Inselbegabung - Savant-Syndrom

Savant-Syndrom
Bildquelle: Anita Eller

Autistische Menschen leben in einer abgekapselten Welt, in die Außenstehende nur schwer eindringen können, da Autisten (gr. αὐτός = selbst) kaum eine Beziehung zu ihrer Umwelt finden.

Es gibt autistische Menschen, die trotz kognitiver Behinderung in einem bestimmten Bereich erstaunliche Leistungen vollbringen und über eine sogenannte Inselbegabung verfügen, die als Savant-Syndrom bezeichnet wird. Solche Begabungen kommen weit häufiger bei Männern vor, 6 von 7 Inselbegabten sind männlich. Savants (Wissende / frz. savoir = wissen) haben oftmals einen Intelligenzquotienten unter 70. Der IQ kann aber auch durchschnittlich oder sogar überdurchschnittlich sein. Nicht bei allen Fällen von Inselbegabung liegt eine kognitive autistische Störung vor.

Beispiel für eine überdurchschnittliche sprachliche Begabung:

Emil Krebs (1867 bis 1930), ein deutscher Sinologe, hat 68 Sprachen in Wort und Schrift beherrscht und sich mit 111 Sprachen befasst.

Beispiel für eine überdurchschnittliche musikalische Begabung:

Matt Savage (geb. 1992) – Savant und Autist – ist mit Hyperlexie und absolutem Gehör begabt. Mit 18 Monaten lernte er lesen, mit 6 Jahren über Nacht das Klavierspielen. Danach beschäftigte er sich ein Jahr lang mit klassischer Musik und mit 7 Jahren komponierte er bereits Jazz. Savage gilt als musikalisches Wunderkind.

Beispiel für eine überdurchschnittliche Begabung in der bildnerischen Kunst:

Stephen Wiltshire (geb. 1974) – Savant und Autist – kann, nachdem er mit einem Hubschrauber nur einen einzigen Rundflug über eine Großstadt gemacht hat, ein detailliertes Stadtbild aus dem Gedächtnis zeichnen.

Beispiel für eine überdurchschnittliche mathematische Begabung:

Daniel Tammet (geb. 1979) – Savant und Autist – wurde Savant nach einem schwerer epileptischen Anfall, den er im Alter von 3 Jahren erlitt. Er kann mathematische Aufgaben ausgesprochen schnell lösen und zum Beispiel 22.514 Nachkommastellen der Kreiszahl Pi aus dem Gedächtnis angeben. Auch hat er innerhalb einer Woche die isländische Sprache erlernt.

Beispiel für einen Mega-Savant:

Kim Peek (1951 bis 2009) kam schwer behindert zur Welt, seine beiden Gehirnhälfen waren nur minimal miteinander verbunden. Bei der Geburt war sein Schädel um ein Drittel größer als bei normalen Kindern. Der Savant verfügte über eine außergewöhnliche Merkfähigkeit. Er konnte den Inhalt von 12.000 Büchern auswendig wiedergeben. Es genügte ihm, eine Buchseite einige Sekunden lang zu betrachten, um sich den Text auswendig zu merken. Dabei las er mit jedem Auge eine Seite.

Nach den Erkenntnissen der modernen Neurobiologie verursacht eine fehlende Verbindung zwischen den beiden Gehirnhälften einen ungebremsten Fluss sämtlicher Informationen in das Bewusstsein. Kim Peek gilt als Vorlage für den Spielfilm Rain Man. Für die Rolle der autistischen Hauptfigur erhielt Dustin Hoffman einen Oscar.
 

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