UTS - Siegfried Weger - Bibliothekar

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Bildquelle: Siegfried Weger

Das Interview als Audiodatei finden Sie am Ende dieses Artikels!

Siegfried Weger ist Lehrer und Schulbibliothekar,

Leiter der JÖ-Redaktion und Buchautor.

Siegfried Weger

 

Siegfried Weger arbeitet seit 35 Jahren als Lehrer im Tiroler Landesdienst. Er unterrichtet in Innsbruck an der Neuen Mittelschule Müllerstraße mit dem Schwerpunkt Kreativität die Fächer Deutsch, Geografie und Wirtschaftskunde, Biologie und Umweltkunde und Bildnerische Erziehung. Weiters betreut er zwei Schulbibliotheken, die neu eingerichtete Bibliothek in der eigenen Stammschule und die Bibliothek der NMS Hötting-West in Innsbruck.
Seit 6 Jahren leitet er zusätzlich die Redaktion der Jugendzeitschrift JÖ (Jungösterreich).

Eindeutiger Schwerpunkt seiner schulischen und redaktionellen Tätigkeit ist die Leseerziehung. Sein Anliegen ist es, Kinder zum Lesen zu verlocken, denn Lesen lernt man nur durch Lesen.

Herr Weger steht in ständigem Kontakt mit 25 AutorInnen, die ihm Beiträge für die JÖ-Hefte liefern. Diese Beiträge werden, falls notwendig, von ihm überarbeitet und danach an eine Grafikerin weitergeleitet. Das illustrierte JÖ-Heft wird vor dem Druck dann nochmals von ihm und weiteren Korrektoren gelesen und verbessert.

Als größte Herausforderung in seiner Arbeit sieht er, dass er sowohl als Lehrer, als auch als JÖ- Redakteur zusammen mit vielen anderen gegen die zunehmende Leseschwäche zu kämpfen hat. Ein JÖ-Text, vor 10 Jahren geschrieben, würde vielen Kindern heute Schwierigkeiten bereiten. Als er die Redaktion übernahm, reagierte er sofort auf die vielen Beschwerden von LehrerInnen aus ganz Österreich, das Textniveau sei zu hoch. Die Zeichenzahl der JÖ-Beiträge wurde reduziert, zusätzlich findet man auf den JÖ-Seiten immer wieder Extrakästen, in denen schwierige Wörter erklärt werden. Siegfried Weger sieht in dem geänderten Layout eine notwendige Maßnahme, um die Motivation zum Lesen aufrecht zu erhalten.

Aber natürlich ist es keine zufriedenstellende Lösung, das Niveau ständig nach unten zu nivellieren.

Gefragt nach Timemanagement und Tagesablauf erklärt Herr Weger, er sei Frühaufsteher und halte es mit dem Motto:

"The early bird catches the worm." 

Seine Arbeit könnte deutlich erleichtert werden, wenn es für die Schulbibliotheken mehr Geld gäbe. Wünschenswert wäre dabei, wenn das Land Tirol zusätzliche Unterstützungen anbieten könnte, wie es etwa in Oberösterreich der Fall ist. Erfreulich und arbeitserleichternd ist für ihn, wenn er pünktlich eingereichte gut geschriebene JÖ-Artikel erhält.

Siegfried Weger

Siegfried Weger vor dem Poster "lese.tour.europa", das anlässlich des Innsbrucker Kreativtags 2011 gestaltet wurde

Herr Weger vergleicht „Unsere Tiroler Schule“ mit dem Bau eines Hauses. Die im Aufbau begriffene Neue Mittelschule sei wie eine Baustelle, deren Fundament solide sein muss. Das zementierte Fundament bestehe aus den zu erlernenden Fähigkeiten Lesen, Schreiben und Rechnen.

Darauf wird im Idealfall ein buntes, offenes, freundliches Bildungshaus errichtet mit Projektetürmchen und luftigen Hallen für Lernfelder und neue Lehr- und Lernformen.

Das hier gewählte Schullogo verbindet Herr Weger mit der Gemütlichkeit einer entschleunigten Schule, was in unserer Zeit eine Illusion sein mag. Eine Entschleunigung wäre aber seiner Ansicht nach in vielen Bereichen notwendig.

