Schriftliches Erzählen in Deutschstunde 1 - 4

Deutschstunde 1
Bildquelle: Veritas Verlag

 

Johannes Prem und Thomas Stornig (PH Tirol) haben sich mit der Idee des Spiralcurriculums beschäftigt und die Unterrichtswerke Deutschstunde 1 - 4 dahingehend untersucht, inwiefern das schriftliche Erzählen im Sinne eines Spiralcurriculums aufgebaut und vermittelt wird. Lesen Sie im Folgenden ihre Ergebnisse:

Die Idee des Spiralcurriculums geht auf den US-Amerikaner Jerome Bruner zurück, der seine Lerntheorie auf die Erkenntnisse der Psychologie stützte. Bruner verstand unter dem zu Beginn der 1960er Jahre entwickelten Begriff eine Form des Lernens, nach der der Lernstoff nicht linear, sondern in einer Art Spirale angeordnet wird. Demnach lernt ein Kind am besten, wenn zuerst die grundlegenden Dinge vermittelt werden, diese dann im Laufe der Schuljahre auf stets ansteigendem Niveau immer wiederkehren.

“He advocated learning through enquiry, with the teacher providing guidance to accelerate children’s thinking, and recommended that the early teaching of any subject should emphasise grasping basic ideas intuitively. After that, he believed, the curriculum should revisit these basic ideas, repeatedly building upon them until the pupil understands them fully (the spiral curriculum).”

Nach Bruner besteht der richtige Weg darin, den Kindern zunächst die „basic ideas“ verständlich zu machen. Diese Inhalte werden dann in Zeitabständen aufgegriffen und schrittweise vertieft. Dass diese spiralförmige Vorgangsweise zielführend ist, lässt sich durch zahlreiche Untersuchungen belegen. Die Idee des Spiralcurriculums hat heute Eingang in die Lehrpläne gefunden.

In den folgenden Zeilen soll analysiert werden, ob und auf welche Weise Prampers Lehrbuch „Deutschstunde 1-4“ über die 5.-8. Schulstufe die Idee des Spiralcurriculums im Bereich des schriftlichen Erzählens verfolgt.

Im Buch „Deutschstunde 1“ wird dem schriftlichen Erzählen sehr viel Platz eingeräumt. Über mehrere Seiten werden jeweils die Bildgeschichte, die Fantasieerzählung, die Nacherzählung und die Erlebniserzählung bearbeitet. Zu Beginn des Buches finden sich allgemeine Beispiele zum Verfassen von Texten. Auch diese Texte haben einen erzählerischen Charakter. Dem Schreiben von Briefen sind ebenso mehrere Seiten gewidmet. Die Beispielbriefe können im weiteren Sinne auch dem Bereich des Erzählens zugerechnet werden.

Für den Bereich des schriftlichen Erzählens finden sich verschiedenste praktische Übungen. Wie ist ein Text zu gliedern? Wann verwende ich eine direkte Rede? Wie kann ich Stil und Ausdruck verbessern? Wie kann ich eine Erzählung ausschmücken? Wie kann ich abwechslungsreiche Satzanfänge finden? Wie kann ich einen Text spannend gestalten? Welche Zeitformen sind wann zu verwenden? Wie verfasse ich eine passende Überschrift? Wie kann ich einen Text überarbeiten?

Das Buch enthält auch Theoretisches zu den verschiedenen Textsorten, z.B. über die Merkmale eines Märchens, einer Sage oder über die Botschaft eines Textes.

Prampers „Deutschstunde 2“ beschäftigt sich im Bereich des schriftlichen Erzählens mit den drei Textsorten Erlebniserzählung, Fantasieerzählung und Bildergeschichte. Diese Formen kommen, wie schon beschrieben, im ersten Teil des Buches „Deutschstunde“ auch vor. Nun werden sie noch umfassender behandelt. Diese Vorgangsweise entspricht dem Gedanken eines Spiralcurriculums. Am Beispiel der Erlebniserzählung lässt sich dies gut belegen: Dieser Abschnitt im Buch beginnt mit einer Übung zum Verfassen von passenden Überschriften. Danach folgt eine Auseinandersetzung mit dem Aufbau einer Erzählung. Wie kann Spannung erzeugt werden? Wie sollte die Spannungskurve im Text verlaufen? Wieder wird auf Einleitung, Hauptteil und Schluss eingegangen. Hinzu kommen Wortschatzübungen und Gestaltungstipps für Satzanfänge und Ausdruck.

