UTS - Petra Jäger - VS-Direktorin

podcast
Bildquelle: Oswin Kleinhans

Das Interview als Audiodatei finden Sie am Ende dieses Beitrages!

Kleinschulen üben oft einen besonderen Reiz aus, liegen sie doch meistens in exponierten Lagen unseres Landes. Doch gerade dadurch ergeben sich manchmal Probleme. Von den Freuden und Sorgen einer Direktorin einer kleinen Volksschule im Tiroler Unterland berichtet der folgende Artikel …

 

Reife ist keine Frage des Alters.

Dies ist einer der Leitsprüche für die schulische Arbeit von Frau Dipl.-Päd. VD Petra Jäger. Seit 1998 ist sie als ausgebildete Volksschul- und Sonderschullehrerin an mehreren Volksschulen im Tiroler Unterland tätig. Vor drei Jahren wurde sie Leiterin der Volksschule Harland, einer kleinen, einklassigen Volkschule in der Gemeinde Rettenschöss. Dieser Artikel berichtet über ihre Freuden, Sorgen und Ziele.

 

 VS Harland vor der Kulisse des zahmen Kaisergebirges 

 Die VS Harland vor der Kulisse des zahmen Kaisergebirges

Rettenschöss ist eine kleine Gemeinde im nordöstlichen Teil des Tiroler Unterlandes mit ca 500 Einwohnern. Frau Jäger leitet dort eine einklassige Volksschule mit 16 Kindern und insgesamt 3 Lehrerinnen. Die Schule befindet sich mitten im Grünen, Pausenplatz ist die Wiese vor dem Gemeindeamt, weil die Schule dort untergebracht ist.

Frau Jäger sieht aber wenig Ähnlichkeiten mit Peter Roseggers „Waldschule“; ihre Schule entspricht den Anforderungen an das 21. Jahrhundert mit der entsprechenden modernen Einrichtung, z.B. stehen  10 Multimedia-Computer für die Arbeit der SchülerInnen zur Verfügung.

    

Frau Jäger inmitten ihrer SchülerInnen

Die 16 SchülerInnen sind auf alle vier Schulstufen verteilt und werden gemeinsam unterrichtet. Nur in Deutsch und Mathematik erfolgt eine Trennung in jeweils zwei Schulstufen.  Dies erfordert eine gute Organisation und Planung, um alle Kinder entsprechend zu fördern und zu fordern.

Die geringe Schülerzahl ermöglicht aber auch, dass Ideen gemeinsam umgesetzt werden können, z.B. im differenzierten Projektunterricht, wobei die jüngeren SchülerInnen von den Älteren lernen und umgekehrt. Die SchülerInnen erhalten Tages- und Wochenpläne mit genauen Arbeitszielen, wobei sie schon früh an selbstständiges Arbeiten und gute Zeiteinteilung gewöhnt werden. Selbstentdeckendes und selbstgesteuertes Lernen sind an ihrer Schule keine Schlagworte, sondern gelebte Selbstverständlichkeit! Durch diese Arbeitsweise werden bessere SchülerInnen nicht unterfordert, und die Anderen fühlen sich nicht permanent unter Druck gesetzt.

         

Die SchülerInnen der VS Harland auf "ihrem" Pausenhof

Frau Jägers Schwerpunkte bei den SchülerInnen sind Offenheit für Neues zu erwecken, Einfühlungsvermögen, und die Fähigkeit, Dinge und Situationen aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, wobei das Vertrauen in sich selbst und das gegenseitige Vertrauen einen wichtigen Stellenwert einnehmen. Im Umgang mit den anderen Lehrpersonen an ihrer Schule ist es für sie wichtig zusammen zu arbeiten, zusammen zu halten, sich zu respektieren und sich zum Wohle der positiven Entwicklung der Kinder zu engagieren. Besonders am Herzen liegt Frau Jäger der Zusammenhang zwischen Kognition und körperlicher Bewegung, bzw. der tägliche Einbau von kinesiologischen Übungen im Unterricht. Die Ganztagesschule findet sie positiv, jedoch würden zur Betreuung zusätzliche Räumlichkeiten fehlen.

Probleme sieht Frau Jäger in der Budgetkürzung, z.B. wurden die Mittel für die Legasthenikerbetreuung gänzlich gestrichen. Sorge bereiten ihr in den letzten Jahren auch vermehrt die Einschulung von verhaltensauffälligen Kindern, die den Schulalltag und den Unterricht erschweren. Gerade solche Kinder brauchen mehr Hinwendung, daher könnte sie sich als Arbeitserleichterung eine zusätzliche Lehrkraft gut vorstellen!

Frau Jägers Ziele sind die bestmögliche Förderung der SchülerInnen, damit sie mit Freude lernen und ihr Selbstvertrauen gestärkt wird.

Interview mit Frau Dipl.-Päd. VD Petra Jäger
Bildquelle: 
Oswin Kleinhans


Logo Unsere Tiroler Schule