Nostalgie - was ist das eigentlich?

Bildquelle: Wikimedia Commons/Autor: Jerzy Strzelecki; http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/archive/2/24/20130305183817%21Nome%2C_Alaska_%28js%29_7.jpg

Für den Begriff "Retro" gibt es viele Synonyme. Einer davon, der das mit Retro verbundene Gefühl gut beschreibt, ist "Nostalgie". Ursprünglich für krankmachendes Heimweh benützt, beschreibt Nostalgie heute durchaus auch eine Sehnsucht nach vergangenen Zeiten und Lebensabschnitten. Dass diese Sehnsucht so stark werden kann, dass sie krank macht, war die Erfahrung, die hinter der Bezeichnung "Nostalgie" steht - Nostalgie besteht aus den griechischen Worten "nostos" (= Rückkehr, Heimkehr) bzw. algos (= Schmerz).

Wir bekommen nostalgische Gefühle, wenn wir uns an Zeiten erinnern, in denen es uns gut gegangen ist und die wir mit wichtigen persönlichen Erfahrungen verknüpfen. Es scheint typisch für Nostalgie zu sein, dass diese Vergangenheiten verklärt werden. Dies entspricht der Neigung, die Vergangenheit zu verklären, um bessere Lebensbilanzen ziehen zu können. Diese Nostalgie korrespondiert mit dem psychologischen Gesetz, dass wir unsere eigene Biografie/Vergangenheit ständig neu konstruieren und möglichst friktionsfrei machen wollen. Negatives wird daher häufig entweder ausgeblendet oder relativiert, positiv besetzte Erlebnisse und Orte werden in der Erinnerung größer und bedeutsamer gemacht. 

Dieser Trend setzt sich in der Verklärung vergangener Epochen fort. Die "gute Alte Zeit", das "goldene Zeitalter", die Vorstellung von einem (verlorenen) Paradies gehen auf ganz ähnliche Vorstellungen und Ideen zurück. Immer ist eine verklärte, idealisierte, stilisierte Vergangenheit der Mittelpunkt eines Sehnsuchtsgefühls. Dabei treibt die Veklärung der Vergangenheit manchmal seltsame Blüten.

In Russland gab und gibt es immer wieder Wellen der Stalin-Nostalgie, was angesichts der Bilzanz der Stalinschen Diktatur erschreckt. Ähnlich verhält es sich mit der sogenannten "Ostalgie" - der Sehnsucht nach DDR-Zeiten im heutigen Deutschland, die teilweise ehrliche Trauer über den Untergang der DDR beinhaltet, andererseits aber auch ein ironisches Spiel mit der sehr eigenen Kultur des untergegangenen östlichen Deutschland ist.  

Auch die Retro-Verklärung der 50ies, 60ies, 70er oder 80er Jahre geht auf dieses Phänomen zurück. Ein Zurückholen der Jugend oder ähnliche Motive können dahinter stehen. - müssen aber nicht. Eine fröhliche Rezeption der grandiosen Musik der frühen 70er z.B. muss nichts mit Verklärung und schmerzhafter Sehnsucht zu tun haben (obwohl angesichts der industrialisierten Pop-Musik unserer Tage das fast unvermeidlich scheint).

 

Ein TV-Tipp: Wer am Freitag, den 15. Mai, um 13:30 Uhr Zeit hat, sollte sich das philosophische Gespräch über Nostalgie auf ARTE ansehen. 

 

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