahl des Namens nicht völlig frei, denn sie haben sich im Sinne eines pflichtgebundenen Ermessens am Wohl des Kindes zu orientieren. Neben sinnlosen und anstößigen Namen sind sogenannte "Nicht-Vornamen" wie etwa Zeichen- und unaussprechliche Buchstabenkombinationen oder typische Familiennamen nicht zulässig. Ausgeschlossen sind z.B. Vornamen wie Müller, Meier oder Schmitz. Ebenfalls unzulässig sind Adelsbezeichnungen wie Graf oder akademische Grade und sonstige Titel wie Doktor, Direktor oder Major. Nicht eintragungsfähig sind auch bloße Namenzusätze wie Junior oder Zählungen wie "I", "II" und "III".
 
Nach dem Grundsatz der Geschlechteroffenkundigkeit muss in Österreich zumindest der erste Vorname dem Geschlecht des Kindes entsprechen, um peinliche oder zumindest lästige Verwechslungen zu vermeiden. Unzulässig sind daher Namen wie Chris, Dominique, Gerrit oder Kim als erster oder einziger Vorname. Das gilt auch für Sascha als Kurzform von Alexander oder Alexandra.
Der Name Maria ist nach herrschendem Verständnis als erster oder einziger Vorname weiblich, er kann jedoch an zweiter Stelle eines Doppelnamens oder als Zweitname auch als männlicher Vorname verwendet werden.
 
Vornamen, die das Kindeswohl gefährden, dürfen nicht eingetragen werden, das betrifft vor allem anzügliche, beleidigende oder sonst schändliche Namen, wie etwa Schlendrian, Tunichtgut oder Töricht. Lächerliche Namen, welche die Würde der Person beeinträchtigen, wie z.B. Rotkäppchen, Pinocchio, Winnetou, Rambo oder Pumuckl, widersprechen dem Kindeswohl. Unzulässige Vornamen sind auch Markennamen wie etwa Pepsi, Fanta oder Sony. Mercedes stellt hier eine Ausnahme dar, weil es sich um einen traditionellen weiblichen Vornamen handelt.
Soweit es sich um althergebrachte Vornamen handelt, verstoßen Namen bekannter Persönlichkeiten nicht gegen das Kindeswohl, selbst wenn damit eine unter Umständen verächtliche politische Überzeugung dokumentiert wird. Deshalb sind die Namen Adolf oder auch Osama eintragungsfähig. 
 
Verwendete Quelle:
Richter Dr. Raphael Thunhart
entnommen aus: Vornamen in Österreich
 
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