Ethikunterricht - kommt er oder kommt er nicht?

Erschaffung Adams (Wikimedia Commons)
Bildquelle: Wikimedia Commons / http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Creation_of_Adam.jpg; Michelangelo Buonarroti; public domain

Für mich als Redakteur, der katholisch getauft, erzogen und damit mit christlich-sozialen Werten geprägt wurde, ist die Frage der Einführung eines verpflichtenden Ethikunterrichtes kein Leichtes (die Lossagung von der verwaltungstechnischen Seite dieses angeblich von Gott selbst bevorzugten Machtapparates kam dann etwas später).

Kann "Erzwungene Ethik" ethisch sein? Ein Paradoxon an sich. Andererseits zwingen uns viele Gesetze in Verhaltensmuster, auch wenn wir persönlich nicht damit einverstanden sind, nur um einen reibungslosen Ablauf einer komplexen Zivilgesellschaft zu bewerkstelligen. Wenn es also vom Großteil der Verantwortlichen gewünscht wird, dann sollen sie nur ihren Zwang anwenden. Ob damit aber erreicht wird, dass Wertleere zur Wertfülle wird wage ich zu hinterfragen. Aber ehrlich sollte man in der Dikussion schon bleiben, denn ZWANG bleibt nun mal ZWANG. Als Geschichtelehrer hingegen wäre ich gar nicht unfroh darüber, dem zukünftigen Ethiker die Aufgabe der Erklärung des österreichischen poltischen Systems zu überlassen - mir geht ohnehin die Zeit ab. Wenn dann aber wieder Konfessionen über die Hintertüre ihre Wertevorstellungen einseitig zu vermitteln versuchen, dann glaube ich nicht an der Erfolg einer guten Sache.

Und da ist dann noch die Frage der Kosten? Wird es dann wieder so ablaufen wie bisher in den vergangenen Jahren - er muss kostenneutral eingeführt werden und schulautonom geregelt, aber 2 Stunden sind garantiert. Müssen dann Direktoren in den Konferenzen wieder einmal verkünden, dass es weniger Physik und Turnen und Musik und Biologie und Werken geben wird, weil das neue Fach ETHIK auch seinen Platz haben muss (kostenneutral natürlich)? Oder wird ETHIK zum so heiß geliebten Unterrichtsprinzip erhoben und damit in den Lehrstoffbüchern eine neue Spalte angelegt (wie damals bei Kern- und Erweiterungsbereich), in die wir brav "hineindichten".

Der Fliegerhorst für die EUROFIGHTER kostet plötzlich 3 mal so viel (von 44 Millionen auf 120 Millionen. Ein neues Regierungsmitglied hat null Kohle für den Ausbau der Ganztagsbetreungseinrichtungen für Kinder. Der Basistunnel wird Milliardenbeträge verschlucken, die noch gar nicht absehbar sind. Einem Verein, der sich bemüht, gestrandeten Jugendlichen den Widereinstieg in ein geordnetes Leben zu erleichtern, werden alle Subventionen  gestrichen, und und und. Was ich damit sagen möchte? Die "Verantwortlichkeit" (als Person gemeint) möge ihre eigene ethische Evaluation betreiben, bevor sie zur zwangsverpflichteten Ethik schreitet. Hier wäre genügen Raum für ethisch vertretbare Handlungen und Aktionen. Hier kann sie ihren eigenen Lernfortschritt in ethischem Verhalten überprüfen.

"Heinz Oberhummer kam ohne Gott, aber auch nicht alleine. Vier Atheisten begleiteten den streitbaren Professor, als er das Wiener Parlament betrat, um über den Ethikunterricht zu diskutieren. "Ich bin heute der einzige Ketzer im Parlament. Früher hat man die angezündet", scherzte Oberhummer. "Ich habe ein paar meiner Studenten gebeten, Feuerlöscher mitzunehmen." ... (Quelle: Der Standard)

"Vertreter der rund zwei Millionen Österreicher ohne religiöses Bekenntnis haben sich indest gegen die Einführung von „Religionsunterricht durch die Hintertür“ gewehrt. Immerhin werde das Fach meist von Religionslehrern unterrichtet und viele Lehrbücher und -pläne zumindest von diesen mitgestaltet, begründen die Konfessionsfreien und die Initiative gegen Kirchenprivilegien ihre Befürchtungen.

Mit einem Pflichtfach Ethik für Oberstufenschüler, die keinen konfessionellen Religionsunterricht besuchten, würden „die ohnehin schon enormen Sonderrechte der Kirchen“ erweitert, sagte Philippe Lorre, Mitorganisator des Volksbegehrens gegen Kirchenprivilegien. Wenn Ethikunterricht eingeführt werde, dann dürfe das nicht als „Strafaktion für konfessionsfreie Kinder und deren Eltern“ passieren, sondern als Pflichtfach unabhängig vom Besuch eines Religionsunterrichts. Ein solches Fach dürfe außerdem nur von Lehrern mit fundierter Ausbildung unterrichtet werden, die keiner Religionsgemeinschaft unterstellt seien. ..." (Quelle: www.salzburg.com)
 

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