Transsibirische Eisenbahn - lang(sam), aber nicht langweilig

Lokomotive mit Waggons auf einer Bahnstrecke
Bildquelle: ER9T-669 EMU Transsib, Irkusk, Melnikovo (22026963343).jpg / commons.wikimedia.org/wiki/File:ER9T-669_EMU_Transsib,_Irkusk,_Melnikovo_(22026963343).jpg / Artem Svetlov / CC BY 2.0

Wer gerne mit der Bahn verreist, kennt sie sicher: die Transsibirische Eisenbahn- kurz Transsib. Sie führt quer durch Russland, ist die längste Eisenbahnstrecke der Welt und auch Schauplatz in zahlreichen Romanen und Filmen. Warum baute Russland aber überhaupt diese Bahnstrecke? Und wird diese Strecke heute überhaupt noch genutzt?

Der Hintergrund

In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts entstand in Russland der Plan den Osten des Landes besser zu erschließen und zwar mittels Eisenbahn. Dadurch sollte einerseits diese Gegend Russlands wirtschaftlich belebt werden und andererseits ein alternativer Weg für den Handel zwischen Europa und China sowie eine Möglichkeit Getreide billig aus dem Osten des Landes in den Westen zu transportieren geschaffen werden.

Der Bau

Im Mai 1891 erfolgte in der Nähe von Wladiwostok der Spatenstich zum Bau der Bahn in Richtung Osten und von Tscheljabinsk am Ural aus erfolgte der Bau in Richtung Westen. Zusätzlich wurde die Bahnstrecke in mehrere Bauabschnitte unterteilt, an denen parallel gearbeitet wurde, um den Bau voranzutreiben. Obwohl bereits 1903 die ersten Züge zwischen St. Petersburg und Wladiwostok verkehrten, dauerte es noch bis zum Oktober 1906 dass die Transsibirische Eisenbahn mit ihrem jetzigen Streckenverlauf fertiggestellt wurde. Der zweispurige Ausbau wurde nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs abgeschlossen, seit 25.12.2002 ist die Bahnstrecke durchgehend elektrifiziert. Der Bau hatte - wie es bei solchen Großprojekten nicht unüblich ist - diverse Schwierigkeiten zu bewältigen: die Kosten waren letztendlich viel höher als angenommen und der Untergrund (Morast, Permafrostboden) teilweise eine technische Herausforderung. So musste die ursprünglich geplante Streckenführung immer wieder abgeändert werden um etwa Überschwemmungszonen, schlechte Bodenverhältnisse oder Berge zu umgehen, Kosten einzusparen und politische und wirtschaftliche Interessen zu erfüllen. Ein Projekt dieser Größenordnung erfordert auch eine Vielzahl an Arbeitern. So waren zeitweise bis zu 90.000 Arbeiter gleichzeitig beschäftigt, wobei nur ca. 29 % der Arbeiter, die am Bau mitwirkten, sibirische Arbeiter waren, da es schwer war in Sibirien qualifizierte Arbeiter zu finden. So wurden Arbeiter aus entfernteren Gegenden rekrutiert: billige Arbeitskräfte aus China, Korea und Japan, Lohnarbeiter aus allen Teilen Russlands sowie Kriegsgefangene und Sträflinge, aber auch viele Steinmetze aus Italien für den Brückenbau. Die Arbeitsbedingungen waren zumeist sehr schlecht, Unfälle an der Tagesordnung und die medizinische Versorgung sehr dürftig. Schätzungen gehen davon aus, dass Zehntausende Arbeiter beim Bau der Transsibirischen Eisenbahn ihr Leben verloren.

Einige interessante Daten

Die Streckenlänge der Transsibirischen Eisenbahn beträgt 9288,2 km, was sie zur längsten Eisenbahnstrecke der Welt macht. Sie durchquert 2 Kontinente (wobei mit 7512 km der Großteil auf Asien entfällt) und 7 Zeitzonen, wobei sie auch 16 große Flüsse überquert (die Überführung über den Amur ist dabei mit ca. 2km am Breitesten). Auf ihrem Weg durch Russland bahnt sich die Transsib ihren Weg durch viele unterschiedliche Landschaften (vornehmlich Taiga) und sie fährt durch 89 Städte.

Reise

Wer gerne mit der Transsibirischen Eisenbahn verreisen möchte, kann eine entsprechende Reise entweder in Reisebüros, bei diversen Reiseveranstaltern oder auch direkt beim Betreiber, der Russischen Eisenbahngesellschaft, buchen. Dabei kann man zwischen verschiedenen Wagenklassen wählen, der Rahmen erstreckt sich hier von Großraumabteilen bis zu 2 Personenabteilen mit entsprechenden Ausstattungen. Wer in den Genuss der längsten durchgehenden Zugverbindung kommen will, kann mit den Zügen 1/2 bzw. 99/100 die Strecke Moskau-Wladiwostok-Pjöngjang befahren. Die Fahrzeit beträgt 144 bzw. 160 Stunden.

 

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