50. Todestag von Martin Luther King (4.4.1968) - gewaltloser Widerstand mit gewalttätigem Ende

Portrait von Martin Luther King Jr. im Hintergrund eine Collage mit verschiedenen Wörtern wie Nonviolence oder Courage
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Wer an die afroamerikanische Bewegung zur Erlangung der Gleichberechtigung in den USA denkt, dem wird vermutlich vor allem ein Name einfallen. Denn Martin Luther King Jr. und sein gewaltloser Widerstand waren die wohl treibendste Kraft in den 1960er Jahren, als die USA von sozialen Unruhen gebeutelt wurden, in deren Verlauf wichtige Schritte hin zu einer Gleichberechtigung der Afroamerikaner gesetzt wurden. Seine Art des Widerstands war gewaltlos, sein Ende vor 50 Jahren leider nicht.

Vom Kind zum Priester

Am 15.1.1929 wurde Michael King Jr. als mittleres von 3 Kindern der Lehrerin Alberta Christine Williams King und des Predigers der baptistischen Ebenezer Gemeinde Atlanta Michael King in Atlanta geboren. Den Namen Martin Luther erhielt er erst 1934, als sein Vater nach einer Europareise beschloss, im Gedenken an Martin Luther, den er sehr bewunderte, den eigenen und den Namen seines Sohnes zu ändern. Der kleine Martin Luther King Jr. wuchs zwar in einer Gegend auf, in der vornehmlich wohlhabendere Afroamerikaner lebten, dennoch erlebte auch er bereits in frühester Kindheit die zur damaligen Zeit vor allem in den Südstaaten vorherrschende Diskriminierung und Segregation. Wohl auch durch seinen Vater geprägt empfand er dies bereits früh als sehr große Ungerechtigkeit. Sein Redetalent stellte er mit 14 Jahren erstmals unter Beweis, als er einen Rednerwettbewerb gewann. 1948 machte er am Morehouse College seinen Abschluss in Soziologie und begann mit der theologischen Ausbildung am Crozer Theological Seminary, die er 1951 erfolgreich abschloss. In seiner Zeit am Morehouse College verliebte er sich in eine Tochter deutscher Immigranten, die er auch heiraten wollte. Nach Empfehlungen seiner Freunde davon Abstand zu halten, da eine Ehe mit einer weißen Amerikanerin viele Probleme mit sich bringen und auch seine Chancen auf ein Priesteramt minimieren würde, beendete er diese Beziehung. Sein privates Glück fand er dann etwas später doch wieder mit Coretta Scott Williams, die er 1953 heiratete und mit der er insgesamt 4 Kinder hatte. 1954 bekam er die Stelle als Pastor der Dexter Avenue Baptist Church in Montgomery (Alabama). In dieser Zeit schrieb er auch seine Dissertation an der Boston University, bei der 1991 durch eine Kommission der Verdacht des Plagiats in den Raum gestellt wurde, und schloss sein Doktoratsstudium ab.

Der Priester im Widerstand

Als es 1955 zu friedlichen Protesten in Montgomerry kam, nachdem Rosa Parks sich geweigert hatte ihren Sitzplatz in einem Bus für einen Weißen freizumachen, wurde Martin Luther King Jr. zum Leiter des für den folgenden Boykott und die Proteste neu gegründeten Komitees gewählt. Der friedliche Protest zeigte die Geschlossenheit der afroamerikanischen Bevölkerung und die wirtschaftliche Abhängigkeit weißer Unternehmer_innen von den ungeliebten afroamerikanischen Mitbürger_innen und wurde zu einem Erfolg. 1956 wurde die Segregation in öffentlichen Verkehrsmitteln von Montgomery aufgehoben und King Jr. wurde aufgrund dieses Erfolges zum Präsidenten der 1957 gegründeten Southern Christian Leadership Conference (SCLC) gewählt. 1960 kündigte er seine Pastorenstelle in Montgomery und zog wieder zurück in seinen Heimatort, um sich die dortige Pastorenstelle mit seinem Vater zu teilen, was ihm ermöglichte aktiver an Protestbewegungen teilzunehmen. Bei einem solchen Protest wurde er festgenommen. Was folgte war typisch für die damalige Zeit: King Jr. weigerte sich eine Kaution zu bezahlen, woraufhin man ihn im Gefängnis behielt. Als im benachbarten DeKalb County bekannt wurde, dass King Jr. festgenommen wurde, beantragten die dortigen Behörden die Auslieferung vonn King Jr., da er seinerzeit vergessen hatte, den Führerschein rechtzeitig umzuschreiben und deshalb eine Bewährungsstrafe erhalten hatte. Er wurde ausgeliefert, am 25.10.1960 zu 4 Monaten Zwangsarbeit verurteilt und in die Haftanstalt Reidsville (Giorgia) überstellt, die in einer der Hochburgen des Ku Klux Clans lag. Dort wurde er schlecht ernährt und zog sich eine Erkältung zu. Dann kam Martin Luther King Jr. jedoch seine mittlerweile doch recht große Bekanntheit zu Gute, denn der damalige Präsidentschaftskandidat John F. Kennedy setzte sich für ihn ein, sodass er letztendlich bereits am 28.10.1960 gegen Zahlung einer Kaution wieder freigelassen wurde.

