Klima - die Neigung

Jahrestemperaturmittel - Abweichung im Raum Tirol - Alto-Adige - Veneto
Bildquelle: www.alpenklima.eu; http://www.alpenklima.eu/index.php?option=com_content&view=article&id=231&catid=9&Itemid=244&lang=de; Urheber : pppclim@zamg.ac.at; 3.12.2015

Am 16. 2. 2005 wurde eine mühsam verhandelte Vereinbarung der wichtigsten Industrieländer beschlossen, das als das KYOTO-Protokoll bekannt wurde. Diese Vereinbarung legt völkerrechtlich verbindliche Werte für den Ausstoß an Treibhausgasen fest - und hier vor allem für CO2 und Methan. Kanada ist aus dieser Vereinbarung ausgetreten und die USA haben sie gar nicht einmal unterzeichnet. Ebensowenig gilt sie für Entwicklungs- und Schwellenländer. Ziel dieses Protokoll ist es den jährlichen Treibhausgasausstoß gegenüber dem Stand von 1990 um 5,2 % zu verringern.

Es gibt genügend Menschen und auch "bezahlte" Wissenschaftler, die der Ansicht sind, dass es dieser Vereinbarungen gar nicht bedürfte, da die Zivilisation ohnehin keinen Einfluss auf globale Klimaentwicklungen hätte und Wirtschaft und Mensch einfach so weitermachen sollten wie bisher. Doch deren Stimmen werden wegen deutlich signifikant messbarer Entwicklungen im Wettergeschehen und der daraus möglich gewordenen Klimamodellierungen immer leiser.

Derzeit treffen sich nun in Paris die Staatsverantwortlichen vieler Länder zur 21. UN-Klimakonferenz (COP 21) und dabei gleichzeitig zum 11. (ELFTEN) Treffen im Rahmen des Kyoto-Protokolls seit 2005. Sie möchten eine Nachfolge-Vereinbarung erreichen - und das erscheint in Zeiten wie diesen nicht leichter wie vor 10 Jahren. 

"Mit all den Jahren, die seitdem ins Land gegangen sind, hat sich immer deutlicher gezeigt, dass die UN-Verhandlungen nicht "geliefert" haben. Mittlerweile ignorieren nicht nur die USA das Kyoto-Protokoll und machen mit ihren Emissionen im Prinzip weiter wie bisher, sondern auch Kanada, Australien und Japan. Die Europäische Union hat ihre Emissionsziele aus dem Kyoto-Protokoll nur deshalb erreicht, weil die Wirtschaft in Osteuropa zusammengebrochen ist und die EU mithilfe ausgeklügelter Emissionshandelssysteme geschickt mit Zahlen jongliert." (Quelle: klimadiplomatie.de, Alex Scrivener, 3.12.2015)

Wen interessiert die COP 21 wirklich? Meine SchülerInnen jedenfalls nicht, denn sie sind aufgewachsen in dem Glauben, dass ihr Leben ewig so weitergehen wird. Ihre Eltern ebensowenig und deren Arbeitgeber auch nicht. Die Eliten ohnehin nicht, denn es könnten die Dividenden aus all ihren Geschäften einbrechen. Die "Wachstumslokomotive" muss weiterdampfen, solange, bis der Treibstoff ausgeht und sie stehenbleiben wird. Die Frage ist nur wo? In welcher Gegend? In der Wüste? In der Hitze der Wüste? Wo bleiben all die SUVs stecken, welche heuer um vieles häufiger erworben wurden als in den letzten Jahren? Und wen kümmern schon die paar Kibatianer, deren Inseln früher oder später versinken werden? Wen kümmern die Schwarzafrikaner, die ihr Dasein außerhalb der Subtropen suchen werden? Werden dann Klimaflüchtlinge auch plötzlich als "faule arbeitsscheue" Wirtschaftsflüchtlinge" bezeichnet? Wie werden sich "Noch-Reiche" vor "Bereits-Armen" "schützen"? Mit elektrischen Zäunen? Mit Privatarmeen? Mit Stellvertreterkriegen? Wie bringen die "Noch-Reichen" jene Millionenheere von aufstrebenden Mittelschichten der Schwellenländer Chinas, Indiens, Brasiliens und Indonesiens dazu, auf den erst kürzlich erworbenen kleinen Wohlstand wieder zu verzichten, damit sie (wir?), die "Noch-Reichen" weiterhin globale Ressourcen verschwenden und ihren (unseren?) Lebensstil fortführen können?