An anderer Stelle wird die Fantasieerzählung wieder aufgegriffen. Die Fantasieerzählungen in der 2. Klasse handeln überwiegend von Geistern und Gespenstern. Diese Inhalte erscheinen uns für die Zielgruppe sehr ansprechend. Auch bei den Fantasieerzählungen geht es darum, Spannung aufzubauen. Wiederum finden wir Übungen zur Erweiterung des Wortschatzes. Andere Übungsbeispiele zielen auf die Kreativität der Schüler/innen ab, z.B. die Aufforderung, ein Gespenstermenü zu erfinden. Sehr nett sind die Arbeitsaufträge der abgebildeten Gespenster, die als Wetten formuliert sind, um die Kinder zu motivieren. Im Anschluss an das Kapitel der Fantasieerzählung folgt eines zum Thema „Zeitstufen“, das passend zur Erzählung Präteritum und Plusquamperfekt abhandelt.

Im Kapitel zur Bildgeschichte werden Beobachtungen aus unterschiedlicher Perspektive beschrieben und wörtliche Reden und Gedanken verfasst, und es gibt auch wieder Aufgaben zur Weiterentwicklung von Stil und Ausdruck.

Im nächsten Buch, „Deutschstunde 3“, beschäftigen sich weniger Seiten mit dem schriftlichen Erzählen. Der Fokus wird mehr auf beschreibende, berichtende und argumentierende Texte gerückt. Für den Bereich der Erzählung finden wir die Kapitel „spannende Geschichten“ und „Kriminalgeschichten“. So gibt es beispielsweise eine Übung zum Verfassen einer spannenden Geschichte nach einer Bildvorlage. Dies könnte als Fortführung der Bildgeschichte im Sinne eines Spiralcurriculums interpretiert werden. Nun bekommen die Schüler/innen nur mehr ein einzelnes Bild anstelle einer Bilderreihe, und es liegt es an den Schüler/innen, selbstständig eine Geschichte zu erfinden.

Umfassender ist der Bereich der Kriminalgeschichten. An dieser Stelle finden sich einige Leseübungen, aber auch das Verfassen einer Bildgeschichte ist wieder ein Thema. Wie schon in den ersten beiden Bänden, wird den Schülern aufgetragen, möglichst spannende und strukturierte Erzählungen zu verfassen. Ansprechend erscheint uns die Übung, nach Zeugenaussagen eine Geschichte zu erfinden.

Im vierten Teil von Prampers „Deutschstunde“ kommt die Erzählung als Thema nicht mehr als eigenes Kapitel vor. In der vierten Klasse stehen andere Textformen im Vordergrund. Doch finden wir wieder fortgeschrittene Übungen zum Ausbau von Wortschatz, zur Beschreibung von Gefühlen und Stimmungen oder zur Satzlehre. Alle diese Übungen sind darauf ausgerichtet, die Schreibfähigkeiten der Schüler/innen zu verbessern. In der vierten Klasse kommen diese auf einem höheren Schwierigkeitsgrad wieder vor, was dem Gedanken des Spiralcurriculums entspricht.

Abschließend stellen wir nach der Beschäftigung mit Prampers Schulbuch „Deutschstunde“ fest, dass die Vorgangsweise im Bereich des schriftlichen Erzählens auf dem Gedanken des Spiralcurriculums beruht. Es werden Inhalte Schritt für Schritt eingeführt, im nächsten Schuljahr immer wieder aufgegriffen und dann vertiefend behandelt. Diese Art der Schulbuchgestaltung scheint uns sinnvoll, weil die Schüler/innen so an Vorwissen anknüpfen und Schritt für Schritt ihre Fähigkeiten verbessern können.

Insgesamt hat das Buch „Deutschstunde“ bei uns einen sehr guten Eindruck hinterlassen. Die Themen wurden in einer altersgemäßen Sprache abwechslungsreich gestaltet und mit zahlreichen Bildern und Illustrationen versehen. Gerne werden wir dieses Buch in unserem Unterricht verwenden.

Text: Johannes Prem, Thomas Stornig

Wie die Unterrichtswerke die Bildungsstandards Zuhören und Sprechen abbilden, lesen Sie im Artikel von Claudia Bucher und Katrin Margreitter auf Lesen in Tirol: Klick!

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Veritas Verlag

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