Der Potlatch - ein Ritual des Gebens und Nehmens

Bildquelle: bilder.tibs.at/edugroup

Die Kwakiutl-Indianer an der nordwestlichen Pazifikküste Nordamerikanes kennen ein seltsames Ritual: Es ist üblich, dass bei diesem Ritual Geschenke verteilt, bzw. ausgetauscht werden. Je wertvoller dieser Geschenke sind, desto höher steigt der Ruf des Gebenden.

Hintergrund eine Potlatch ist nicht die traditionelle Gastfreundschaft, zu der ein Häuptling ohnehin verpflichtet ist, sondern die rituelle Weitergabe von Titeln, Häuptlingsnamen und Abstammungslinien in einem streng geregelten Ritual. Dabei wurden diese Titel bezeugt und durch die reiche Gabe von Geschenken untermauert. Oft gaben manche Familien bei einem Potlatch ihr gesamtes ererbtes Vermögen fort, um ihre Ahnenlinie besonders zu ehren. Denn je größer die Geschenke waren, desto mehr Ehre erwarb sich eine Familie. Anlass für einen Potlatch war meistens eine Geburt oder der Tod eines hochrangigen Verwandten.

Der Potlatch bewirkte rituell, dass die Weltordnung bestätigt wurde, sozial, dass der Rang eines Namens bestätigt wurde und dass sich keine Familie langfristig überragende Reichtümer anhäufen konnte, was zu häufigeren Machtwechseln führte. 

Da sich nach Einführung des Christentums die rituelle Bedeutung verlor und der Potlatch nur mehr ein materieller Wettstreit zwischen Häuptlingen und Familien wurde, der viele Sippen in den völligen Ruin trieb, wurde der Potlatch Ende des 19. Jahrhunderts verboten. Erst seit ca. 50 Jahren wird versucht, den Potlatch unter den Nordwestküsten-Indianern wieder in ursprünglicher Form zu beleben.

 

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