Auf die Frage nach beruflichen Kontakten zu LehrerInnen und seinen Erfahrungen damit meint Herr Weger, dass ihm diese Kontakte auch deshalb wichtig seien, weil er über Gespräche mit KollegInnen herausfinden könne, welche Anliegen die LehrerInnen an die Jugendzeitschrift JÖ haben. Damit wird ihm möglich, österreichweit einen optimalen JÖ-Service bieten zu können. Dass LehrerInnen mit Engagement auch in ihrer unterrichtsfreien Zeit arbeiten, weiß er auch aus seiner Zeit als Bezirksleiter des Jugendrotkreuzes Innsbruck zu berichten.

Bei den laufenden aktuellen Bildungsdebatten bemängelt Kollege Weger, dass zu oft auf sogenannte selbst ernannte Experten gehört werde. Wissenschaftlern wie dem Hirnforscher Dr. Manfred Spitzer sollte mehr Gehör geschenkt werden und auch den LehrerInnen, die täglich mit der Jugend zu tun haben und deren Probleme kennen.

Als momentan wirkliches Problem in den Tiroler Schulen sieht er, dass die Schule die Defizite unserer Zeit abfedern muss und die LehrerInnen zwangsläufig Mütter- und Väterersatz zu sein haben.
 

Siegfried Weger

Siegfried Weger vor der Bibliothek der NMS Müllerstraße in Innsbruck

Als Verbesserungen für unsere LehrerInnen konnte er als JÖ-Redaktionsleiter erreichen, dass mit den JÖ-Heften ansprechende, spannende und aktuelle Beiträge und didaktisch aufbereitete Arbeitsblätter mit Backgroundinfos für die Vorbereitung zur Verfügung stehen. Auf der Online-Plattform des Verlages „www.lehrerservice.at“ finden LehrerInnen kostenloses didaktisch aufbereitetes Material für viele Unterrichtsstunden und fast alle Fächer. Durch die neue Online-Schiene „JÖaktuell“  kann noch schneller auf wichtige Ereignisse, die nach Redaktionsschluss eintreten, reagiert werden. Ab dem kommenden Schuljahr werden auch interaktive Online-Übungen angeboten.

Als weitere Ziele seiner Arbeit sieht Kollege Weger die Intensivierung der schulischen Leseförderung durch einen breiten Maßnahmenkatalog. Der „JÖ-Effekt“ der Jungösterreich-Hefte soll bewahrt bleiben, JÖ soll zwar Unterrichtsmittel sein, aber auf keinen Fall „lehrbuchhaft“ wirken. Diverse Umfragen erheben immer wieder die Themen, die bei Kindern aktuell sind und die sie bewegen. Diese Themen werden in den Heften, aufbereitet nach verschiedenen Unterrichtsprinzipien, aufgegriffen. JÖ ist auf dem richtigen Weg, denn 3 von 4 SchülerInnen in Österreich lesen JÖ.

Siegfried Weger

Bibliothekar und JÖ-Redaktionsleiter Siegfried Weger

Vier Jahre lang lebte Siegfried Weger mit seiner Familie in Guatemala, wo er in der Österreichischen Schule unterrichtete. An die Zeit in Mittelamerika erinnert er sich gerne und beschreibt diese Jahre als die besten seines Lebens. Die Reisen damals zu den Mayastätten und in den Urwald inspirierten ihn zum Schreiben. Herr Weger ist Autor mehrerer Bücher. Seine erste Publikation ist ein Roman und trägt den Titel „Der Schalenstein“. Ihm folgte der Bildband „Mythos und Magie der Maya“. Später konzentrierte er sich in seiner schriftstellerischen Tätigkeit auf Tirol. Die Bücher „Reise durch Tirol“ und „Geheimnisvolles Tirol“ sind entstanden. Derzeit schreibt er an Kurzgeschichten mit mystischem Unterton und er veröffentlicht auch regelmäßig Beiträge in der Zeitschrift „Die Tirolerin“.

Das Interview führte Anita Eller.

Interview mit Siegfried Weger
Bildquelle: 
Siegfried Weger


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