Regionen als Teil verschiedener Verwaltungsbereiche am Beispiel Tirol

Stilisiertes Bild von Österreich ohne Einteilungen
Bildquelle: landkarte-österreich-grenzen-länder-1027653 / pixabay.com/de/landkarte-%C3%B6sterreich-grenzen-l%C3%A4nder-1027653 / 3dman_eu / CC0

 

Im Laufe der Geschichte hat sich die Menschheit immer wieder in mehr oder weniger großen Gruppen auf bestimmten abgegrenzten Territorien zusammengeschlossen. Die Palette reicht hier von umherziehenden Clans über Dörfer bis hin zu Städten, Regionen und Staaten und dergleichen mehr. Strukturen wurden neu erschaffen und mussten wiederum neuen Platz machen. Nichts blieb (bisher) für die Ewigkeit.

 

Gebiete und Grenzen im Wandel der Zeit

Als die Menschheit sesshaft wurde, konnte man nicht mehr wie es bis dahin oft möglich war bei Konflikten einfach weiterziehen und ein neues Gebiet besiedeln. Man hatte sich ja in der Regel bereits einiges aufgebaut. Ein Haus, landwirtschaftliche Flächen und Viehherden wollte man dann doch nicht mehr so bereitwillig zurücklassen. Um so wichtiger war es, dass das beanspruchte Gebiet klar definiert und in manchen Fällen auch abgegrenzt wurde. Und da es auch immer wieder zu Streitigkeiten kam, vor allem wenn eine Gruppe ein neues aber leider bereits besetztes Gebiet in Anspruch nehmen wollte, schlossen sich Dörfer/Gebiete mit gemeinsamen Interessen zu größeren Gemeinschaften zusammen um die eigenen Ziele und Interessen leichter durchsetzen oder im Bedarfsfall auch verteidigen zu können. Was folgte macht einen guten Teil unserer Geschichte aus: Staaten entstanden und zerfielen wieder, Völker dominierten andere Völker um dann ihrerseits wieder besiegt und unterdrückt zu werden, Grenzen wurden definiert und wieder verschoben. Es gibt kaum Grenzen, die im Lauf der Geschichte nicht irgendwann einmal anders verlaufen sind, erst später eingezogen wurden oder gar irgendwann einmal (zumindest zeitweilig) verschwunden sind. Gebiete und Gebietsgrenzen sind also nichts für die Ewigkeit sondern können sich im Laufe der Zeit durchaus wandeln.

Ein Gebiet in mehreren unterschiedlichen Verwaltungseinheiten

Dabei kann ein Gebiet durchaus gleichzeitig mehreren Verwaltungseinheiten angehören. Die Gemeinde Zirl etwa gehört zum Bezirk Innsbruck Land, dem Bundesland Tirol, dem Staat Österreich aber auch zur Diözese Innsbruck. In manchen Fällen kann es sogar sein, dass ein Gebiet unterschiedlichen Verwaltungseinheiten oder sogar Staaten angehört. Ein naheliegendes Beispiel dafür ist Tirol, wenn man Tirol als Gebiet mit den Teilen Nord-, Süd- und Osttirol (evtl. auch noch mit dem Trentino) betrachtet. Denn Nord- und Osttirol liegen seit dem Ende des Ersten Weltkriegs in Österreich, Südtirol (und das Trentino) in Italien. Wobei auch dieses Tirol nicht bereits von Anbeginn an in der oben beschriebenen Form bestand, sondern sich erst im Laufe der Geschichte so gebildet hat.

Weltliche und geistliche Herrschaftsbereiche

Wie das Beispiel Tirol zeigt, kann es schon schwierig werden, wenn man ein Gebiet den entsprechenden übergeordneten weltlichen Verwaltungseinheiten zuordnen will. Noch komplizierter wird es aber, wenn man auch noch die geistlichen Verwaltungsgrenzen betrachtet - in Tirol etwa in der Form der Diözesangrenzen. Die Diözese Innsbruck gibt es überhaupt erst seit 1968 (vorher Diözese Brixen, dann nach der Trennung Tirols nach dem 1. Weltkrieg Apostolische Administratur Innsbruck-Feldkirch, ab 1964 Diözese Innsbruck-Feldkirch bis diese dann 1968 in 2 Teile geteilt wurde). Dies gilt allerdings nur für einen Teil Tirols. Alle Gebiete, die westlich des Ziller liegen gehören nämlich zum Erzbistum Salzburg. Und um das Ganze noch komplizierter zu machen gehört die Diözese Innsbruck wiederum zur Kirchenprovinz Salzburg, die den Salzburger Erzbischöfen unterstellt ist. Zur Verdeutlichung anbei noch 2 Karten von Österreich, in denen einerseits die Bundesländer und andererseits die Diözesangrenzen dargestellt sind. Wie man dabei erkennen kann, ist Tirol nicht das einzige Bundesland, in dem diese Grenzen nicht ident sind (siehe Niederösterreich).

Die Bundesländer Österreichs:

Karte von Österreich mit den einzelnen Bundesländern

(Austria, administrative divisions - de - colored.svg / commons.wikimedia.org/wiki/File:Austria,_administrative_divisions_-_de_-_colored.svg?uselang=de / TUBS / CC BY-SA 3.0)

Die Diözesen Österreichs:

Karte von Österreich mit den einzelnen Diözesen

(Austria dioecesis 20saec.png / commons.wikimedia.org/wiki/File:Austria_dioecesis_20saec.png / Hreid / CC BY-SA 3.0)

Fazit

Grenzen und die Zugehörigkeit zu einer Verwaltungseinheit sind immer Momentaufnahmen und Ergebnisse historischer Prozesse. Was heute als fix und unumstößlich erscheint, kann morgen ganz anders aussehen. Beispiele dafür gibt es viele - Nord- und Südtirol, die Berliner Mauer, die Halbinsel Krim um nur einige wenige zu nennen. Ganz ohne Verwaltungseinheiten wird es wohl nicht gehen, aber vielleicht irgendwann einmal ohne Grenzen - wenngleich die Tendenzen im Moment andere sind. Aber das kann sich auch schnell wieder ändern. Schauen wir einmal was die Zukunft bringt.

Und was Tirol betrifft: Mit der Europaregion Tirol Südtirol Trentino wurde Tirol im Rahmen der EU in gewisser Weise über Staatsgrenzen hinweg wieder vereint. 

 

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