Der Widerstand breitet sich aus

Martin Luther King Jr., der nun ein sehr aktives Mitglied der Widerstandsbewegung der Afroamerikaner war, setzte seinen Widerstand fort. Zuerst brachte er sich ab 1961 in die Protestbewegung in Albany ein. Dort musste er dann jedoch erstmals erkennen, dass diese Art des Widerstands nicht überall in gleicher Weise erfolgreich ist, vor allem wenn der Widerstand schlecht organisiert ist, wie es in Albany der Fall war. So suchten King Jr. und seine Mitstreiter, wie etwa Ralph Abernathy, ein neues Ziel für den Widerstand. Ihre Wahl fiel dabei auf Birmingham in Alabama. Gut organisiert war der gewaltfreie Widerstand ab 1963 in Birmingham, in dem King Jr. auch begann Kinder und Jugendliche einzubinden, von Erfolg gekrönt, wenngleich King Jr. im Rahmen dieser Proteste abermals verhaftet wurde. Aus dieser Haftstrafe stammt auch sein berühmter Brief Why we can't wait vom 16.4.1963. Es gelang die Position der Afroamerikaner in Birmingham wesentlich zu verbessern und etwa die Segregation in Restaurants aufzuheben und die Freilassung von Protestanten zu erreichen. Dass nicht alle mit dieser Entwicklung einverstanden waren, zeigte sich, als auf das Hotel, in dem Martin Luther King Jr. wohnte, ein Bombenanschlag verübt wurde, bei dem allerdings niemand verletzt wurde.

Auf dem Weg zum Friedensnobelpreis

Das steigende Bewusstsein der Afroamerikaner, dass ihre Bemühungen für Gleichberechtigung, die auch immer mehr von weißen Mitbürger_innen unterstützt wurden, letztendlich erfolgreich sein könnten, führte landesweit zu gewaltfreien Protesten und der Gesetzesvorlage des Civil Rights Act, in der Kennedy, der ein Verfechter der Gleichberechtigung und mittlerweile auch US-Präsident war, eine landesweite Gleichberechtigung durchsetzen wollte. Dazu passte auch das Vorhaben von King Jr. und seinen Mitstreiter_innen, den Widerstand in einer großen Demonstration in Washington für alle sichtbar zu machen um die Bevölkerung für die Lage der Afroamerikaner weiter zu sensibilisieren. Der Marsch auf Washington fand am 28.8.1963 statt und Martin Luther King Jr. hielt seine berühmte Rede I Have a Dream. Als am 22.11.1963 John F. Kennedy erschossen wurde, war zu befürchten, dass der Civil Rights Act nicht mehr durchgesetzt werden würde. Die Befürchtungen erwiesen sich jedoch als grundlos und er wurde am 2.7.1964 von Kennedys Nachfolger Lyndon B. Johnson unterzeichnet. Nach einer Reise zum Weltkongress der Baptisten in Berlin, in deren Verlauf er sowohl in West- als auch in Ostberlin predigte und das gemeinsam Verbindende hervorstrich, ereilte ihn die Nachricht, dass er den Friedensnobelpreis erhalte, was dann am 11.12.1964 auch geschah.

