Dialektik als Prinzip des Umbruchs - Hegel und seine Erben

Bildquelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Prise_de_la_Bastille.jpg (Stand: 20.5.2014), Fotograf: Unbekannt, Lizenz: public domain

"Alle bisherige Philosophie hat die Welt nur verschieden interpretiert, es kömmt aber darauf an, sie zu verändern!" Diese berühmte letzte "These über Feuerbach" von Karl Marx wirft ein Licht auf die Rolle, die Philosophen immer wieder eingenommen haben, wenn es um Revolutionen, Wandel und Umbrüche ging. Sie zeigten sich oftmals als Vordenker, oft auch nur als Interpreten der Weltgeschichte.

Karl Marx ist in diesem Zusammenhang eine der herausragendsten Figuren. Nicht nur war er selber in höchstem Maß an revolutionären Umtrieben beteiligt, er gestaltete auch eine Philosophie, die selber revolutionär wirken sollte, deren Methode aber gleichzeitig die gesellschaftlichen Mechanismen von Veränderungen beschreiben sollte - die Dialektik.

Dialektik ist ursprünglich die Kunst der kunstvoll geführten Rede und Diskussion, seit der neuzeitlichen Philosophie aber mehr die Lehre von logischen Gegensätzen (z. B. bei Kant).

Im 19. Jahrhundert nimmt Dialektik dann jene Bedeutung an, der wir bei Marx begegnen. Hegel beschrieb die Weltgeschichte als Geistesgeschichte, in der Veränderung immer durch rasche Umbrüche von Ideen passiere. Einem Zustand (Thesis) setze sich zwangsläufig ein Widerspruch entgegen (Antithesis). In einem raschen Umbruch passiere die Lösung dieses Gegensatzes, die sogenannte Synthesis. In dieser sei der vorherige Gegensatz von Thesis und Antithesis in dreifacher Weise "aufgehoben" - erstens im Sinn von "gelöstem Widerspruch", zweitens im Sinn von "deponiert" - der Gegensatzf sei in der Synthese noch enthalten, und drittens "aufgehoben" im Sinn von "auf eine höhere Stufe gehoben".

Hegel beschrieb, wie schon gesagt, Geschichte als Abfolge von geistesgeschichtlichen Entwicklungen, die immer sehr schnell passierten - hier durch revolutionäre neue Ideen, Erfindungen usw.

Marx übernahm Hegels Ansatz, um Geschichte zu beschreiben, er stellte freilich (wie er selber pointiert sagte) Hegel vom "Kopf auf die Füße". Marx beschreibt Geschichte als materielle Abfolge von Ereignissen (er nennt dies "Dialektischen Materialismus), These, Antithese und Synthese sind bei ihm z.B. gesellschaftliche Verhältnisse - Sklavenhalter (These) gegen Sklaven (Antithese), die durch eine Revolution zu einer Synthese gebracht werden.

So beschreiben Hegel, Marx und ihre Nachfolger Geistes- und Sozialgeschichte als Abfolge von Revolutionen, durch die Gegensätze aufgehoben werden.

Heute  gilt Dialektik als Beschreibung von Umbrüchen und Revolutionen als überholt, manche Ideen der modernen Systemtheorie (z.B. die Emergenz - das plötzliche Entstehen neuer Systemeigenschaften, die vorher noch nicht in einem System existierten) weisen aber zumindest Ähnlichkeiten mit der alten Dialektik auf.

 

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