Teil 3 – Das E-Portfolio im (berufsschulischen) Unterricht

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Bildquelle: Education Group GmbH,

Teil 3 - Strategische Aspekte in der Umsetzung Ihrer E-Portfolio-Strategie
Bei der Implementierung von E-Learning-Komponenten müssen natürlich die verschiedensten Aspekte berücksichtigt werden. Verschiedene Autoren, insbesondere Hohenstein und Tenbusch sehen hier grundsätzlich drei wesentliche Hauptfaktoren:

  • die Organisation im Umfeld von Lernkultur, der spezifischen Struktur und deren Prozessen,
  • den Menschen, das heißt, die Persönlichkeit des jeweiligen Individuums, dessen Qualifikation, Akzeptanz und natürlich auch Motivation und
  • die (eingesetzte) Technik, das heißt die Soft- und Hardwareinfrastruktur, deren Qualität und die spezifische Verzahnung.

Als Ausgangslage für ein einsatzfähiges Konzept ist es sinnvoll, die einzelnen Aspekte unter den Gegebenheiten an der jeweiligen Schule bzw. im geplanten Einsatzort zu analysieren.
 

Die Organisation
Der Artikel orientiert sich besonders an den Berufsbildenden Schulen. Aus diesem Grund betrachte ich den Aspekt der Organisation Dieser Aspekt aus zweierlei Gesichtspunkten erläutert, zum Einen spielt die Organisation „Schule“ eine zentrale Rolle für eine erfolgreiche Implementation – eine weitere und nicht unwesentlichere spielt aber auch der jeweilige Lehrbetrieb. Wenn die E-Learning-Maßnahme, ein interaktives Lerntagebuch bzw. Portfolio mittels Weblog bzw. einer anderen geeigneten Software einen ähnlichen Stellenwert, wie ein herkömmliches Lernportfolio in Papierform haben soll, dann muss die Idee auch von den jeweiligen Verantwortlichen im Lehrbetrieb mitgetragen werden, das heißt im Idealfall auch ein kleiner Teil der Lern- bzw. Ausbildungskultur im Unternehmen werden.

Zur Situation an der Schule ist zu sagen, dass grundsätzlich eine offene Lernkultur, die sich besonders auch im Leitbild der Schule wiederfinden sollte als Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Implementierung einer diesbezüglichen Maßnahme zu betrachten ist.

Die Aufgabe, die Lehrbetriebe mit ins Boot zu bekommen, wird wohl etwas schwieriger sein, da insbesondere Erkenntnisse aus verschiedenen Richtungen der Wissenschaft als Begründung für eine diesbezügliche Maßnahme von Unternehmen mit Skepsis wahrgenommen werden dürften.
 

Der Mensch
Dieser essentielle Aspekt kann natürlich nicht differenziert, speziell von der zu letztgenannten Organisation, betrachtet werden. Der Einsatz von E-Learningmaßnahmen setzt immer auch ein neues Rollenverständnis aller Beteiligten voraus.

Als Illustration - kurz ein Beispiel aus dem warenspezifischen Fachunterricht, das dieses Rollenversträndnis näher beschreibt:
Schüler/innen können im Rahmen des Unterrichts Unternehmensbesichtigungen, im Sinne von Lehrausgängen selbst planen und diese dann in branchenspezifischen Gruppen ohne Lehrperson durchführen. Im Blog wird der Planungsprozess dokumentiert und mit Mitschüler/innen geteilt. Ebenso wird die Durchführung und die daraus erhaltenen Erkenntnisse im Blog publiziert. Fotos und Handyvideos sind ebenso zulässig, wie beispielsweise ein kurzes Interview mit der Unternehmensleitung. Zusätzlich können über Kommentarfunktionen die Erkenntnisse verschiedener Gruppen direkt ausgetauscht werden. Und natürlich können Berichte, Interviews und vieles mehr auch querverlinkt werden.

Wenn Schüler/innen ohne die Begleitung einer Lehrperson eine Betriebsbesichtigung durchführen, so ist das sicherlich kein E-Learning. Es bedarf aber ebenso wie das Führen ihres interaktiven Lerntagebuchs, das heißt der Dokumentation und Reflexion des Lehrausgangs durch die Schüler/innen, die sie mit ihren Mitschüler/innen, ihren Ausbildner/innen und Lehrpersonen teilen, bestimmte Schlüsselkompetenzen und die Fähigkeit Werkzeuge der eigenverantwortlichen Selbstorganisation. Außerdem benötigt es konkrete Regeln die eingehalten werden müssen bzw. Zielvereinbarungen, die bereits im Vorfeld getroffen werden.

