Arbeit - eine anthropologische Grundgröße

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Suche ich in der Wikipedia nach Beiträgen zum Begriff "Arbeit" finde ich gleich zehn verschiedene Definitionen des Begriffes. Von "physikalischer Arbeit" bis zum "Kunstwerk" finden sich unterschiedliche Auslegungen. Hier geht es vor allem um Arbeit als "Erwerbsarbeit", als feste Größe im menschlichen Leben. 

Die anthropologische Wissenschaft scheint sich darin einig zu sein, dass Arbeit erst im Tier-Mensch-Übergangsfeld entsteht und untrennbar mit dem Herstellen von Produkten oder bewussten Absolvieren von Abläufen verbunden ist.  Arbeit hat also immer eine reflexive Komponente. Arbeit ist also demnach eine bewusste, schöpferische Auseinandersetzung mit der Umwelt. Dem Nestbauen z.B. von Vögeln fehle die Bewusstheit und sei daher im philosophischen Wortsinn keine Arbeit. Arbeit ist also eine menschliche Grundkonstante.

Das mag wie typisch philosophische Haarspalterei klingen, tatsächlich meinen wir mit Arbeit aber immer einen Zugang zur Welt, in dem Reflexion steckt, in dem wir uns mit der Umwelt auseinander setzen, bei dem wir in die Zukunft planen und den wir in bestimmten Rhythmen absolvieren. 

Der Zusammenhang zwischen Arbeit und Rhythmus ist bemerkenswert - gerade sehr ursprüngliche Kulturen kennen Arbeit nur in Verbindung mit Rhythmen und Liedern, gesungen, gestampft oder geschlagen. Man beachte die Arbeit von Schmieden, die Werkstücke in einem bestimmten Rhythmus hämmern, von Steinmetzen, die z.B. Pflastersteine legen oder Feldarbeiter, die Baumwolle pflücken.

Die Beurteilung der verschiedenen Arten von Arbeit hat sich in der historischen Zeit stark verändert und spiegelt stark die jeweiligen gesellschaftlichen Veränderungen wider. Die mesopotamischen Schöpfungssagen berichten, dass die Götter das Menschengeschlecht schufen, um nicht mehr selber arbeiten zu müssen. Hier wird Arbeit primär als Mühsal interpretiert. Viele altgriechische Philosophen (die zumeist adliger Abkunft waren) unterschieden zwischen der existenzsichernden, mühseligen Arbeit der Handwerker (Banausen) und Sklaven und der von Verpflichtung freien höheren geistigen Arbeit. 

Seit der frühen Aufklärung und dem Aufstieg des Bürgertums wurde Arbeit dann als bestimmender Faktor angesehen, der Eigentum rechtfertigte. Hätte der Adel bis 1789 es als undenkbar abgelehnt, für Besitz zu arbeiten (Eigentum war im Absolutismus ein Geburtsrecht), galt (und gilt) in der heutigen westlichen Gesellschaft Arbeit als Grundbedingung für Reichtum. Erst Arbeit verleiht mir das Recht, Besitz zu haben. Diese - besonders in den USA - stark ausgeprägte Grundhaltung geht zum Großteil auf die Ethik des Calvinismus zurück. Man lebt, um zu arbeiten und das verleihe dem menschlichen Leben Würde und Sinn. 

Erst in den letzten Jahren scheint sich ein gewisser Wandel einzuleiten. Zu häufig sind mittlerweile Personen wie It-Girls, deren einzige "Arbeit" ist, medial präsent zu sein, um nur ein Beispiel zu nennen. Es wird spannend zu sehen sein, wie sich die Auffassung von Arbeit verändern wird.

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