Arbeitsethik - wie wir Arbeit bewerten

Bildquelle: wikimedia.commons/Heinrich Zille

Praktisch jede/r, der/die arbeitet, hat eine persönlich und auch durch die Sozialisation geprägte Einstellung zur jeweiligen Arbeit. So definieren viele ArbeitnehmerInnen sich durchaus über die Arbeit, die sie leisten, die Höhe unseres Einkommens wird zumindest in Relation zur getanen Arbeit gestellt. Diese Einstellungen von Werktägigen zur Arbeit werden allgemein unter dem Begriff "Arbeitsethik" zusammengefasst. In Sprichwörtern wie "Wer arbeitet, soll auch essen!", "Arbeite und bete!" oder "Arbeit macht das Leben süß" stecken ganz unterschiedliche Ethiken, die sowohl mit dem gesellschaftlichen als auch religiösen Hintergrund sichtbar machen.

So ist für protestantisch geprägte Gesellschaften die calvinistische Arbeitsethik prägend, die die Auffassung von Arbeit als zentraler Pflicht und Aufgabe des Lebens transportiert. Sogar unsere Existenz nach dem Tod sei nur schön, wenn wir auch im Jenseits Aufgaben hätten. Im griechischen Altertum dagegen galt körperliche Arbeit als minderwertig, sie behinderte die höhere geistige Tätigkeit. Die frühen Hochkulturen Mesopotamiens dagegen sahen Arbeit als Schicksal der Menschen, da sie nur für diesen Zweck (Arbeit) von den Göttern geschaffen worden seien.

Unsere persönliche Arbeitsethik wird natürlich auch von solchen prägenden gesellschaftlichen Mythen getragen - auch heute akzeptieren viele Europäer Reichtum und Popularität nur, wenn sie auch verdient worden ist. Erben, Lotto-Gewinner, It-Girls werden durchaus abschätzig betrachtet. Einkommen und Leistung (Arbeit) sind - zumindest in der Theorie - eng miteinander gekoppelt. Der hohe Widerstand mancher politischer Parteien gegen ein arbeitsloses Grundeinkommen ist durch eine Arbeitsideologie zu begründen.

Gleichzeitig ist es aber auch unsere persönliche Einstellung zu unserer Tätigkeit, mit der wir unserem Leben Sinn geben. Wer nur aus Verdienstgründen in seinem Beruf steckt, bezahlt möglicherweise mit Frustration, mit Minimalismus und Unzufriedenheit, außer er/sie schafft sich Lebensbereiche, die persönlich sinnstiftender sind. Demotivierend kann in diesem Sinn auch die klassische "entfremdete" Arbeit sein, von der Marx spricht. Arbeit ohne Bezug zu etwas Produziertem fehlt ein zentrales Moment der Sinnstiftung.

 

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