Flüchtlingsströme nach dem 2. Weltkrieg

Die Alliiertenoffensive 1943 bis 1945
Bildquelle: Wikimedia Commons; http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/f/f5/Second_world_war_europe_1943-1945_map_en.png; Jarry1250;24.3.2015; Dieter Draxl

"Zwischen 1939 und 1950 fand eine Völkerwanderung statt, die etwa 25 bis 30 Millionen Menschen erfasste und nicht nur aus Flüchtlingen und Vertriebenen bestand. Zehntausende Kinder kehrten aus der Kinderlandverschickung zurück, Hunderttausende ehemals Evakuierter kamen nach Hause. Millionen ehemaliger Soldaten, befreiter KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter waren unterwegs, um in ihre Heimatländer zurückzukehren.

Die größte von Migration betroffene Gruppe waren etwa 14 Millionen Deutsche, die zwischen 1944 und 1950 der Flucht und Vertreibung zum Opfer fielen. Mehr als 17 Millionen Deutsche lebten vor Kriegsende auf dem heutigen Gebiet von Polen, den baltischen Staaten, Ungarn, Tschechien, der Slowakei, Jugoslawien und Rumänien. Gut zwei Millionen Deutsche verließen ihre von der Roten Armee eroberte Heimat nicht und waren in der Folge erheblichen Repressalien ausgesetzt. Mehrere Hunderttausende von ihnen mussten nun ihrerseits Zwangsarbeit leisten, viele wurden in KZ-ähnlichen Lagern inhaftiert." (Quelle: Planet Wissen; 24.3.1015)

"Die überlebenden Opfer der nationalsozialistischen Arbeits-, Konzentrations- und Vernichtungslager stellten nach Kriegsende das Gros der zehn bis zwölf Millionen "Displaced Persons" (DPs). Sie entstammten rund 20 Nationalitäten mit über 35 verschiedenen Sprachen. Sie unterstanden der direkten Obhut der vier alliierten Besatzungsmächte und den von ihnen zugelassenen internationalen Hilfsorganisationen. Ursprünglich war das Ziel der Militärregierungen und Hilfsorganisationen, die DPs so rasch wie möglich zu sammeln und in ihre jeweiligen Heimatländer zurückzubringen.

Das gelang allein in den ersten vier Monaten nach der deutschen Kapitulation im Mai 1945 bei über fünf Millionen DPs. Die Mehrzahl der DPs schloss sich freiwillig den zahllosen, für sie zusammengestellten alliierten Transporten an. Entsprechend einer Vereinbarung zwischen den Westalliierten und der UdSSR wurden dabei DPs sowjetischer Staatsbürgerschaft auch zwangsweise repatriiert. Das geschah, obgleich die westalliierten Behörden wussten, dass DPs in der UdSSR als angebliche "Kollaborateure" mit Lagerhaft, Repressionen bzw. "Umerziehungsmaßnahmen", Offiziere vielfach auch mit der Todesstrafe zu rechnen hatten. Deshalb wählten nicht wenige von ihnen anstelle der Deportation den Freitod. " (Quelle: www.bpb.de; 24.3.2015)

"...Das Chaos und das Elend, das nach Ende des Zweiten Weltkriegs in vielen europäischen Ländern geherrscht und das in einer Reihe dieser Länder noch bis Ende der 1940er-Jahre angehalten hat, stellt der englische Historiker Keith Lowe in seinem 2012 in London erschienenen Buch dar, das unter dem Titel „Der wilde Kontinent – Europa in den Jahren der Anarchie 1943–1950“ nun in deutscher Sprache vorliegt. Der Autor, Jahrgang 1970, der sich auch durch zwei Romane einen literarischen Ruf erworben hat, veröffentlichte 2007 eine erste Studie über den Zweiten Weltkrieg („Inferno“), in der er die Bombardierung Hamburgs durch die britische und amerikanische Luftwaffe im Jahr 1943, durch die über 30.000 Menschen getötet wurden, behandelt.

Der Autor schildert in einem beklemmenden und ohne Ressentiment ausgeführten Pandämonium Hunger, Gewalt und Anarchie in Europa bei Kriegsende und in den Jahren danach. Millionen von Flüchtlingen irrten damals durch die zerstörten Städte und Landschaften, Hunderttausende litten und starben an Hunger und Krankheiten, vegetierten in Auffang- und Kriegsgefangenenlagern. So befanden sich bei Kriegsende an die drei Millionen von sogenannten Displaced Persons in Österreich – Juden und Roma, die die Vernichtungslager der Nazis überlebt hatten, Zwangsarbeiter und ehemalige Kriegsgefangene, vertriebene Deutsche aus den Ostgebieten, ausländische Soldaten. Es kam zu den größten Bevölkerungsbewegungen der Neuzeit. ..." (Quelle: Die Presse; 24.3.2015)

"...6,4 Millionen DPs ermittelten die Westalliierten im August 1945 allein für ihren Besatzungsbereich. Zusammen mit den bereits in Frankreich und Belgien Befreiten, den DPs in Österreich und jenen im Operationsgebiet der Roten Armee gelangte Jacobmeyer nach "maßvoller Kalkulation zu einer Größenordnung von 10,8 Millionen DPs insgesamt".

Diese gewaltige Menge "heimatloser Ausländer", wie die DPs nach 1951 amtlich verharmlosend hießen, als bundesdeutsche Behörden das Problem von den Militärregierungen endgültig übernahmen, verweist eindeutig auf die kriegsverlängernde Funktion, die Kriegsgefangene und Fremdarbeiter für den NS-Staat hatten.

1944 waren 41 Prozent der in der deutschen Landwirtschaft Beschäftigten ausländische Zwangsarbeiter, 37 Prozent der Steinkohle-Kumpel, 28 Prozent der Maschinenbauer. Jedes vierte Kriegsgerät war statistisch von einem ausländischen Arbeitssklaven produziert worden.

Oftmals krank, physisch und psychisch heruntergekommen, sozial entwurzelt und abgerissen, erlebten diese unfreiwilligen Helfer den Kollaps der nazistischen Kriegsmaschinerie. Ein Viertel der beispielsweise im Mai 1945 in Krankenhäusern eingelieferten oldenburgischen DPs war lungenkrank. In Kassel wie anderswo bekämpften US-Sanitäter die Seuchengefahr in den DP-Lagern mit Tonnen von DDT-Pulver. Unter den ehemaligen KZ-Häftlingen betrug die Todesrate in den ersten Wochen nach der Befreiung bis zu einem Fünftel...." (Quelle: Der Spiegel, 8.8.1983)

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