Nach dem Friedensnobelpreis

Der Weg des gewaltfreien Widerstands von Martin Luther King Jr. schien zwar erfolgreich zu sein, wie der Civil Rights Act und der Friedensnobelpreis zeigten, aber dennoch waren noch einige Ziele zu erreichen und es mehrten sich in der afroamerikanischen Widerstandsbewegung die Stimmen, die durchaus auch Gewalt als legitimes Mittel des Protests ansahen. In diesem Klima gelang es dennoch nach Protesten in Selma und Montgomery und mit Unterstützung von Lyndon B. Johnson am 6.8.1965 den Voting Rights Act durchzubringen, der Diskriminierungen bei Wahlen (v.a. die für Afroamerikaner teilweise notwendigen Wahltests) beseitigen sollte. Das Land fand dennoch keine Ruhe, es kam vermehrt zu gewalttätigen Aufständen, v.a. durch die Flügel der Nation of Islam (Black Muslims) unter Malcolm X und die Black Panther Party. Neben der Rassentrennung wurde auch der Vietnamkrieg immer mehr zu einem Thema, das die Nation spaltete. Martin Luther King Jr. war hier auf Seiten der Gegner des Vietnamkrieges und er widmete sich ab 1966 vermehrt diesem Thema. Des Weiteren begann er, sich generell für Benachteiligte einzusetzen - egal welcher Herkunft. Diese Hinwendung zu neuen Zielen brachte ihn nicht nur auf Konfrontationskurs mit dem Weißen Haus, sondern verstärkte auch die Kritik an ihm von Seiten der afroamerikanischen Widerstandsbewegung.

Das Attentat

Seinem neuen Ziel, sich gegen Benachteiligungen einzusetzen folgend, beschloss King Jr. im Vorfeld des Poor People's March in Memphis an einer Demonstration teilzunehmen. Er wollte damit nicht zuletzt auch testen, ob seine Wirkung auf die Massen unter der Hinwendung auf die neuen Ziele gelitten habe. Im Rahmen dieser Protestkundgebung hielt er am 3.4.1968 seine berühmte Rede I've been to the mountaintop. Als Martin Luther King Jr. am 4.4.1968 am Balkon des Lorraine Motels stand, wurde er erschossen.

Nach dem Attentat

Unmittelbar nach dem Tod von Martin Luther King Jr. kam es im ganzen Land zu Krawallen, die aber innerhalb weniger Tage abklangen. Am 9.4.1968 wurde Martin Luther King Jr. in Atlanta auf dem South View Cemetery, einem Friedhof für Afroamerikaner, unter reger Anteilnahme bestattet. Als Mörder wurde James Earl Ray ausgeforscht und am 10.3.1969 nach Ablegung eines Geständnisses zu 99 Jahren Haft verurteilt. Allerdings widerrief James Earl Ray dieses Geständnis bereits 3 Tage später wieder und behauptete das Opfer einer Verschwörung zu sein. Es ist bis heute unklar und umstritten, ob es sich bei James Earl Ray tatsächlich um den Mörder von Martin Luther King Jr. handelt.

Bedeutung von Martin Luther King Jr. heute

Martin Luther King Jr. war eine der bedeutendsten Figuren der afroamerikanischen Bewegung für die Gleichberechtigung, die sich auch gegen den Vietnamkrieg und später dann generell für die Gleichberechtigung Benachteiligter einsetzte. Er wurde nach seinem Tod noch mit zahlreichen Auszeichnungen bedacht, u.a. auch mit der höchsten zivilen Auszeichnung der USA (The Presidential Medal of Freedom), und er wird oft auch gemeinsam mit Abraham Lincoln als Verfechter der Menschenrechte genannt. Die Bedeutung von Martin Luther King Jr. für die Geschichte der USA ist so groß, dass selbst die aufgetretenen Plagiatsvorwürfe seinem Ansehen nicht schaden konnten. Seine Frau Coretta Scott King gründete noch 1968 das King Center in Atlanta und setzte sein Werk fort. Das King Center besteht heute noch und leistet nach wie vor wichtige Arbeit für die Gleichberechtigung Benachteiligter im Rahmen eines gewaltfreien sozialen Wandels. Es kann genauso besichtigt werden, wie das National Civil Rights Museum at the Lorraine Motel, in dem Martin Luther King Jr. erschossen wurde.

 

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