Brauchen wir Tablets im Unterricht?

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Wer sich nun auf die provokante Entscheidungsfrage in dieser Artikelüberschrift ein entschiedenes "Ja" oder "Nein" erwartet, wird enttäuscht werden. Wer sich allerdings einen fundierten Diskurs zum Thema erhofft, darf gerne weiterlesen!

Die Positionen in dieser Grundsatzfrage scheinen verhärtet: hier, die einen- technikaffine Lehrpersonen, die ihr (Unterrichts-)Heil schon jetzt mit digitaler Technik erreichen. Dort, die anderen- die manchmal schon jahrelang erfolgreich lehren ohne PC, Tablet und Co. und sich unter Umständen auf Manfred Spitzers "Digitale Demenz" berufen.

Fakt ist, dass sich die Gesellschaft verändert und immer schon verändert hat. Der stetige Wandel ist eine große Herausforderung für die Schule, da  die Schule als staatliche Institution immer etwas hinterherhinkt. Ob es anno dazumal der Kopierer oder der OH-Projektor war- Schule braucht schon lange mehr als das bloße Agieren zwischen Lehrenden und Lernenden. Laut JIM-Studie 2016 haben bereits 65% der Jugendlichen ein Tablet zuhause. Wer Tablets im Unterricht benutzt, holt seine SchülerInnen also de facto dort ab, wo sie stehen. Wer sie nicht benutzt, zeigt ihnen eine Welt, die sie nicht (mehr) kennen- z.B. das Wörterbuch oder den Atlas. Beide Positionen haben also ihre Berechtigung.

Scheinbar scheint man sich der digitalen Dominanz im Alltag nicht entziehen zu können, "alte" Kulturtechniken (Hand- und Schönschrift) drohen dem Vergessen geweiht zu sein. Und die Frage nach einem dem Digicheck ähnlichen Kompetenzraster in Bezug auf grob- bzw. feinmotorischen Fähigkeiten (Fitnesstests und Scherenführerschein oder  Maschendiplom) sollte durchaus gestellt werden.

Außer Diskussion steht für jeden Unterrichtenden die Frage nach dem didaktischen Konzept und der Umsetzung beim Arbeiten mit Tablets. Entsprechende, qualitativ hochwertige Fortbildungen können den Weg zur digitalen Unterrichtskompetenz erleichtern. Wer das Tablet "inflationär" nutzen will, wird keinen Erfolg haben. Gute Apps zu finden und im Unterricht zu manifestieren, ist ein Auftrag in der zukünftigen und gegenwärtigen LehrerInnenaus- und weiterbildung. Das Tiroler Bildungsservice -unser Tibs- kann/ hat schon/ wird hier auch einen wertvollen Beitrag leisten, wie die unten angeführten Beiträge sowie viele weitere beweisen. Tabletbasierter Unterricht braucht eine genauso konsequente, durchdachte Planung wie jede andere Unterrichtseinheit auch. Das Tablet lebt von seinen Apps -  und die sollten LehrerInnen kennen. Erfolgreiche Anwendungsbeispiele sind z. B. die learningapps oder auch die Beispiele der eEducation Expertschule in Jennersdorf.

Dass auch nur der authentisch und erfolgreich lehrt, der hinter seiner Methodik steht, ist ebenfalls kein Geheimnis. Niemand muss sich nun verpflichtet fühlen, zwingend mit Tablets arbeiten zu müssen. Guter Unterricht, wertschätzende Arbeit mit SchülerInnen, erfolgreiches Lehren kann auch ohne Tablet gelingen!

Die Grundlage für jedes Arbeiten im Netz sind die technischen Voraussetzungen- bis 2020 wird nach Aussage von Ministerin Hammerschmid 1 Milliarde Euro dafür investiert. Der Weg ist also beschritten, doch für all jene Schulen, die noch kein WLAN haben, heißt es noch warten und geduldig sein. Die IT-Infrastruktur wird sich entwickeln, immerhin haben schon zahlreiche Weltstädte wie London, Barcelona, Mailand oder Helsinki flächendeckend kostenloses WLAN.

Und natürlich gilt es die Finanzierungsfrage zu klären: man könnte auch auf das Bring your own device-Prinzip statt auf vom Schulerhalter gekaufte Geräte zurückgreifen- private Smartphones, Laptops oder eben Tablets müssten dann von den SchülerInnen wie auch Hefte, Taschenrechner und Stifte selbst gekauft und mitgebracht werden. Dass Eltern (überhaupt wenn sie mehrere schulpflichtige Kinder haben) finanziell ohnehin schon belastet sind, steht außer Frage. Die fairste Lösung: Tablets für alle! Aber wer soll das bezahlen? Hier werden die nächsten Aussagen zum Thema von Ministerin Hammerschmid schon erwartet. Die Presseaussendung zu Schule 4.0-Jetzt wird's digital! besagt folgendes:

Die Ausstattung aller 86.000 SchülerInnen in der fünften Schulstufe mit Tablets und aller 84.000 SchülerInnen in der neunten Schulstufe mit Laptops ist ein mittelfristiges Ziel des Bildungsministeriums. 

Mein persönliches Fazit?

Ob mit Tablet oder ohne - das kann nur eine gemeinschaftliche Entscheidung der Schulgemeinschaft sein. Wer möchte, sollte mit Tablets (oder auch Handys) arbeiten - ohne dass Grabenkämpfe ob der Sinnhaftigkeit entbrennen. Wer dies nicht möchte, sollte sich nicht verpflichtet fühlen, mitmachen zu müssen - ohne als Ewiggestriger abgekanzelt zu werden. Die im Jänner 2017 angekündigte Digitalisierungsstrategie des Bundesministeriums muss mit viel Fingerspitzengefühl und Weitblick umgesetzt werden. 

Erfolgreiche Unterrichtsszenarien sind jedoch immer schon kopiert worden und haben Nachahmer gefunden. Die Zukunft wird uns also ohnehin zeigen, was sich durchsetzen wird!

Weiterführende Links:

Portal Tirol: Tablets im Unterricht

kurier.at: Tablet und Breitband für jeden Schüler

Frankfurter Allgemeine: Misstraut den Tablets!

Virtuelle PH: Elearning Lectures

 

Mögliche Verwendungsszenarien:

 

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