Dem Lernenden wiederum wird gleichzeitig eine aktivere Rolle bei der Auseinandersetzung mit Lerninhalten eingeräumt, die spezifische Schlüsselqualifikationen wie z. B. Selbstorganisation voraussetzt und selbstbestimmtes Lernen bezüglich Ort, Zeit, Lerntempo und Lerninhalte impliziert, die Qualifikation der Menschen ist ein zentraler Faktor bei der Gestaltung des Lernkulturwandels (Hohenstein u. Tenbusch in Hohenstein u. Wibers, 2010)

Der/ie kompetente Schüler/in
Abbildung: Der/ie für das E-Portfolio bereite Schüler/in   (nach. Born)

Um ein derartig komplexes Beispiel wirklich erfolgreich abzuschließen wird von den Lernenden ein großes Maß an Methodenkompetenz aber auch Medienkompetenz abverlangt, um Situationsbezogen den geforderten Anforderungen gerecht zu werden. Dem Heranführen an diese Kompetenzen muss im Rahemn der Konzeption ebenso Sorge getragen werden.

Die Rolle der Lehrpersonen
Die Rolle der Lehrpersonen im klassischen Sinn rückt zunehmend in den Hintergrund, vielmehr kann im Kontext der Einführung von E-Portfolios von Bildungsberater/innen gesprochen werden. Die Lehrpersonen tragen ein hohes Maß an Verantwortung, die intrinsische Motivation zu fördern. Ebenso müssen Leistungen permanent kommentiert werden.
Trainer/innen-Eigenschaften

Abbildung: Der/die Online-Tutor/in oder was benötigt ein/e Teilnehmer/in vom/von der idealen Onlinetutor/in? (nach Born)

Verschiedene Autoren, beispielsweise Born, sehen in ihren Ausführungen die Rollen eines/r Kursbetreuers/in bzw. Teletutors noch ein wenig differenzierter. Folgend ein paar dieser Rollen im Detail:

  • Der Experten/die Expertin, der/die fachliche Fragen beantwortet, den Wissenstransfer simuliert, den Lernerfolg kontrolliert und zusätzlichen Input gibt.
  • Der Teambildner/die Teambildnerin, der/die Gruppenbildungen und Gruppenarbeiten unterstützt und die Effekte der computervermittelten Kommunikation auf die spezifischen Gruppenprozesse anwendet.
  • Coach – er/sie begleitet individuell, unterstützt und trifft Zielvereinbarungen, hilft Potentiale zu entdecken und zu aktivieren und vermittelt Lern-und Zeitmanagementtechniken.
  • Das beispielhafte Rollenmodell dient der Vermittlung von Medien-, Methoden-, Kommunikations- und Sozialkompetenz durch die Vorbildfunktion.
  • Der Moderator/die Moderatorin, der/die Beiträge kommentiert und strukturiert, bereitet und moderiert Themenchats und stellt Zusammenhänge und Orientierung her.
  • Technische/r Unterstützer/in, der/die Orientierung in der Lernumgebung (in der Software) gibt und mit einem technischen Team kooperiert.

Im konkreten Fall, das heißt im Rahmen einer Konzeption für den berufsbildenden Bereich sollte dem Ausbildungsbetrieb bzw. den jeweiligen Ausbildnern/innen auch ein bestimmtes Maß an Verantwortung bzw. eine Rolle übertragen werden. Auch diesem Aspekt muss im Konzept ein spezifischer Ansatz, das heißt gegebenenfalls Maßnahmen zur Motivation dieses Personenkreises aber auch der Bereich technische Unterstützung gewidmet werden.

Die eingesetzte Technik
Bei E-Learning-Strategien im großen Stil, das heißt beispielsweise im Rahmen von Maßnahmen von Unternehmen, ist die Frage der Technik eine essentielle und mitunter sehr kostenintensive. Bedacht werden müssen unter anderem Netzwerk- und Kommunikationsstrukturen der Organisation. Ebenso spielen die Netzwerksicherheit und Systeme wie beispielsweise Abrechnungs- oder Skillmanagement große Rollen.

Im Rahmen einer schulischen Konzeption weichen diese Aspekte jedoch deutlich in den Hintergrund. Eingesetzt werden können, wie schon besprochen, Tools wie der kostenlose Weblog-Dienst Wordpress, eine schon vorhandene Moodleinstanz oder auch Mahara. Die Administration von Moodle und Mahara ist durch die Schulbehörde gesichert.

Nichts desto trotz müssen die Lehrlinge die ihnen zur Verfügung stehende technische Infrastruktur situativ beherrschen und einsetzen können. Dieses Faktum muss in Ihrem Konzept auf jeden Fall sehr stark berücksichtigt werden.

Wie Sie sehr einfach mit Ihren Schüler/innen eine Wordpress-Instanz anlegen erfahren Sie ebenso auf www.tibs.at!

 

Quellen:

Born, Julia. (2008): Das eLearning-Praxisbuch – Online unterstützte Lernangebote in Aus- und Fortbildung konzipieren und begleiten. Baltmannsweiler: Schneider Verlag

Hohenstein, Andreas & Tenbusch, Burkard. (2010): E-Learning-Strategie entwickeln. In Hohenstein, Andreas & Wilbers Karl (Hrsg.) (2010): Handbuch E-Learning – Expertenwissen aus Wissenschaft und Praxis (33. Erg.-Lfg). Köln: Deutscher Wirtschaftsdienst

 

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