Fundamentalismus

Fundament des Stuttgarter Fernsehturms
Bildquelle: Wikimedia Commons; https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Fundamentfuss-Stuttgarter-Fernsehturm.png?uselang=de; Urheber: Niabot; 22.12.2015

Das Wort Fundament kenne ich zuerst einmal aus der Baubranche. Es sorgt dafür, dass mir mein Wohnhaus im Föhnsturm nicht weggeblasen oder bei einem Hochwasser weggeschwemmt wird. Es festigt mein Zuhause und so mancher Phillipino oder Mid-Westler in Oklahoma oder Idaho wünschte sich jene Fundamente, wie sie bei uns in die Erde verankert werden. Fundamente bieten eine gewisse Sicherheit vor Brüchigkeit, vor schneller Zerstörung und so gewinnen Fundamente gesellschaftspolitische, erzieherische, wesensbildende Bedeutung. Doch in den vergangenen Jahren erhielt dieses Wort die Nachsilben "alismus", die  ihm einen bitteren Nachgeschmack verliehen haben. Sehr häufig gesellt sich das Adjektiv "religiös" hinzu und dann ist das Urteil perfekt.

So ziemlich alles, was an Fanatismus und Intoleranz, Dummheit und Unwissen, Desinteresse und Hirnfaulheit, persönlicher Unsicherheit und Indoktrination auf diesem Raumschiff Erde stattfindet erhält auch das Etikett Fundamentalismus. Und "Religion" scheint dabei viel zu häufig als Begleitfaktor auf, wenn nicht sogar als Ursache, selbst wenn wirtschafts- und herrschaftspolitische Ursachen für Zustände da und dort weitaus stärker für die krassen Auswirkungen "fundamentalistischen" Strebens verantwortlich sind. Doch Religion und Macht hatten schon immer ein Stelldichein, wenn auch nur zeitweilig, falls die Macht der einen den anderen zu viel geworden war.

"Der inflationäre Gebrauch der Etikette „religiöser Fundamentalismus“ für nahezu alle weltweiten Bewegungen und Organisationen, die aus scheinbar religiösen Motiven zur Durchsetzung ihrer gesellschaftspolitischen Ziele auch vor den extremsten Formen von Gewalt nicht zurückschrecken, bringt eine inhaltliche Unschärfe mit sich, die den Unterschied zu bloßem Fanatismus oder dem rückwärtsgewandten Traditionalismus ewig Gestriger zusehends verschwinden lässt. ..." (vgl. schulheft.at: Grete Anzengruber, Elke Renner - Religiöser Fundamentalismus Informationen – Analysen; 14.12.2015)

Eine weitere Definition des Begriffs des Fundamentalismus erfolgte durch Martin E. Marty und Scott R. Appleby:

"Der Fundamentalismus ist … eine religiöse Weise des Daseins, die sich als Strategie manifestiert, vermöge derer Gläubige, die sich als im Belagerungszustand befindlich ansehen, versuchen, ihre unverwechselbare Identität als Volk oder Gruppe zu bewahren. In dem Gefühl der Bedrohtheit dieser Identität suchen Fundamentalisten ihre Identität durch eine selektive Wiederbelebung von Doktrinen, Glaubensvorstellungen und Praktiken aus einer intakten, heiligen Vergangenheit zu befestigen." (Marty/Appleby 1996, 45)

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