Kaum vorstellbar - doch der Film "Snowpiercer" oder die Trilogie "Hunger Games" von Suzanne Collins führen es uns bildhaft und actionreich vor Augen wie es weitergehen könnte. Kurzum, mein persönlicher Optimismus hält sich in Grenzen - und dieses "innere Seelen-Land" wird zusehendst kleiner angesichts dessen wie ich mich selbst und meine Umgebung verhalten. Wahrscheinlich gilt tatsächlich das einfache Gesetz, dass man selbst bluten muss um den Schmerz des Gegenübers überhaupt wahrzunehmen.

Abweichung der Jahresmitteltemperatur vom jeweiligen Klimamittel 1981 bis 2010Dass sich unser Verhalten gegenüber den Menschen und Dingen auf diesem Raumschiff Erde verändern muss, steht für mich außer Frage. Dass ich - wenn ich nicht selbst oft so nachlässig und auch gewissenlos handelte - immer wieder dazu beitragen könnte in  meinem kleinen Umfeld nachhaltiger zu leben und "wirkmächtig" zu sein, ist mir klar, aber seltenst bewusst. Nicht bewusst vo allem dann, wenn ich verkorkster vergreisender Hedonist von einem Augenblick zum anderen zu verzichten hätte, freiwillig verzichten könnte.

Mein Konsumverhalten hat sich in den vergangenen 50 Lebensjahren extremst verändert. War ich noch vor 40 Jahren Mitglied in 3 öffentlichen Bibliotheken so bringt mir der Lieferant heute jede 2. Woche eine Amazon-Päckchen mit Büchern oder DVDs. Konnte ich noch vor 40 Jahren mich zwischen Extrawurst und Metwurst entscheiden, so wähle ich heute unter 10 verschiedenen Schinkenarten aus. Genügten mir noch vor Jahren 3 Fernsehprogramme zur abendlichen "Entfrustung", so enttäuschen mich heute 200 Channels, welche sich nur mit Mord bzw. Totschlag oder Frustkochern und -essern beschäftigen. Der Wein darf nicht fehlen. Das regionale Klima hat ja enormen Einfluss auf die Rebe, die vielen Europäer_innen das Glück beschert. Plötzlich wird Klima wieder interessant. Ähnliches fühlt vielleicht auch der Touristiker auf der Mutterer Alm, dann wenn die Sonnentage um 31 Tage in der Region Kufstein  in den letzten 30 Jahren zugenommen haben und die Eistage "leider für den Wintertouristiker" ab. (vgl. www.alpenklima.eu; 3.12.2015)

Etwas einschließlich meines Etwasselbst ist hier aus den Fugen geraten.

Daran trage nicht nur ich selbst Schuld sondern der ZEITGEIST. Könnte das die beste Ausrede bis zu meinem Lebensende sein? 

PS: Für alle, die es noch immer nicht verstanden haben! Die Ergebnisse des Forschungsprojektes des ZAMG zusammen mit anderen wissenschaftlichen Institutionen und Partnern zeigen eine deutliche NEIGUNG (altgriech.: Klima) bezüglich Temperatur nach oben auf, nur eben in einer sehr kurzen Beobachtungsperiode, aber deshalb umso schwerwiegender. Freunde, es wird wärmer. Wie oft höre ich - besonders unter den Älteren oder Winterhassern - "I schteh auf den Klimawandel." "Schau ma' sich des amol an", wie lange sie darauf "schteh'n". Ob mir künftige Klimaflüchtlinge die Trauben im Herbst hängen lassen, welche im Inntal wachsen werden?

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